Schwedenglück auf Zeit Deutsche gewinnt schwedische Insel
Ruhe, Natur und Vögel: Eine deutsche Studentin hat eine Insel in Schweden gewonnen - auf Zeit. Sie wird für ein Jahr deren Verwalterin. Betreten darf das Eiland aber jeder.
Mit dem Motorboot fährt Miriam Wiskemann hinaus aufs Meer. Vor der schwedischen Westküste wird eine kleine Insel am Horizont langsam größer: Marsten, rund 180 Meter lang, etwas mehr als 50 Meter breit. Es ist die neue Insel von Miriam Wiskemann. Die 27-Jährige hat sie vor Kurzem das erste Mal betreten.
"Es war so, dass sie mir erst mal doch irgendwie größer vorkam, als ich dachte - und, dass es auch ein bisschen grüner war, als ich dachte", erzählt Wiskemann. "Also dass ich eben nicht nur Steine und Vögel sehe, sondern auch so ein bisschen Vegetation. Das fand ich dann ganz cool."
Viel Platz ist auf Marsten allerdings nicht. Immerhin gibt es einen kleinen Turm - zur Orientierung für Fischer. Ansonsten: Naturfelsen und ziemlich viel Vogelkot. Die Insel hat die Studentin bei einem Wettbewerb vom schwedischen Tourismusverband gewonnen. Allerdings gehört ihr die Insel nicht. Miriam Wiskemann hat für ein Jahr das Nutzungsrecht und einen besonderen Titel bekommen: Inselverwalterin.
Alle dürfen auf die Insel- dank Allemansrätten
"Es ist schon eigentlich mehr ein repräsentativer Job, den ich habe und jetzt nicht einer, bei dem ich wirklich irgendwas zu entscheiden oder zu bestimmen habe", sagt die Studentin. "Das Wichtigste ist hauptsächlich, dass ich dieses Allemansrätten, also dass quasi jeder auf die Insel drauf oder drüber oder rumfahren darf, dass ich das wahre und da jetzt nicht auf die Idee komme, einen Zaun drauf zu stellen."
Genau da ist der Haken: In Schweden darf dank des Allemansrätten (Jedermannsrecht) jeder alle möglichen Inseln betreten. Miriam Wiskemann wird sich auch ihre eventuell teilen müssen. Immerhin: Der schwedische Tourismusverband hat ihr die erste Reise zur Insel bezahlt. Auch das war Teil des Gewinnspiels, erklärt Nils Persson vom schwedischen Tourismusverband Visit Sweden.
"Schweden hat mit mehr als 267.000 die meisten Inseln der Welt. Und wir wissen, dass viele Reisende vom Luxus einer eigenen Insel träumen", sagt Persson. "Mit dem Wettbewerb wollten wir zeigen: Das ist möglich, auch ohne eine Insel zu besitzen. Bei uns in Schweden geht es einfach um Zugang zu Natur, Freiheit und Raum."
Fünf unbewohnte Inseln verlost
Fünf unbewohnte Inseln hat Visit Sweden in diesem Jahr vergeben. Mehr als 2.000 Menschen aus rund 100 Ländern haben sich mit Videos beworben. Für Gewinnerin Miriam Wiskemann ist ihre Insel weniger ein exklusiver Rückzugsort als eine besondere Erfahrung.
"Ich glaube, es ist wirklich sehr unwahrscheinlich, dass da jetzt ein großer Ansturm ist", sagt Wiskemann. Die Leute, die in der neun Kilometer entfernten Stadt Falkenberg wohnen, hätten ihr erzählt, dass sie nicht einmal wussten, dass die Insel überhaupt einen Namen hat und man da drauf kann.
Eine eigene Insel nicht zum Besitzen, sondern zum Erleben. Für die Studentin ist genau das der besondere Reiz. Ein Stück schwedischer Natur, das ihr gehört, solange sie es mit allen anderen teilt. Und vielleicht ist genau das der schwedische Luxus: ein Stück Freiheit für alle.

