Angriff auf Schule in Iran Trauer zwischen Ruinen und Propaganda

Am ersten Tag des Iran-Kriegs im Februar schlägt eine Rakete in einer Schule in Minab ein. 168 Menschen sterben, die meisten sind Kinder. Heute ist der Ort Gedenkstätte, aber auch Bühne für Regimepropaganda.

Ein Teil der Shajareh-Tayyebeh-Schule in Minab steht noch. Durch offene Wände kann man in Klassenzimmer hineinsehen. Die Decke hängt halb herab. Bei etwa 40 Grad Außentemperatur im Süden des Iran sitzen ein paar Männer im Schatten.

Eine Frau und ein Mann gehen langsam am Gebäude entlang, bleiben immer wieder stehen. "Ich bin hierhergekommen, um der geopferten Kinder zu gedenken", erzählt die Frau. "Viele waren aus unserer Nachbarschaft, auch Lehrkräfte." Verwandt sei sie mit niemandem. "Aber ich habe geweint und geweint - so viel, dass eins meiner Augen nicht mehr richtig funktioniert."

168 Todesopfer nach iranischen Angaben

Als am 28. Februar die USA und Israel Iran angreifen, trifft gegen 11:20 Uhr vormittags mindestens eine Rakete das Gebäude der Shajareh-Tayyebeh-Schule in Minab. Es ist Samstag, die iranische Schulwoche hat gerade begonnen. Nach iranischen Angaben sterben 168 Menschen, die meisten von ihnen Kinder. Die USA haben sich nicht eindeutig zu dem Vorfall geäußert.

Früher war hier ein Gebäudekomplex der Islamischen Revolutionsgarde. Medienberichten zufolge ist die Schule seit mehr als zehn Jahren an diesem Ort. Ein Bericht der Vereinten Nationen kommt im September zu dem Schluss, dass die USA verantwortlich für den Angriff sind, und spricht von Kriegsverbrechen.

Nach dem Angriff im Februar liegt die Schule in Minab noch immer in Trümmern.

"Der Beweis für Amerikas Verbrechen"

Die Behörden in Minab haben das zerstörte Schulgebäude als Denkmal hergerichtet. Auf den Trümmerhäufen stehen gerahmte Fotos der Kinder. Auch Überbleibsel wie ein Teppich, wohl aus einem Klassenzimmer, und eine zerbeulte Trinkflasche aus Alu wurden hier offensichtlich drapiert. Auch mit politischen Botschaften ist die Schule geschmückt: "Hier ist der Beweis für Amerikas Verbrechen", steht auf einem Plakat.

Die 35-jährige Samaneh Zarei hat bei dem Angriff ihre Söhne Aliakbar und Mohammadali verloren. Sie wurden neun und sieben Jahre alt. Samaneh bewahrt ihre Sachen immer noch auf, wie zum Beispiel einen Steckbrief. "Mein Lieblingssport ist Fußball, mein Lieblingsessen Ghormehsabzi", steht darauf. "Ich mag keine unfreundlichen Menschen, ich bin gut in Sport."

Angst vor weiterer Eskalation

Nach Kriegsbeginn und den ersten Angriffen auf Teheran schließen die Schulen landesweit. Auch die Schule in Minab ruft die Eltern an, die Kinder müssen abgeholt werden. Als Samaneh bei der Schule ankommt, ist der Angriff bereits passiert. "Kein Kind konnte unter den Trümmern unverletzt geblieben sein, denn wirklich nichts war mehr heil."

Zwei Kinder sind der Familie noch geblieben. Samaneh hat Angst um sie, sollte der Krieg wieder ausbrechen. "Wer behauptet, keine Angst vor dem Krieg zu haben, lügt meiner Meinung nach", sagt sie. "Und die Kinder, die im Krieg getötet werden, sind wirklich die unschuldigsten." Samaneh geht jeden Abend zum Friedhof, wie viele andere Hinterbliebene auch. Hier fühlt sie sich ihren beiden toten Kindern näher, sagt sie.