Schutz gegen Angriffe Polen investiert massiv in die Drohnenabwehr

In Ostpolen, im Grenzgebiet zur Ukraine, ist die Lage angespannt. Eine effektive Drohnenabwehr wird für das Land immer wichtiger. Nun baut Polen im Eiltempo ein komplexes System auf.

Es geht um ein Projekt, das die polnische Regierung mit Superlativen beschreibt: "Heute schaffen wir ein beispielloses, hochmodernes System. Es gibt nichts Vergleichbares in Europa", sagte Premierminister Donald Tusk Anfang des Jahres.

Damals unterzeichnete Polen einen Vertrag, um ein fortschrittliches Drohnen- und Flugabwehrsystem aufzubauen, kurz SAN. Bei dem Projekt arbeitet Polen mit Norwegen zusammen.

Verschiedene Erkennungs- und Abwehrsysteme

Das SAN soll verschiedene Erkennungs- und Abwehrmöglichkeiten in sich verbinden. "Es ist eine Kombination zahlreicher Lösungen, sowohl inländischer Herstellung als auch importierter Herkunft", erklärt Militärexperte Mariusz Cielma.

In der Abwehr würden Kanonen und Maschinengewehre verschiedener Kaliber sowie Abfangdrohnen eingesetzt. Außerdem soll ein komplexes System aus Radaren, Sensoren und Kameras die Lage in der Luft verfolgen.

Was bisher bekannt ist: Das SAN soll fliegende Drohnen entdecken, aber auch welche, die im sogenannten Schwebeflug auf den Einsatz warten. Die "Augen und Ohren" des SAN sollen Drohnen in verschiedener Entfernung erfassen - von einigen wenigen bis zu mehreren Dutzend Kilometern.

Auch Schutz kritischer Infrastruktur

"Dieses System wird aber auch Daten von externen Quellen beziehen, sei es von anderen Luftverteidigungssystemen oder von den Landstreitkräften", sagt Cielma.

Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz zählte auf, aus wie vielen Verbänden und Einheiten das SAN bestehen wird: "18 Drohnenabwehrbatterien, 52 Feuerleitzüge, 18 Führungszüge, 703 Fahrzeuge." Eine Drohnenabwehrbatterie ist ein Verband aus meist einem Führungs- und mehreren Feuerleitzügen sowie weiteren Fahrzeugen.

Das SAN soll nicht nur dem Militär dienen, sondern auch Objekte der kritischen Infrastruktur schützen.

Polen gibt dafür umgerechnet rund dreieinhalb Milliarden Euro aus. In das Projekt fließen auch europäische Gelder, aus dem EU-Finanzinstrument SAFE. Dort können sich Mitgliedsländer günstig Geld leihen, um in die Verteidigung zu investieren.

Ziel: Die bestgeschützte Grenze Europas

Die neue Drohnenabwehr wird Maßnahmen auf dem Boden ergänzen. Auf der Strecke von mehr als 700 Kilometern, entlang der östlichen Grenzen zu Belarus und Russland baut Polen derzeit nämlich einen Schutzwall auf. Er soll bei einem möglichen Einmarsch die feindlichen Truppen aufhalten.

Auch mithilfe der SAN-Drohnenabwehr soll laut Polens Regierungschef Donald Tusk die östliche Grenze die am besten geschützte Grenze Europas werden. "Wir tun all das nicht, um jemanden zu bedrohen. Nicht, um Krieg zu führen, sondern um eine Aggression zu vermeiden. Es gibt keine bessere Methode, als unseren potenziellen Gegnern klarzumachen, dass Polens Grenzen zu Lande, zu Wasser und in der Luft unüberwindbar sind, für einen Aggressor unpassierbar."

Das Abwehrsystem soll schnell aufgebaut werden, bis Ende 2027. Erste Lieferungen treffen schon dieses Jahr ein.

Geheimdienste warnen vor Angriff

Wie wichtig eine moderne Drohnenabwehr geworden ist, zeigen die aktuellen russischen Angriffe gegen die Ukraine. Russland setzt dabei inzwischen sogenannte Jet-Drohnen ein. Nach Angaben von Militärexperten fliegen sie sehr schnell, bis zu 500 Kilometer pro Stunde. Dadurch sind sie schwerer zu entdecken und abzuschießen - und fordert die ukrainische Flugabwehr so massiv heraus.

Geheimdienste warnen, dass als Zufall getarnte Angriffe auch auf NATO-Staaten möglich sind, darunter Polen. Das erklärte Tusk Mitte September. Das Militär hat die Luftverteidigung inzwischen verstärkt.