Midterms in den USA Kippt ausgerechnet Texas?
In Texas könnte bei den Zwischenwahlen am Dienstag ein Demokrat das Rennen um den Sitz im US-Senat für sich entscheiden. Dabei gewinnen in dem Bundesstaat seit Jahrzehnten verlässlich die Republikaner. Welche Themen beschäftigen die Wähler?
Noch sieht man nicht mehr als ein gut abgesichertes Feld, Zäune, Überwachungskameras, ein Schild, das auf die Baustelle hinweist. Ansonsten Gras, soweit das Auge reicht. Hier in der Nähe von Amarillo im Norden von Texas soll das vielleicht größte Rechenzentrum der Welt entstehen.
Davor hat sich eine kleine Gruppe Demonstrierender versammelt. Eine von ihnen ist Tiffany Riles, und sie sorgt sich wegen möglicher Umweltprobleme durch das Rechenzentrum - um Luftverschmutzung, um Wasserknappheit. Schon jetzt sind große Teiles Texas von Trockenheit oder Dürre betroffen.
Tiffany engagiert sich für die jungen Demokraten in Texas. Im Haar trägt sie eine Spange, auf der steht "Vote", also "Wählt". Mit ihrer politischen Meinung hält sich die junge Schulbibliothekarin nicht zurück. "Fuck Donald Trump!", sagt sie mit Nachdruck. Vor allem mit seiner Abschiebepolitik und den Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE ist sie nicht einverstanden.
Auch Trump-Anhänger protestieren
Nur wenige Meter von Tiffany entfernt in der Gruppe steht Misty, rosa Blazer, große Sonnenbrille. Und das ist ungewöhnlich im heutigen Amerika. Denn Misty ist auch Trump-Anhängerin und zählt sich zu seinen größten Fans, dem sogenannten MAGA-Lager - die Abkürzung für "Make America Great Again". "Ich liebe Donald Trump“, sagt Misty. Aber bei den Rechenzentren habe er Unrecht.
Die Position des US-Präsidenten ist auch bei diesem Thema: Regulierung aufweichen, Rechenzentren pushen. Misty findet, die Bürger sollten mehr Mitspracherechte haben.
Kopf-an-Kopf-Rennen in Texas
Im ganzen Land demonstrieren US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner. Laut Umfragen steht mehr als die Hälfte den Datenzentren mittlerweile kritisch gegenüber, besonders in ihrer Nachbarschaft. Und so sind sie zu einem der Wahlkampfthemen geworden.
Texas ist bei diesen Midterms besonders umkämpft, vor allem im Rennen um den Senat, einer der zwei Kammern des US-Parlaments. Seit mehr als 30 Jahren hat das kein Demokrat in Texas gewonnen. Texas ist seit Jahrzehnten republikanisch geprägt. Dieses Mal könnte James Talarico, der Kandidat der Demokraten, eine echte Chance haben.
Der 37-Jährige bezeichnet sich selbst als "Texaner in achter Generation". Der ehemalige Lehrer hat seine Religion zu einer zentralen Botschaft in seinem Wahlkampf gemacht.
Hoffnungsträger der Demokraten in Texas: James Talarico möchte für den Bundesstaat in den US-Senat einziehen. Es wäre das erste Mal seit 1988, dass einem Demokraten das gelingt.
Umstrittener Republikaner
Sein Erfolg könnte zum Teil auch an der Skepsis der Wählerinnen und Wähler gegenüber Ken Paxton liegen, dem republikanischen Kandidaten. Dem texanischen Generalstaatsanwalt drohte die Amtsenthebung, nachdem seine eigene Partei unter anderem wegen Korruptionsvorwürfen ein Verfahren eingeleitet hatte. 2023 sprach ihn der texanische Senat frei.
Paxton gilt als enger Trump-Verbündeter und hatte nach der Wahlniederlage Donald Trumps vor dem Supreme Court versucht, den Wahlsieg Joe Bidens zu kippen. Die Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Talarico und Paxton voraus, manche sehen den Demokraten leicht vorne.
Ken Paxton ist wegen Korruptionsvorwürfen höchst umstritten. Wenden sich deshalb die republikanischen Wähler von ihm ab?
Streitthema Erneuerbare Energien
Und noch ein zweites Thema sorgt in Texas für Ärger unter treuen Trump-Anhängern: der Kampf der Regierung gegen Erneuerbare Energien. Heuballen fliegen von der Ladefläche eines silbernen, etwas verbeulten Pickup-Trucks. John Davis füttert seine Rinder. Er ist nicht irgendein Rancher, sondern ehemaliger Politiker für die Republikanische Partei in Texas und frustriert von Trumps Kampf gegen Erneuerbare. "Warum ist er gegen sie?", fragt er - "ich verstehe es nicht."
Seine Rinder grasen mittlerweile seit mehr als fünf Jahren unter Windrädern in den weiten Texas. Eine Firma betreibt die Anlagen und zahlt ihm monatlich Pacht für das Land. "Mit jeder Drehung landet Geld in meiner Gesäßtasche." Trump dagegen setzt voll auf Öl und Gasförderung und nicht auf Erneuerbare Energien - "drill, baby, drill" ("bohren, Baby, bohren") war schon im Wahlkampf 2024 seine Devise.
Zu einem Prozent unzufrieden
Das US-Verteidigungsministerium hatte Genehmigungsprozesse für Windparks mit Verweis auf die nationale Sicherheit gestoppt. Das macht den Republikaner John Davis unzufrieden. "Saudumm", findet er das. Schließlich treffe man damit ländliche Regionen, die Investitionen gut gebrauchen könnten. Abgesehen davon stehe er trotzdem zu 99 Prozent hinter Donald Trump.
Auch wenn bei den Midterms nicht über den Präsidenten abgestimmt wird, spielt dort seine Politik eine große Rolle. Die Frage ist - auch in Texas: Sind Wähler der Republikaner frustriert genug, zu Hause zu bleiben oder sogar einen Demokraten zu wählen?


