Finnland Mysteriöse Einbruchserie bei Abgeordneten

Eine mysteriöse Einbruchserie bei Abgeordneten beschäftigt Finnland. Die Hausbesuche, bei denen nie etwas entwendet wird, erinnern an Spitzelmethoden aus Sowjetzeiten. Die Polizei ermittelt, die Politik ist alarmiert.

Was hat sich abgespielt in mehreren Wohnungen und Privathäusern finnischer Abgeordneter? Diese Frage treibt Finnland derzeit um. Denn die Hinweise, die nach und nach bekannt werden, erinnern an einen Agententhriller.

Heimliche Hausbesuche, kein Diebstahl, keine Einbruchsspuren, aber mal eine offene Tür oder ein angelassenes Licht. Dann waren die Täter wieder verschwunden. Allzu viel sei bisher nicht bekannt, sagt der Präsident des finnischen Parlaments, Jussi Halla-Aho, auf einer Pressekonferenz: "In den Wohnungen wurden Spuren hinterlassen, auf die die Abgeordneten möglicherweise nicht sofort geachtet haben. Es ist möglich, dass diese Spuren absichtlich hinterlassen wurden, damit der Bewohner sie bemerkt." Über das Motiv oder den Täter lägen noch keine Informationen vor.

Zahl Verdachtsfälle "beträchtlich"

Bekannt geworden sind die Vorfälle durch die Meldung einzelner Abgeordneter beim Sicherheitsdienst des finnischen Parlaments. Daraufhin hat die Parlamentsverwaltung bei allen Abgeordneten nachgefragt. "Zur Anzahl der bekannten Verdachtsfälle kann ich mich nicht genau äußern", so Halla-Aho, "aber sie ist auf jeden Fall beträchtlich."

Das Thema sorgt nicht nur in Finnland für Schlagzeilen, sondern auch im Nachbarland Schweden. Johan Matz forscht an der Universität Lund zur Arbeit von Geheimdiensten. Die Methode sei bekannt, sagt er in einem Interview im schwedischen Radio: "Das ist ein Muster, das wir seit Langem in totalitären, nicht-demokratischen Staaten beobachten", sagt Matz. "Häufig sind in diesem Ländern Personen aus der Opposition oder kritische Journalisten solchen Schikanen ausgesetzt."

"Denk daran, du wirst überwacht"

Andere fühlen sich an Sowjetzeiten erinnert, als diese Art der Hausbesuche auch bei Journalisten aus dem Ausland üblich war, wie der langjährige Moskau-Korrespondent Malcom Dixelius im schwedischen Rundfunk berichtet: "Das passierte so oft, dass wir uns eigentlich schon daran gewöhnt hatten. Wenn man längere Zeit nicht zu Hause war, war eigentlich immer jemand in der Wohnung, hatte sich umgeschaut, um mal subtil und mal ganz offensichtlich Spuren zu hinterlassen. Mit dem Signal: 'Wir waren hier. Mach keine Dummheiten. Denk daran, du wirst überwacht. Wir wissen, was du tust'."

In den aktuellen Fällen in Finnland hat jetzt die Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Alle 200 Abgeordnete hätten ein Schreiben bekommen, erklärte die stellvertretende Parlamentspräsidentin Paula Risiklko. Man müsse jetzt wachsam bleiben: "Uns ist sehr wichtig, dass jeder Abgeordnete eine Strafanzeige erstattet", sagte Risiklko. Alle Parlamentarier sollten über jegliche besonderen Vorkommnisse bei ihnen zu Hause berichten und sich an die Sicherheitsabteilung im Parlament wenden.

Steckt Moskau dahinter?

Dass Russland hinter den mysteriösen Hausbesuchen stecken könnten, ist eine Vermutung, die mehrere Medien äußern.

Die finnische Regierung will sich bisher nicht festlegen, auch wenn die Äußerung von Regierungschef Petteri Orpo zu den aktuellen Ereignissen so klingt, als wäre sie auch gegen das große Nachbarland im Osten gerichtet: "Wenn jemand versucht, Finnland, unser Sicherheitsgefühl oder unsere Unterstützung beispielsweise für die Ukraine zu untergraben, dann bewirkt das genau das Gegenteil", so Orpo. Das stärke den Zusammenhalt im Parlament wie auch in ganz Finnland.

Stubb: "Angriff auf die Demokratie"

Auch Finnlands Präsident Alexander Stubb - der kaum für alarmistische Äußerungen bekannt ist - griff die Vorfälle auf. Er äußerte sich am Rande der Übergabe neuer amerikanischer Kampfflugzeuge an die finnische Luftwaffe: "Ein Angriff auf einen Parlamentarier ist ein Angriff auf die Demokratie. Das darf in keiner Form geduldet, geschweige denn akzeptiert werden. Ich stehe hinter jedem Abgeordneten."

Stubb hatte übrigens noch vor wenigen Tagen mit einer ganz anderen Botschaft für Aufsehen gesorgt. Man dürfe sich nicht von jeder Provokation Russlands verrückt machen lassen, mahnte er in einem Interview mit dem US-amerikanischen Sender Fox News. Er empfahl stattdessen etwas mehr Gelassenheit und - ein wenig im Scherz - den Besuch einer finnischen Sauna.