Weniger ist mehr Porsche stellt umfassendes Sanierungsprogramm vor

Weniger ist mehr: Der Sportwagenbauer Porsche will sich zukünftig auf weniger, dafür lukrativere Modelle konzentrieren. Zudem sollen die Kosten weiterhin rigoros gesenkt werden.

"Sportwagenschmiede 35" - so heißt das neue Sanierungskonzept, das Porsche-Chef Michael Leiters heute auf dem Kapitalmarkttag des Stuttgarter Sportwagenbauers vorstellt. Im Kern besagt es, dass Porsche weniger Autos bauen wird, dafür exklusivere, heißt teurere Modelle - mit denen dann auch wieder mehr Geld verdient werden soll. Gleichzeitig will die VW-Tochter die Kosten weiterhin "rigoros" senken, so Leiters weiter.

Ziel des Managements ist es, mittelfristig wieder eine Marge von zehn bis 15 Prozent zu erreichen bei einem Umsatz von 41 bis 45 Milliarden Euro. Vom Ziel einer Marge von 20 Prozent wie beim Konkurrenten Ferrari hat man sich in Stuttgart aber verabschiedet.

Porsche war im vergangenen Jahr in schweres Fahrwasser geraten, primär weil der chinesische Markt eingebrochen war. Diese Tendenz hat sich auch im ersten Halbjahr 2026 fortgesetzt, die Auslieferungen gingen um 166 Prozent zurück. Gründe sind die schwache chinesische Luxusnachfrage und der zunehmende Wettbewerb durch chinesische Hersteller. Aber auch hohe US-Zölle sowie verfehlte Erwartungen des Managements unter dem Vorgänger Oliver Blume bei der E-Antriebs-Strategie lasteten zuletzt auf der Luxusmarke.

"Wir werden diesen Markt nicht aufgeben", betonte Leiters im Hinblick auf den chinesischen Markt. Insgesamt erwartet er aber weiter ein anspruchsvolles Marktumfeld. Wachstumspotenzial sieht Porsche in den USA, wo der Absatzanteil von 35 Prozent steigen soll. In Europa wird ein stabiler Anteil von 35 Prozent erwartet.

Mehr Spitzenmodelle

Angesichts des sinkenden Absatzes will der Sportwagenbauer künftig bereits mit weniger als 200.000 Verkäufen im Jahr die Gewinnschwelle erreichen, nach Worten von Leiters schon 2027. Porsche will dabei künftig auf die Stärke seiner Marke setzen.

Der Schwerpunkt im Angebot soll nach oben verschoben werden, auf lukrative Spitzenmodelle und Sonderanfertigungen. Den Durchschnittspreis von Top-Modellen, von denen mindestens 10.000 Exemplare im Jahr verkauft werden sollen, will Leiters bei verbesserten Produkten um 20 Prozent auf mehr als 330.000 Euro erhöhen.

Um Komplexität zu reduzieren, soll die Zahl der Varianten um ein Fünftel sinken, ihre Verkaufszahl um 30 Prozent. Leiters plant neue Top-Modelle: eine Supersportwagenplattform und ein Luxus-SUV oberhalb des Cayenne. Der Antriebsmix bei Modellen und Absatz soll bis in die 2030er Jahre aus zwei Dritteln Verbrenner und einem Drittel batterieelektrischer Autos bestehen. Damit senkt Porsche seine Elektroambitionen unter Leiters weiter mit Verweis auf die Nachfrage.

Kosten runter - bis zu 30 Prozent Stellen weniger

Ein zentraler Bestandteil des Sanierungsplans sind Kostensenkungen. Die Profitabilität soll dadurch in allen Bereichen von der Entwicklung über Produktion, Einkauf und Verwaltung bis zum Vertrieb verbessert werden. Auch die Nutzung gemeinsamer Plattformen mit der Konzernschwester Audi soll Effizienz bringen.

Die Belegschaft von rund 42.000 soll mittelfristig um 25 Prozent schrumpfen - "mit einem strategischen Ziel von 30 Prozent". In zwei Verhandlungsrunden mit dem Betriebsrat wurde bereits der Abbau von 9.000 Stellen bis 2035 vereinbart. Von den Managementpositionen fallen 40 Prozent weg. Der Abbau soll sozialverträglich, also ohne Kündigungen vonstattengehen.

DAX gibt Gewinne wieder ab

Weiter steigende Ölpreise und Anleiherenditen sorgen derweil für schlechte Stimmung an der Frankfurter Börse. Der Leitindex DAX gibt einen Großteil der Vortagesgewinne wieder ab und rutscht am frühen Nachmittag um rund 1,4 Prozent ab, auf etwas unter 25.100 Punkte.

Der MDAX, in dem sowohl die VW-Holding Porsche SE als auch die Aktie des Autobauers Porsche selbst enthalten sind, verliert knapp ein Prozent. Während die Porsche Holding bei volatilem Handel zulegt, geben Porsche AG nach. Im DAX gewinnt die Vorzugsaktie des Mutterkonzerns Volkswagen rund ein halbes Prozent.