Nach Gesprächen in Norwegen Selenskyj fordert Teilnahme an Putin-Xi-Trump-Treffen

Trump hatte Interesse an einem Gespräch mit den Präsidenten Russlands und Chinas über die Ukraine gezeigt. Nach einem Treffen mit europäischen Partnern sowie dem US-Sondergesandten Witkoff in Oslo forderte Präsident Selenskyj nun eine Beteiligung Kiews.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine Teilnahme seines Landes an einem möglichen Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping gefordert. Gespräche über die Zukunft der Ukraine seien "nur akzeptabel, wenn wir am Verhandlungstisch sitzen", sagte Selenskyj bei einem Besuch in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Das sei "absolut klar".

Putin strebt laut einem US-Zeitungsbericht ein Treffen mit Trump und Xi am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) am 18. und 19. November im chinesischen Shenzhen an.

Trump hatte sich am Montag offen für einen solchen Dreiergipfel gezeigt: "Ich würde es tun", sagte der US-Präsident vor Journalisten in Washington. Vereinbart sei das Treffen aber noch nicht. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hat gewarnt, ein solches Dreiertreffen würde lediglich Putin "ermutigen, diesen Krieg fortzusetzen".

Treffen mit US-Sondergesandtem Witkoff in Oslo

Selenskyj war nun nach Oslo gereist, um dort mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff über diplomatische Auswege aus dem Ukraine-Krieg und die Unterstützung der USA zu beraten.

Zunächst wollte er zu dritt mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Store und dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb sprechen, dann einzeln mit Witkoff, schließlich in einer Runde zu viert. Zugeschaltet waren nach Angaben norwegischer Medien auch US-Unterhändler und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner sowie Vertreter mehrerer europäischer Länder, darunter Deutschland, sowie der EU und der NATO.

Die norwegische Hauptstadt ist damit ein neuer Schauplatz in den bislang erfolglosen Friedensbemühungen für die von Russland seit viereinhalb Jahren mit einem Angriffskrieg überzogene Ukraine. Ziel des von Norwegen und Finnland vermittelten Treffens war es vor allem auch, das angespannte Verhältnis zu den USA zu verbessern und zurück zur Diplomatie zu finden.

"Gespräche nach den vergangenen Wochen notwendig"

Bei den Gesprächen in Oslo hätten die Parteien nun etwa Sicherheitsgarantien für die Ukraine, territoriale Fragen, Sanktionen sowie die europäische Sicherheit nach dem Krieg diskutiert, hieß es.

Store sagte auf einer Pressekonferenz in Oslo, man habe gute und konstruktive Gespräche geführt, die nach den Ereignissen der vergangenen Woche notwendig gewesen seien. Man habe am Nachmittag eine Basis geschaffen, auf der man nun weiterarbeiten könne. Stubb erklärte, der Tag habe Fortschritte in die richtige Richtung gebracht. Selenskyj bezeichnete die Gespräche mit Witkoff als wichtig. Man müsse auf allen Ebenen weiter gemeinsam an den Entscheidungen arbeiten, die nötig seien, um den Krieg zu beenden.

Witkoff wird nun nach Russland weiterreisen. "Steve Witkoff wird morgen nach Sankt Petersburg fliegen, um dort Gespräche mit der russischen Führung zu führen", sagte Store. Dabei sollten "die Vorschläge, die europäische und amerikanische Kollegen erarbeitet haben", vorgelegt werden.

Kurz nach den Gesprächen in Oslo behauptete US-Präsident Donald Trump jedoch zum wiederholten Mal, Russland sei bereit zu einer Beendigung des Krieges, und forderte Selenskyj zu einem "Deal" auf. Er solle den Krieg beenden, sonst würde es schlecht ausgehen. Zudem behauptete Trump erneut, die USA hätten der Ukraine "viel gegeben", aber "absolut nichts zurückbekommen".

Bei seinen Vorhaltungen gegenüber der Ukraine ignoriert Trump immer wieder, dass allein Russland seinen Angriffskrieg beenden kann. Zudem hat Putin bisher jede Zustimmung zu einem Frieden oder zu einer Waffenruhe verweigert und jedes Angebot der Ukraine und ihrer Partner ignoriert oder abgelehnt.

Selenskyj: Ukraine erhält wieder US-Geheimdienstinformationen

Am Abend sagte Selenskyj in Oslo bei einer Pressekonferenz nach Gesprächen mit Witkoff, die USA würden wieder Geheimdienstinformationen über russische Angriffe mit der Ukraine teilen. "Wir sind dankbar dafür, dass die Geheimdienstarbeit funktioniert", sagte Selenskyj.

"Ich spreche über Frühwarnungen, was für unsere Bevölkerung sehr wichtig ist, für Kinder, Erwachsene, Zivilisten." Die Wiederaufnahme der Frühwarnungen sei nach Gesprächen mit US-Regierungsvertretern erfolgt, darunter ein Telefonat mit Außenminister Marco Rubio.

Die Ukraine verliere den Krieg gegen Russland nicht, betonte Selenskyj. Kiew beklage jedoch den Verlust von Menschenleben und sei entschlossen, Wege zum Frieden zu finden.

Immer weniger Unterstützung durch USA

Die Beziehungen zwischen Kiew und Washington hatten sich in den vergangenen Wochen stark verschlechtert. So hatten die USA laut Selenskyj wichtige Geheimdienstinformationen zurückgehalten und die Lieferung von Luftabwehrwaffen verzögert. Außerdem klagte er über eine Drosselung der Satelliten-Kommunikationsdienste Starlink und Starshield, die eine wichtige Rolle bei der Abstimmung der ukrainischen Armee, dem Einsatz von Drohnen und deren Abwehr spielen.

Trump hatte zudem geplante Sanktionen gegen Russland ausgesetzt und stattdessen ein Abkommen mit Moskau über die Lieferung von Diesel-Kraftstoff geschlossen.

Mit Informationen von Jana Sinram, ARD Stockholm