Möglicherweise versuchter Anschlag Gewaltvorfall in Cockpit von Flydubai-Maschine
An Bord einer Maschine von Dubai nach Tel Aviv hat ein Pilot auf den anderen mit einem Messer eingestochen. 180 Israelis waren an Bord. Israels Regierung spricht bereits von einem Anschlagsversuch.
Eine Katastrophe konnte wohl grade noch abgewendet werden: Ein Flug der Gesellschaft Flydubai auf dem Weg nach Tel Aviv ist nach einem gewaltsamen Zwischenfall im Cockpit in Saudi-Arabien notgelandet. Nach übereinstimmenden Berichten israelischer Medien soll ein Pilot seinen Kollegen mit einem Messer verletzt haben.
Passagiere halfen demnach dabei, den Angreifer zu überwältigen. Es werde nun geprüft, ob der Angreifer versuchte, das Flugzeug gezielt zum Absturz zu bringen. Für Medienberichte, wonach in Israel zunehmend von einem gescheiterten Terroranschlag auf die Maschine mit rund 180 israelischen Passagieren ausgegangen werde, gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.
Netanjahu: Pilot stach auf anderen ein
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sagte, dass ein Pilot der Maschine auf den anderen Piloten im Cockpit eingestochen habe. Er habe offenbar versucht, die Maschine voller Israelis zum Absturz zu bringen.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz und Polizeiminister Itamar Ben Gvir sprachen bereits von einem versuchten Tarroranschlag. Ein namentlich nicht genannter ranghoher israelischer Regierungsvertreter sagte dem TV-Sender N12, es sei eine schwere Katastrophe verhindert worden.
Notlandung in Saudi-Arabien
Laut israelischen Medien dreht das Flugzeug noch im saudischen Luftraum ab und landete auf dem Flughafen Tabuk. Die Fluggesellschaft Flydubai bestätigte laut dem Sender Al-Arabija einen "Vorfall" an Bord. Der Flughafen in Tabuk bestätigte die Notlandung und teilte mit, der Kapitän und der erste Offizier seien mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden.
Das israelische Nachrichtenportal "ynet" berichtete, die Maschine sei zu Beginn des Vorfalls steil in die Tiefe geflogen. Einer der Piloten habe den anderen mit Hilfe von Passagieren daran gehindert, das Flugzeug zum Absturz zu bringen.
"Ynet" veröffentlichte eine Videobotschaft, die einen israelischen Passagier mit blutüberströmtem Gesicht direkt nach dem Vorfall an Bord zeigen soll. "Wir haben die Terroristen überwältigt", sagte er. Auf dem Videomaterial sind Blutflecken und eine verletzte Person zu erkennen.
Passagiere berichten von Panik und Schreien an Bord
Passagiere haben nach der Landung berichtet, an Bord habe Panik geherrscht, es hätte viele Schreie gegeben. Eine Israelin erzählte dem TV-Sender N12, unter den Passagieren habe große Angst geherrscht. "Einige Männer standen auf und überwältigten den Angreifer", sagte sie.
Eine weitere Israelin erzählte dem Sender, sie habe Schreie im Flugzeug gehört und anschließend viel Blut im Cockpit gesehen. "Es gab Momente, in denen wir dachten, dass wir das nicht lebend überstehen würden."
Unterschiedliche Angaben zur Herkunft der Piloten
Nach Informationen israelischer Medien stammt der tatverdächtige Copilot aus dem Oman. Dafür gibt es aber bisher keine offizielle Bestätigung. Zuvor hieß es, der Pilot sei russischer und der Copilot ukrainischer Herkunft. Nach russischen Behördenangaben befand sich jedoch kein eigener Staatsbürger an Bord der Maschine.
Der tatverdächtige Pilot wird nach israelischen Angaben in Saudi-Arabien befragt. Die israelischen Passagiere warten den Berichten zufolge auf ihre Heimreise. Aus Israel hieß es, die Regierung unternehme alles, um die israelischen Staatsbürger sicher zurück in ihre Heimat zu bringen. Noch sei unklar, ob sie mit einem Ersatzflugzeug oder von der israelischen Luftwaffe nach Israel gebracht werden sollen.
Israels Beziehungen zu den Golfstaaten
Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten Israel 2020 im Rahmen eines Annäherungsabkommens anerkannt und haben seitdem die Zusammenarbeit unter anderem in den Bereichen Wirtschaft und Verteidigung verstärkt.
Israel und Saudi-Arabien unterhalten bislang keine diplomatischen Beziehungen, arbeiten jedoch nach Medienberichten hinter den Kulissen in einigen Bereichen zusammen. Eine mögliche Normalisierung der Beziehungen ist seit Jahren Gegenstand diplomatischer Bemühungen, gilt aber seit dem Gaza-Krieg als zunehmend unwahrscheinlich.



