Probleme in Saudi-Arabien Droht der nächste Ölpreis-Schock?

Erst die Straße von Hormus, nun die Meerenge Bab al-Mandab und eine beschädigte Pipeline. Der größte Ölexporteur der Welt Saudi-Arabien hat eine Reihe von Problemen. Wie entwickelt sich der Ölpreis? Welche Folgen hat das für Deutschland?

Die Ausgangslage

Seit Ende Februar herrscht Krieg zwischen den USA und Iran. Die Straße von Hormus ist für Handelsschiffe seitdem nicht mehr sicher passierbar. Etwa 20 Prozent des weltweiten Energiehandels läuft normalerweise über diese Schifffahrtsroute. Gespräche über eine Waffenruhe stecken fest. Die Spritpreise steigen.

Welche Bedeutung hat Saudi-Arabien für den weltweiten Ölhandel?

Mit einer Fördermenge von rund zehn Millionen Barrel pro Tag ist Saudi-Arabien nach den USA der zweitgrößte Ölproduzent der Welt. Weil die USA große Mengen selbst verbrauchen, ist Saudi-Arabien der wichtigste Ölexporteur der Welt. Sieben Millionen Barrel verkauft das Land jeden Tag.

Normalerweise nutzt Saudi-Arabien für den Export auch die Straße von Hormus. Wegen des Iran-Kriegs ist Saudi-Arabien auf andere Routen ausgewichen, etwa die Ost-West-Pipeline. Sie führt vom Persischen Golf bis an die Küste des Roten Meeres. Von dort transportieren Schiffe das Öl durch die Meerenge Bab al-Mandab in Richtung Asien oder durch den Suez-Kanal nach Europa.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur haben sich die saudischen Ölexporte über den am Roten Meer gelegenen Endhafen der Pipeline seit Beginn des Iran-Kriegs mehr als verdoppelt.

Welche Probleme hat Saudi-Arabien aktuell?

ARD-Korrespondent Ramin Sina drückt es so aus: "Grundsätzlich ist Saudi-Arabien unter Druck. Es gab viele Angriffe. Es wird immer schwieriger für Saudi-Arabien, Öl zu exportieren." Konkret muss Saudi-Arabien zwei Probleme lösen: Erstens bedrohen vorgerückte Huthi-Rebellen im Jemen die Meerenge Bab al-Mandab. Sie werden von Iran unterstützt und haben angekündigt, keine saudischen Handelsschiffe passieren zu lassen.

Die Meerenge Bab al-Mandab ist noch enger als die Straße von Hormus, an der schmalsten Stelle ist sie nur etwa 20 Kilometer breit. Sollten die Huthi aus dem Jemen die Meerenge kontrollieren und angreifen, dürfte es kaum möglich sein, dort einen sicheren Korridor für Schiffe zu etablieren, schreibt das Institut für Kriegsstudien (ISW) in einer Analyse. Für Iran bedeutet das ein weiteres Druckmittel.

Zweitens ist die Ost-West-Pipeline durch Angriffe beschädigt und kann derzeit nicht genutzt werden. Die Behörden bezeichneten die Stilllegung als Vorsichtsmaßnahme. Über die mehr als 1.200 Kilometer langen Röhren können pro Tag bis zu sieben Millionen Barrel Öl (ein Barrel entspricht 159 Liter) aus der Region am Persischen Golf zur Verschiffung nach Westen ans Rote Meer gepumpt werden.

US-Medien wie CNN und das Wall Street Journal berichteten, bei den Angriffen seien wohl Pumpstationen der Pipeline getroffen worden. Sie beriefen sich dabei auf Satellitenbilder, die zeigen sollen, dass es dort zu Bränden gekommen ist. Wie groß der Schaden ist und bis wann er behoben werden kann, ist unklar.

Das saudische Außenministerium machte mehrere im Irak gestartete Drohnen für die Angriffe verantwortlich. Das Königreich werde von Vergeltungsmaßnahmen absehen, um der irakischen Regierung die Gelegenheit zu geben, die erforderlichen Schritte einzuleiten, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums. Die irakische Regierung verurteilte den Drohnenangriff auf Saudi-Arabien, man untersuche, wer dahinterstecke.

Was heißt das für den Ölpreis?

Der Vormarsch der Huthi und die Schäden an der Pipeline könnten den Ölpreis in Richtung 120 US-Dollar pro Barrel treiben, sagte der Analyst Hamad Hussain von der Beratungsfirma Capital Economics dem Wall Street Journal. Letztlich hänge das auch vom Ausmaß der Schäden an der Pipeline ab. Manche Analysten halten bei einem längeren Andauern des Konflikts auch einen noch höheren Ölpreis für möglich. Noch liegt er aber ein gutes Stück unter dem Jahreshoch von rund 126 Dollar, das Ende April erreicht wurde.

Der Rohöl-Preis legte zuletzt aber wieder deutlich zu. Der Preis für ein Barrel der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November erreichte am Freitag zeitweise fast 110 US-Dollar. Vor dem Iran-Krieg lag der Ölpreis im Februar bei um die 70 Dollar pro Barrel. Damals lief noch etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte über die Straße von Hormus.

Welche Folgen haben die Vorfälle für die Menschen in Deutschland?

Der Sicherheitsexperte Moritz Brake sagte dem mdr, dass die Auswirkungen der aktuellen Spannungen auch die Menschen in Deutschland treffen. "Auch uns wird das wieder an der Tankstelle ereilen."

Der Grund: Wenn weniger Öl exportiert werden kann, steigt der Ölpreis und damit auch die Benzinpreise in Deutschland. Zuletzt war der Preis für Super E10 auf einen neuen Rekordwert von 2,22 Euro gestiegen. Seitdem gingen die Preise weiter nach oben. Auch Diesel hat sich verteuert. Am Samstagmittag berichten Reporter aus dem Erzgebirge von Preisen für einen Liter Diesel zwischen 2,55 und 2,58 Euro.

Die Chefin der Linkspartei, Ines Schwerdtner, forderte staatliche Maßnahmen gegen die erwartet weiter steigenden Spritpreise. "Während die internationale Diplomatie versagt, sollen die Menschen hier die Rechnung an der Tankstelle bezahlen. Gleichzeitig drehen die Ölkonzerne unkontrolliert an der Preisschraube und verdienen Milliarden an der Krise", sagte Schwerdtner.

Wie verhalten sich die USA?

US-Präsident Donald Trump erklärte bei seinem Besuch in Irland, wahrscheinlich sei Iran für den Drohnenangriff auf die Pipeline in Saudi-Arabien verantwortlich. Er erklärte zudem, seine Regierung habe Gespräche mit der Huthi-Miliz im Jemen geführt. "Die Huthi haben uns angerufen, und sie wollen nicht gegen uns kämpfen", sagte Trump. "Sie hätten es viel lieber, wenn wir uns nicht einmischen würden, und sie lassen die meisten Schiffe passieren."

Trump erklärte auch, er habe mit Kronprinz Mohammed bin Salman aus Saudi-Arabien gesprochen, den er als "Freund" bezeichnete. US-Medien hatten zuletzt berichtet, bin Salman habe Trump angesichts des schnellen Vormarschs der Huthi um militärische Unterstützung gebeten. Die USA hätten die Bitte jedoch abgelehnt. Die US-Regierung werde Saudi-Arabien weiterhin nachrichtendienstliche Informationen liefern, zitierte das Medienportal einen Regierungsvertreter. Ein direktes militärisches Eingreifen werde zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht in Betracht gezogen.

Wie geht es weiter?

Am Montag gibt es im Oman ein Krisentreffen der Golfstaaten mit Iran. Dann wollen die Länder über die Straße von Hormus sprechen und nach einer Lösung suchen.

Laut dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian wollen Oman und Iran bei dem Treffen ein Abkommen über neue Schiffsrouten in der Straße von Hormus unterzeichnen. Das Abkommen solle dann der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation übergeben werden.

Auf den Pipeline-Angriff angesprochen, sagte Peseschkian, sein Land befinde sich "nicht im Krieg mit Saudi-Arabien, und die Huthi haben ihre eigenen Probleme". Einschätzungen der Jemen-Expertin Nadwa Dausari zufolge versucht Iran, die Huthi-Miliz im Jemen ähnlich wie die Hisbollah im Libanon als Verhandlungsmasse einzusetzen. Allerdings handeln die Huthi etwas unabhängiger von Iran und verfolgen vor allem das Ziel, ihre Macht im Jemen zu erhalten und auszubauen.