Spaniens König besucht Ceuta Spuren beseitigt, Problem weggeschoben
Der spanische König besucht für zwei Tage die Enklave Ceuta. Vor seiner Anreise wurden Strände und Straßen geräumt, wo Migranten über Wochen ausgeharrt hatten. Was also wird Felipe VI. in Ceuta sehen können?
An der Playa del Trampolín wird aufgeräumt. Reinigungstrupps in gelben Leuchtwesten beseitigen die Reste der improvisierten Zeltstadt, in der wochenlang Tausende Migranten ausgeharrt hatten.
Sie fegen Schilfrohr zusammen, Baumaterial für notdürftige Hütten, sammeln Plastikwasserflaschen und andere Überbleibsel ein und verstauen alles in unzählige schwarze Müllsäcke. Ein grün-silberner Pickup-Truck, der schon bessere Tage gesehen hat, bringt Ladung um Ladung der schwarzen Säcke zu riesigen grünen Abrollcontainern.
Die Polizei hatte den Strand vor gut einer Woche endgültig geräumt, doch in den Felsen der Uferböschung werden an diesem Vormittag zwei Migranten entdeckt, die sich dort versteckt hatten. Ein Transporter der alarmierten Guardia Civil fährt mit ihnen davon.
"Das Problem einfach weggeschoben"
Jorge González entgeht nichts, was sich auf dem Strand abspielt, sein strahlend weißes Haus thront an einem Hang über der kleinen zweispurigen Straße zwischen dem Strand und seinem Grundstück. Ein Refugium für den Ruhestand mit seiner Frau Marisa.
"Strand der Schande" steht auf einem gelb-roten Transparent, das die beiden zur Straßenseite vom Terrassengeländer aufgehängt haben. Die Aufräumarbeiten am Strand kommentiert Jorge nicht ohne Bitterkeit.
An diesem Dienstag komme ja der spanische König nach Ceuta - "und sie wollen, dass der, obwohl er ja wissen dürfte, was hier los war, bei seinem Besuch sieht, dass es hier nichts zu sehen gibt". 4.000 bis 5.000 Menschen, schätzt González, seien von hier in andere Stadtteile weggebracht worden - "und damit das Problem einfach weggeschoben".
In dem provisorischen Lager "El Guano" in der Nähe des Trampolin-Strandes in Ceuta hatten viele Migranten ausgeharrt. Vor dem Besuch des Königs wurde es geräumt - zum Abtransport teilten Polizisten die Migranten in Gruppen ein.
Tausende kehrten nach Marokko zurück
Das Königspaar dürfte das Ergebnis gar nicht direkt zu Gesicht bekommen. Das offizielle Programm sieht keinen Besuch an einem der Strände vor - und auch nicht in einem Industriegebiet nahe der Grenze zu Marokko.
Hier dürften auch die beiden zuvor am Trampolin-Strand aufgegriffenen Migranten landen. Entweder in den für die Aufnahme von Asylgesuchen eingerichteten Containerbauten, zu denen die Polizei die Reporter nicht durchlässt - oder direkt an der Grenze zu Marokko, damit sie freiwillig wieder zurückgehen.
Seit Mitte August haben das nach Angaben der spanischen Regierung mehr als 10.000 Menschen getan.
Hilfe - und das Gefühl, alleingelassen zu werden
In dem Industriegebiet hausten über Wochen viele Menschen auf der Straße, darunter kleine Kinder und Jugendliche, notdürftig medizinisch betreut aus einem Wohnmobil von Ärzten einer Hilfsorganisation.
Das Wohnmobil dient weiterhin als mobile Klinik, nicht alle selbstgebauten Hütten und Verschläge sind verschwunden. Mit Stockbetten ausgestattete Lagerhäuser beherbergen unbegleitete Minderjährige.
Reine "Kinderlager" seien das, keine echten Einrichtungen, sagt Ahmed Enfedal, der Präsident der Nachbarschaftsvereinigung von Ceutas marokkanischem Viertel El Príncipe. Er berichtet, dass derzeit versucht werde, Minderjährige von dort in einer alternativen Einrichtung unterzubringen, die bessere Bedingungen und Betreuung biete.
Die Nachbarschaftsvereinigung hatte wochenlang junge Mädchen auf dem Fußballplatz einer Schule im Viertel versorgt. Sie verteilt weiterhin Essen an Migranten auf der Straße, unterstützt Eltern auf der Suche nach ihren Kindern beim Prozess der Familienzusammenführung.
Doch auch die Menschen hier seien es leid, dass Menschen vor ihren Häusern schliefen, fühlten sich allein gelassen, sagt Ahmed. Sie versuchten aber im Rahmen ihrer bescheidenen Verhältnisse zu helfen, wo sie könnten.
Nach der Räumung von "El Guano" kamen die Bagger, um die Reste des Lagers zu entsorgen - rechtzeitig zum Besuch des Königs.
"Das ist symbolisch, mehr nicht"
Dem Besuch des Königspaars misst Enfedal vor allem symbolischen Wert bei, organisiert aber dennoch engagiert Spanien-Fähnchen zum Schwenken.
Am anderen Ende Ceutas zeigt Jorge González auf seiner weitläufigen Terrasse Fotos und Videos aus den Wochen, die er und seine Frau als Belagerungszustand empfunden haben und liefert eine sehr ähnliche Einschätzung des Königsbesuchs: "Das ist symbolisch, mehr nicht. Sonst kann er nichts tun. Aber zumindest unterstützt er uns moralisch, nachdem Europa und die spanische Regierung uns sehr im Stich gelassen haben."



