Bevölkerungsforschung Was Menschen vom Kinderkriegen abhält

Viele Menschen in Deutschland würden gern mehr Kinder kriegen als sie tatsächlich bekommen. Das zeigen neue Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Die Gründe sind vielfältig.

Wenn sich die Menschen in Deutschland aussuchen könnten, wie viele Kinder sie bekommen, dann liegt das Ideal bei zwei. Doch der Kinderwunsch junger Erwachsener bleibt genau das: ein Wunsch. Das zeigen Daten des Familiendemografischen Panels (FReDA), die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) vorgestellt hat. Für diese repräsentative Studie befragt das BiB zweimal im Jahr etwa 30.000 Menschen.

Die Geburtenrate spricht eine deutliche Sprache: Sie sinkt seit 2021 - von 1,58 auf zuletzt 1,32 Kinder pro Frau. Der Kinderwunsch der Befragten blieb bis 2024 hingegen stabil bei im Schnitt 1,8 Kindern. Das ändert sich in den neuesten Zahlen von 2025, wie Martin Bujard sagt, er ist stellvertretender Direktor des BiB: Erstmalig seit dem Geburtenrückgang der vergangenen vier Jahre gehe auch dieser Wert zurück. Laut Befragung auf durchschnittlich 1,7 Kinder bei Frauen und 1,6 bei Männern.

Dabei wollen 90 Prozent der etwa 30.000 Befragten Kinder. In einer idealen Welt ohne Hindernisse würden die meisten gern 2,2 Kinder bekommen - diese Zahl ist konstant geblieben.

Der Gap zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist hoch

Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit nennen Fachleute den Fertility Gap. "Der ist sehr hoch", sagt Bujard. Das Ideal liege fast um ein Kind höher, als gegenwärtig geboren werde.

Eigentlich schätzen die Befragten die Rahmenbedingungen für Familien als einigermaßen positiv ein. Sie sehen genügend Kita-Plätze und gute Möglichkeiten, sich in der Natur zu erholen. Dafür bremsen Sorgen um Karrierechancen, Einkommen und Anspannungen auf dem Wohnungsmarkt die Familienplanung. Nur 22 bis 29 Prozent sind mit dem Wohnungsangebot zufrieden - der schlechteste Wert aller abgefragten Bereiche.

Wer mit Job und Wohnung zufrieden ist, plant eher, in den nächsten drei Jahren ein Kind zu bekommen - besonders Frauen. Carmen Friedrich, die an der Studie mitgearbeitet hat, erklärt: Bei der Absicht, ein Kind zu bekommen, erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit um etwa fünf Prozent, wenn man mit dem Wohnungsangebot sowie den Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten zufrieden ist.

Krieg ist die größte Sorge

Noch stärker dämpfen Sorgen um die Zukunft den Kinderwunsch. Am stärksten treibt die Befragten der Studie das Thema Krieg um: 85 Prozent sind deswegen besorgt oder sogar sehr besorgt. An zweiter Stelle folgt die Sorge, die Demokratie in Deutschland könne Schaden nehmen, hier gab es den stärksten Anstieg zum Vorjahr. Auch den Klimawandel nehmen junge Erwachsene weiterhin als Gefahr wahr.

Die Auswertung zeigt: Wer sich große Sorgen um die Demokratie oder den Klimawandel macht, äußert einen geringeren Kinderwunsch - bei beiden Geschlechtern. Sorgen vor Krieg dämpfen hingegen in erster Linie bei den Männern die Familienplanung. "Männer sind aktuell diejenigen, die in die Bundeswehr eingezogen werden können und möglicherweise sensibler für dieses Thema", sagt Friedrich. Insgesamt wirken sich die Zukunftssorgen stark auf die Familienplanung aus: "Die Kinderwünsche sinken um etwa zehn Prozent, wenn man sich sehr große Sorgen macht."

Mehrere Krisen gleichzeitig

Krisen sind nichts Neues. Der Kalte Krieg und das Waldsterben zum Beispiel belasteten die jungen Generationen der 70er und 80er. Neu ist laut Bujard vor allem die Gleichzeitigkeit mehrerer Krisen - und dass sie den Menschen ständig präsent sind. "Es wird mehrmals am Tag geguckt: Was gibt es Neues?" Das lenke den Blick weg von den tatsächlichen Bedingungen vor Ort, die in vielen Bereichen gar nicht schlecht seien.

Und er sieht noch einen Grund, warum sich die Planung der tatsächlichen Geburtenrate annähert: Zwar könnten Menschen ihren Kinderwunsch mehrere Jahre aufschieben. Irgendwann endet ihre Fruchtbarkeit aber aus biologischen Gründen - aus zwei gewünschten Kindern wird dann womöglich nur ein reales.

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Weil sich die globalen Krisen nicht auf die Schnelle ändern lassen, empfehlen die Forschenden, jungen Erwachsenen vor Ort günstige Bedingungen zu schaffen, also für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen und für verlässliche Kinderbetreuung.

Auch Firmen können der Studie zufolge einen Beitrag leisten, stabile Jobs und ein familienfreundliches Umfeld bieten. Die Medien wiederum sollten neben der Berichterstattung über Krisen häufiger sichtbar machen, was in Deutschland gut funktioniert.