Frankreich Schulprotest soll weitergehen - ohne Gewalt

Seit Tagen gehen Schülerinnen und Schüler in Frankreich auf die Straße, um mehr Geld für Bildung einzufordern. Bildungsminister Geffray versprach Verbesserungen. Schülervertreter wollen weiter protestieren - distanzieren sich aber von Gewalt.

Die Schülerproteste an Frankreichs Schulen gehen weiter. Dabei kam es erneut zu Gewalt. Im ostfranzösischen Belfort wurde ein Polizist Behördenangaben zufolge brutal angegriffen. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez laufen Ermittlungen zu versuchter Tötung.

Insgesamt sei es über den Tag verteilt an rund 560 Schulen zu Unruhen gekommen, teilte das Ministerium mit. 400 Gymnasien seien geschlossen worden. In Paris brannten demnach die Eingangsbereiche von zwei Schulen. Im Großraum der Hauptstadt gab es an insgesamt 55 Schulen gewaltsame Ausschreitungen. In Lyon wurden an zehn Schulen unter anderem Böller gezündet und Mülltonnen in Brand gesteckt.

Gymnasiasten distanzieren sich von Gewalt

Bereits in den vergangenen Tagen war es am Rande der Proteste mehrfach zu Gewalt gekommen. Tausende junge Menschen wurden festgenommen. Die Behörden werfen ihnen unter anderem Sachbeschädigung und tätliche Angriffe vor. Mindestens 300 Sicherheitskräfte, 170 Jugendliche und 65 Schulmitarbeitende sind nach offiziellen Angaben verletzt worden.

Vertreter der Gymnasiasten distanzierten sich von der Gewalt. "Es gibt Szenen der Gewalt, die absolut widerlich sind", sagte Nathanaël Combray von der Organisation "Renouveau Lycéen" nach einem Gespräch mit Bildungsminister Édouard Geffray. Combray rief die Gymnasiasten dazu auf, sich verantwortungsvoll zu verhalten. Sie sollten sich keiner Bewegung anschließen, die der eigenen Sache schade, sagte Combray mit Blick auf Unruhestifter.

Louis Letoublon von der Organisation "Les Lycéens" sagte, die Taten würden nicht von Gymnasiasten, sondern von externen Personen begangen.

Justizminister spricht von "gewalttätiger Minderheit"

Justizminister Gérald Darmanin sagte gegenüber RTL Radio, die Proteste hätten sich zu einem Problem für die öffentliche Ordnung entwickelt. An den Ausschreitungen sei eine "aktive und gewalttätige Minderheit" beteiligt. Teilweise sei unklar, ob es sich überhaupt um Schüler handle.

"Wenn Menschen Busse angreifen und Schulen in Brand setzen, handelt es sich nicht mehr nur um eine Protestaktion", sagte Darmanin. Er forderte zudem, dass die Eltern für die von ihren Kindern verursachten Schäden aufkommen sollten.

Protest gegen Unterfinanzierung

Die Demonstrationen der Schülerinnen und Schüler richten sich gegen jahrelange Unterfinanzierung von Schulen und geplante Budgetkürzungen der Regierung von Präsident Emmanuel Macron. Laut dem Haushaltsentwurf für 2027 soll das Bildungsbudget nur um 1,7 Prozent steigen, was unter der Inflationsrate liegt. "Wir sind 35 pro Klasse, wir haben nicht genug Stühle", sagte eine 15-jährige Schülerin in einem Pariser Vorort.

Nach einem Treffen von Bildungsminister Geffray mit Schülervertretern am Abend wandte dieser sich direkt an die Protestierenden und sagte: "Ihr werdet gehört, euch wird geglaubt und wir verstehen euch." Er versprach, dafür zu sorgen, dass insbesondere in den beiden Abschlussklassen weniger Unterricht ausfalle - einer der Kernforderungen der Schüler. Es sei inakzeptabel, dass erkrankte Lehrerinnen und Lehrer in Prüfungsfächern über Monate hinweg nicht vertreten würden.

Auch bei den Stundenplänen kündigte Geffray Verbesserungen an. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich beschwert, häufig bis 18 oder 20 Uhr Unterricht zu haben und danach noch Hausaufgaben erledigen zu müssen.

Proteste sollen weitergehen

Nach Ansicht der Schülervertretung sollen die Proteste weitergehen. Der Minister habe keine konkreten Zusagen gemacht, hieß es. Für kommenden Dienstag haben sie zu einer großen, landesweiten Demonstration aufgerufen.

Mit Informationen von Julia Borutta, ARD-Studio Paris