Tech-Abverkauf an der Nasdaq Die Investoren werden ungeduldig
Der KI-Boom beherrscht weiter die Wall Street. Die erste Euphorie ist aber vorbei - die Anleger wollen vielmehr endlich Ergebnisse der horrenden KI-Investitionen sehen. Meta ist ein warnendes Beispiel.
Mal nimmt die Börse, mal gibt sie - die altbekannte Börsenweisheit fand in der Nacht in New York einmal mehr Bestätigung. Waren es zuvor die verlockenden Aussichten auf die scheinbar unendlichen Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI), die den Aktienkursen und Indizes immer neue Rekordhöhen bescherten, wird ein Themenwechsel beim Thema KI immer lauter.
Zuletzt schon gab es kaum einen Quartalsbericht, in dessen Vorfeld es keine Bedenken gegeben hätte, dass die hohen Bewertungen der KI-Tech-Riesen womöglich zu hoch seien. Anders gesprochen, die Firmen mussten liefern, sonst droht Ungemach - denn die Fallhöhe ist hoch.
"Es gibt derzeit definitiv eine gesunde Skepsis gegenüber KI", sagte Brendon Dashiell, Portfoliomanager bei Bogart Wealth. Die bereits hohen Bewertungen machten die Branchentitel anfällig. "Jeder kleine Rückschlag am Markt kann daher bei diesen Aktien zu einem starken Kursverlust führen."
Meta-Aktie unter Druck
Genau das ist in der Nacht der Meta-Aktie passiert, die um rund sieben Prozent nachgab, im Tagestief lag der Verlust sogar noch höher. Pläne des Internetriesen zur Aufstockung der Investitionen schürten abermals Befürchtungen, dass die Technologiegiganten in einem bereits gesättigten Markt mehr Anleihen für den Ausbau der KI-Infrastruktur auflegen werden.
Allein Meta steckt in diesem Jahr mindestens 135 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur. Das Geld dafür liefert weiter das boomende Werbegeschäft. Konzernchef Zuckerberg baut Rechenzentren für Künstliche Intelligenz im Wettbewerb mit Vorreitern wie dem ChatGPT-Entwickler OpenAI aggressiv aus.
"Die Botschaft scheint immer deutlicher zu werden: Der Markt ist nach wie vor bereit, hohe Investitionen in KI zu belohnen, stellt jedoch immer höhere Anforderungen an die Renditen", sagte Santiago Mateo, Leiter des Aktienbereichs der CaixaBank AM. "Die Anleger wollen Nachweise dafür, dass sich die Investitionen in ein stärkeres Wachstum, eine bessere Monetarisierung und letztendlich in Gewinnen niederschlagen."
Während die Investitionen von Meta Marktteilnehmer zweifeln lassen, kamen die Quartalszahlen selbst gut an. Analyst Doug Anmuth von der Bank JPMorgan sprach in einer ersten Reaktion von guten Zahlen. Im vergangenen Quartal hatte Meta den Konzernumsatz im Jahresvergleich um 26 Prozent auf fast 65 Milliarden Dollar gesteigert. Unter dem Strich gab es einen Gewinn von fast zehn Milliarden Dollar nach 2,7 Milliarden vor einem Jahr.
Breiter Abverkauf bei Chip-Aktien
Auch Halbleiteraktien, der Kern des KI-Booms, gaben auf breiter Front nach. Papiere des Platzhirsch Nvidia fielen um über vier Prozent, Micron um über sechs- und Broadcom ebenfalls rund vier Prozent. Die Börse fragt sich schon lange, wie lange der Boom noch weitergeht. denn noch immer übersteigt die Nachfrage das Angebot - was bedeutet, dass auch die Preise steigen. Aber kann das ewig so weitergehen und vor allem, zu welchem Preis?
DAX gibt nach
Der DAX kann die schwachen Vorgaben der Nasdaq nicht ignorieren und fällt am frühen Nachmittag ebenfalls um rund 0,7 Prozent. Der Index liegt damit um die Marke von 25.200 Punkten. Damit deutet sich ein Wochenverlust von rund 1,6 Prozent an. Neben den schwachen Vorgaben der Nasdaq belasten weiter die hohen Ölpreise und die Sorgen um die französischen Staatsfinanzen das Geschehen.
Im Technologiesektor gehe es längst nicht mehr um die grundsätzlichen Wachstumsperspektiven Künstlicher Intelligenz (KI), sondern um die Frage, ob sich die Investitionen jemals in entsprechend hohe Gewinne verwandeln ließen, erläuterte CMC-Markets-Experte Andreas Lipkow.



