Parteitag von Reform UK Neue Vorwürfe gegen Farages Rechtspopulisten
Die britischen Rechtspopulisten von Reform UK um Nigel Farage haben ihren Parteitag fortgesetzt - und müssen sich mit neuen Vorwürfen auseinandersetzen. Wieder geht es um Geld.
Es war kein gutes Vorzeichen für den Parteitag von Reform UK: Heimlich aufgenommene Videoaufnahmen, veröffentlicht vom Fernsehsender Channel Four sollen zeigen, wie Parteifunktionäre Wege suchen, um das gesetzliche Verbot von Auslandsspenden zu umgehen.
Und dies, nachdem schon eine parlamentarische Untersuchung gegen Reform-Chef Nigel Farage läuft - wegen eines nicht deklarierten Geschenks von fünf Millionen Pfund.
Reform-Chef setzt weiter auf Attacke
Angriff ist die beste Verteidigung, dachte sich da offenbar Farage. Erst arbeitete er sich in seiner Parteitagsrede am neuen Labour-Premier Andy Burnham ab, der die Rechtspopulisten in den Umfragen von Platz 1 gekickt hat. Dann an besagter Undercover-Recherche.
"Fragt Ihr euch, warum all das passiert. Habt ihr eine Ahnung? Weil sie Angst vor uns haben", rief er seinen Anhängern zu. Angst vor Reforms Erfolg - deshalb, so die Unterstellung, werde die Partei absichtlich diffamiert. Aus dem Publikum, von den tausenden Unterstützern, gab es dafür Applaus.
Farage redet Berichte über Auslandsspenden klein
Doch die Journalisten fragten auf einer Pressekonferenz mehrmals nach, was es mit den jüngsten Enthüllungen auf sich habe. Der Reform-Chef bemühte sich, diese kleinzureden. Reform habe kein Geld angenommen. Die Partei sei in eine Falle gelockt worden. Reform habe nichts falsch gemacht, sagte Farage.
Das Thema überschattete schließlich das der Pressekonferenz: Der Parteichef des französischen Rassemblement National, Jordan Bardella und Farage hatten gemeinsam eine symbolische Absichtserklärung unterschrieben, wonach jedes Flüchtlingsboot auf dem Ärmelkanal nach Frankreich zurückgeschickt werden soll, kämen beide demnächst an die Macht.
Unterstützer sehen "Establishment" am Werk
Doch noch sind sie das nicht. Und einige Unterstützer glauben, genau das wollte das "Establishment" verhindern. Etwa Nadhim Zahawi, ehemaliger Schatzkanzler des Vereinigten Königreichs, der von den Konservativen zu Reform übergetreten war.
"Das Establishment wird absolut alles versuchen. Schmutzige Tricks, Provokationen, alles Mögliche, um das Reformprojekt zu torpedieren", sagt Zahawi. Und auch Medienberichte über interne Streitereien seien falsch.
Die Rechtspopulisten bemühen sich, professionell zu wirken. Doch es sind Sorgenfalten zu sehen. Auch, weil die Rechte Gefahr laufe, sich selbst zu zerlegen, mahnt Matthew Goodwin, gescheiterter Kandidat für einen Wahlkreis in der Region Manchester. Denn die konservativen Tories gewinnen wieder etwas mehr Aufschwung, und am Rechtsaußen-Rand macht "Restore Britain" Reform Konkurrenz.
"Wenn wir die Linke bei der nächsten Wahl schlagen wollen, müssen die derzeit gespaltenen Rechtsorientierten anfangen, taktisch zu wählen - so wie die Linke -, sonst werden wir die nächsten Wahlen verlieren", mahnt Goodwin.
Mit anderen Worten: Rechte Wähler sollten ihr Kreuz demnächst nur noch bei Reform setzen. Doch die Vorwürfe gegen Farage, das von ihm nicht deklarierte Geschenk von fünf Millionen Pfund, machten den Stimmenfang wohl schwer, sagt etwa Parteimitglied Elizabeth Peers aus Wales.
Bild von Farage hat Kratzer bekommen
Wenn die Chefs die Regeln nicht verstünden, wie könnte man die Briten bitten, sie zu wählen? Die Spendenaffäre habe auch an ihrem Bild von Farage gekratzt, sagt Peers.
Das Bad in der Menge, das der Reformchef später nimmt, zeigt allerdings: Für sehr viele Unterstützer bleibt er die Stimme der Vernunft, der Richtige an der Spitze der Partei. So ist sich etwa Leland Menhenott aus Wales sicher, dass Nigel Farage der nächste Premier werde.
Ein Ziel, das nach diesem holprigen Sommer und den jüngsten Enthüllungen jedoch ferner scheint als noch beim letzten Reform-Parteitag. Den Höchststand bei den Umfragen hatte die Rechtspopulisten vergangenen Sommer.

