Schülerproteste in Frankreich Fünf-Punkte-Plan, aber noch kein Befreiungsschlag
In Frankreich geht die Regierung mit einem Maßnahmenkatalog auf die protestierenden Schüler zu. Diese begrüßen den Fünf-Punkte-Plan des Bildungsministers, wollen am kommenden Samstag aber erneut demonstrieren.
Es ist noch kein Befreiungsschlag, aber ein erster Schritt. Als die Vertreterinnen und Vertreter der Schülerschaft am Nachmittag den Amtssitz des Premiers verließen, wirkten sie stolz, etwas erreicht zu haben. "Wir können uns zu einigen ersten Siegen beglückwünschen", sagte etwa Marius Mesnil von der größten Schülergewerkschaft Union syndicale lycéenne. "Was den Lehrermangel, die Schülerstärke pro Klasse und die Gebäudesanierung anbelangt, haben wir doch einiges erreicht." Das zeige, dass die Mobilisierung funktioniert hat.
In der Tat hat die Regierung in einigen Punkten eingelenkt. Minister Edouard Geffray räumte bei seiner Pressekonferenz am Abend zunächst ein, dass die Schülerinnen und Schüler unter enormem Druck stünden. Das habe die Auswertung der mehr als 100.000 Eingaben auf der eigens geschaffenen digitalen Beschwerdeplattform gezeigt.
Mehr Lehrer, weniger Schüler pro Klasse
Der Druck entsteht durch die Unsicherheit bei der Studienplatzvergabe, durch die frühe Schwerpunktfestlegung und durch die vollen Klassen.
Der Minister kündigte an, die Klassenstärke in Stufe 10 schrittweise auf 28 Schüler zu reduzieren. Anfangen will er bei der weniger gut gestellten Hälfte aller Lycées. Und Geffray versprach, neue Lehrer einzustellen: "Die 836 geplanten Stellenstreichungen lassen wir bleiben. Stattdessen schaffen wir 500 neue Lehrerposten für die Oberstufen."
Die Ankündigung der Regierung, vergünstigte Kredite im Umfang von vier Milliarden Euro für die Renovierung von Schulgebäuden zur Verfügung zu stellen, stieß auf ein geteiltes Echo.
So kritisierte Kamel Chibli, Vizepräsident der Region Okzitanien, dass die Maßnahme am eigentlichen Problem vorbeigehe. Im Sender France Info sagte er: "Die machen sich doch über uns lustig. Wir brauchen doch die Regierung nicht, um Kredite abzuschließen." Man brauche einen "grünen Fonds, der gezielt für die energetische Sanierung der Gebäude eingerichtet wird". Das fordere man schon seit Monaten. "Wir brauchen diesen Fonds, um endlich auf die Region passend genau sanieren zu können."
Forderung nach 250.000 neuen Studienplätze
Mit Spannung war erwartet worden, wie die Regierung auf die Forderung eingehen würde, die umstrittene Studienplatzvergabe-Plattform Parcoursup abzuschaffen. Bildungsminister Geffray kündigte nun an, sie in einem ersten Schritt transparenter gestalten zu wollen, um sie dann 2028 durch ein neues System zu ersetzen. Schülervertreter Marius Mesnil ist damit noch nicht zufrieden: "Parcoursup zu ersetzen ist gut, aber sie bieten uns gleichzeitig nur 15.000 neue Studienplätze." Das sei zu wenig, dann bleibe es bei der Selektion. "Wir fordern 250.000 neue Studienplätze, damit keine Studenten mehr aussortiert werden."
Gemeinsam mit den Studierendenvertretern haben die Schülergewerkschaften angekündigt, am kommenden Samstag erneut zu demonstrieren. Der Befreiungsschlag für die Regierung bleibt vorerst aus.





