Sparen statt Shoppen Verbraucher halten ihr Geld zusammen

Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland ist so schlecht wie seit Monaten nicht. Hauptgrund sind die hohen Energiepreise. Diese stehen heute auch an der Börse einmal mehr im Fokus.

Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland ist so schlecht wie seit Monaten nicht mehr: Das Konsumklima hat der neuesten Studie der Nürnberger Institute NIM und GfK zufolge einen herben Dämpfer erlitten, es fiel für Oktober um 3,8 Punkte auf minus 30,6 Zähler. Damit sei der aktuelle Wert der zweitschlechteste in diesem Jahr nach Mai, sagte NIM-Experte Rolf Bürkl.

"Die Mehrheit der Haushalte rechnet damit, dass die hohen Energiepreise ihre Kaufkraft verringern", so Bürkl. Die hohen Energiepreise schürten Verunsicherung unter den Verbrauchern, Benzin- und Dieselpreise waren infolge des Nahost-Konflikts in den vergangenen Wochen auf Rekordhochs gestiegen.

Angst vor Arbeitsplatzverlust

Angesichts dessen halten Verbraucher es derzeit für ratsam, ihr Geld auf die hohe Kante zu legen. So deuten weiterführende Analysen des NIM darauf hin, dass insbesondere in Haushalten mit guter finanzieller Ausstattung die Sparneigung stärker zugenommen hat. "Hier besteht offenbar das Bedürfnis, die Kaufkraftverluste, die durch die erhöhte Inflation beim Ersparten aufgetreten sind, durch zusätzliches Sparen zu kompensieren", hieß es.

Aber auch insgesamt ist die Sparneigung deutlich gestiegen: Hier gab es ein Plus auf 21,5 Punkte. "Man muss in der Historie bis in die Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 zurückgehen, um einen ähnlich hohen Wert für die Sparstimmung zu messen", erläuterte Bürkl.

Der Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL, Alexander Krüger, sagte: "Dahinter dürfte auch eine gewisse Vorsorge hinsichtlich der Angst vor einem kalten Winter stecken." Immerhin liegen die Ölpreise nach wie vor über 100 Dollar. Und dass Arbeitsplätze verloren gehen, bremst die Ausgaben laut GfK zusätzlich. Der Einkommensindikator büßt aktuell 16,7 Zähler ein und rutschte auf minus 15,0 Punkte ab. Dies ist der niedrigste Wert seit April 2026.

Wirtschaft zeigt sich überraschend robust

"Das ist eine schlechte Nachricht für die gesamte Wirtschaft", sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski angesichts des eingtrübten Konsumklimas. "Der Abwärtstrend verheißt nichts Gutes für den Privatkonsum in den kommenden Monaten."

Die Konjunkturaussichten für Europas größte Volkswirtschaft hatten sich zuletzt jedoch aufgehellt. Dies geht vor allem auf gut laufende Exporte und staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung zurück. Die Forschungsinstitute haben am Donnerstag ihre Wachstumsprognosen für dieses und das kommende Jahr nach oben korrigiert.

Sie veranschlagen jetzt für 2026 ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,3 Prozent und für 2027 von 1,1 Prozent. Allerdings könnte demnach der stark von staatlichen Ausgaben getriebene Aufschwung schon 2028 enden, wenn ohne weitere politische Reformen nur noch 0,4 Prozent herausspringen dürften.

Ausverkauf bei Staatsanleihen

Da sich die Wirtschaft auch in den USA laut Konjunkturdaten überraschend robust zeigt, sorgen sich Anleger an den Finanzmärkten zunehmend über die künftige Geldpolitik wichtiger Notenbanken. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und andere wichtige Währungshüter versuchen, mit erhöhten Zinsen die Inflation einzudämmen, ohne den Konjunkturmotor abzuwürgen.

Das führt zu steigenden Renditen der Staatsanleihen: "Der überwiegende Teil des Renditeanstiegs seit März ist auf die Erwartung steigender Zinsen in den USA zurückzuführen", sagte Gennadiy Goldberg, Chefstratege bei TD Securities.

So hat sich der weltweite Ausverkauf bei Staatsanleihen fortgesetzt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Richtwert für die Euro-Zone gilt, war am Donnerstag in der Spitze auf 3,6114 Prozent gestiegen - den höchsten Stand seit Juni 2009. Heute notierte sie erneut über dem Vortagesschluss.

Auch in den USA, dem weltweit wichtigsten Anleihemarkt, war die Rendite der 30-jährigen Staatsanleihe auf bis zu 5,5016 Prozent geklettert. Damit lag sie auf dem höchsten Stand seit 2004. Die Verzinsung zehnjähriger US-Anleihen erreichte mit 5,2251 Prozent ein 19-Jahres-Hoch.

DAX dank sinkender Ölpreise im Plus

Gute Nachrichten für die Aktienmärkte kommen immerhin vom Ölmarkt. Bei den Ölpreisen gab es heute, nach dem deutlichen Anstieg seit Mittwoch, eine leichte Entspannung, denn es kam wieder Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Iran-Krieg auf. Iran hat den USA laut Medienberichten einen neuen Vorschlag zur Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein mögliches Ende des Krieges vorgelegt.

Auf Nachfrage zu dem angeblichen Verhandlungsangebot der Iraner hieß es aus dem Weißen Haus: "Wir führen über die Vermittler positive und konstruktive Gespräche." Für den DAX sind das gute Nachrichten, der deutsche Leitindex steigt zur Mittagszeit um 0,6 Prozent auf 25.427 Punkte.