EU-Kanada-Gipfel in Montreal "Die neue Allianz ist keine Marketing-Übung"

Beim EU-Kanada-Gipfel ging es auf europäischer Seite bislang viel darum, wie die neue Allianz denn heißen soll soll. Kanadas Premier Carney sagt dazu: "Der Name ist egal." Heute sollen konkrete Vereinbarungen folgen.

Eigentlich sind Kanada und die EU ein Dream-Team. Als Mittelmächte mit ähnlichen Werten wollen sie sich zusammenschließen, um nicht von Großmächten wie den USA oder China abhängig zu sein. Perfekte Voraussetzungen also für einen harmonischen Gipfel.

Wäre da nicht der innereuropäische Streit, wie die neue Partnerschaft denn heißen soll. Eine "assoziierte Mitgliedschaft" hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Kanada angeboten. Sehr zum Ärger des Bundeskanzlers. Friedrich Merz hatte diesen Status bereits der Ukraine versprochen, als Vorstufe zu einer vollen Mitgliedschaft. Die kommt für Kanada schon aus geografischen Gründen nicht infrage. Also verschwand der Begriff aus dem Entwurf der Abschlusserklärung.

Das hielt von der Leyen nicht davon ab, ihn am ersten Gipfeltag in Montreal mehrfach zu wiederholen. Gerade weil Kanada und die EU ihre Beziehungen auf die höchstmögliche Ebene heben wollen, so von der Leyen, berate man über die Möglichkeit, dass Kanada "das erste assoziierte Mitglied der EU" wird.

"Der Name ist egal"

Fast zeitgleich veröffentlichte der Bundeskanzler eine Presseerklärung, in der er die "neue Allianz für die Zukunft" zwischen der EU und Kanada lobt. "Allianz für die Zukunft" soll das Kind heißen und nicht "assoziierte Mitgliedschaft".

In den kanadischen Medien wurde gerätselt, was denn nun gilt: von der Leyens "assoziierte Mitgliedschaft" oder die weniger ehrgeizige "Allianz für die Zukunft". Darauf angesprochen antwortete Kanadas Premierminister Mark Carney pragmatisch: "Diese neue Allianz ist keine Marketing-Übung", sagte Carney: "Der Name ist egal." Hauptsache, so Carney weiter, die Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks profitieren von einer noch engeren Partnerschaft. Oder salopp ausgedrückt: Lasst uns nicht über Begriffe streiten, sondern konkrete Ergebnisse für unsere Bürger erzielen.

"Allianz als assoziiertes Mitglied"

Von der Leyen legte jedoch nach, damit das Visionäre ihrer Idee nicht übersehen wird: Auch weitere nicht-europäische Mittelmächte mit ähnlichen Werten wie EU und Kanada könnten in Zukunft "assoziiertes Mitglied" dieser neuen Allianz werden.

Kanadas Premierminister Carney - ganz Diplomat - brachte daraufhin beide Begriffe in einem Satz zusammen: von der Leyens "assoziierte Mitgliedschaft" und die "Allianz für die Zukunft" von Friedrich Merz: "Wir schmieden eine neue Allianz, eine Allianz für die Zukunft, mit Kanada als assoziiertem Mitglied."

Zweiter und letzter Tag: Erasmus mit Kanada?

Am zweiten Gipfeltag heute werden konkrete Vereinbarungen beschlossen. Kanada will sich am Auslandsstudien-Programm Erasmus beteiligen, so dass junge Kanadier leichter in Europa und junge Europäer leichter in Kanada studieren können.

Europa will die Förderung wichtiger Rohstoffe in Kanada durch Investitionen voranbringen. So will man bei Seltenen Erden unabhängiger von China werden. Auch im Bereich Künstlicher Intelligenz wollen EU und Kanada mehr kooperieren, um ihre Abhängigkeit von großen US-Konzernen zu verringern.