Berichtssaison Börsen zwischen KI-Euphorie und Inflationssorgen
Die Berichtssaison und neue Konjunkturdaten geben den Takt vor. Im Mittelpunkt steht die Chipbranche: Nach optimistischen Geschäftsaussichten von ASML richtet sich der Blick auf den taiwanischen Chipkonzern TSMC.
Nach deutlichen Verlusten an den asiatischen Börsen und schwachen Vorgaben aus den USA dürfte der DAX heute mit Gegenwind in den Handel starten. Der Broker IG Markets taxiert den deutschen Leitindex mit einem Abschlag von knapp 0,3 Prozent auf 25.227 Punkte. Vor allem Technologiewerte stehen unter Druck, nachdem die jüngsten US-Inflationsdaten die Sorgen vor weiteren Zinserhöhungen verstärkt haben.
Für positive Impulse in der Chipbranche sorgte der niederländische Anlagenbauer ASML. Europas größter börsennotierter Konzern hatte am Mittwoch seine Ergebnisse für das dritte Quartal vorgelegt. Er konnte sowohl den Umsatz als auch Gewinn weiter ausbauen. Auch für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich das Management zuversichtlicher. ASML profitiert weiterhin von der hohen Nachfrage nach Anlagen zur Halbleiterproduktion, die durch den Boom rund um Künstliche Intelligenz zusätzlich angetrieben wird.
Heute richtet sich die Aufmerksamkeit auf den taiwanischen Chip-Auftragsfertiger TSMC. Das Unternehmen hat in den vergangenen Quartalen erheblich von der hohen Nachfrage nach leistungsfähigen Chips für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz profitiert.
Bereits in der vergangenen Woche hatte TSMC einen Rekordumsatz für das dritte Quartal gemeldet. Die Erlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 50 Prozent auf umgerechnet rund 46,7 Milliarden Dollar. Nun stehen der Gewinn und vor allem die Prognose für das laufende Quartal im Mittelpunkt.
Anleger wollen wissen, ob die hohe Nachfrage nach KI-Chips anhält und ob TSMC seine ohnehin ambitionierten Investitions- und Wachstumspläne weiter ausbauen will. Neben den aktuellen Zahlen wird vor allem der Ausblick entscheidend sein. Die Chipindustrie trägt wesentlich zum Wirtschaftswachstum Taiwans bei.
Neben der Berichtssaison bleibt die Geldpolitik in den USA ein wichtiges Thema. Der Konjunkturbericht der US-Notenbank Federal Reserve, das sogenannte Beige Book, zeichnet ein gemischtes Bild: In einigen Regionen hat sich die Inflation zuletzt verstärkt. Am Arbeitsmarkt gab es zugleich kaum Neueinstellungen, aber auch nur wenige Entlassungen.
Die Unternehmen rechnen überwiegend mit leichtem Wachstum. Gestiegene Treibstoffkosten, höhere Rohstoffpreise, Zölle und Versicherungen sorgen jedoch für zusätzlichen Kostendruck. Die Verbraucherpreise lagen im September 3,7 Prozent über dem Vorjahresmonat und damit deutlich über dem Inflationsziel der Fed von zwei Prozent. Dazu trugen unter anderem höhere Benzinpreise infolge des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran sowie steigende Softwarepreise bei.
Die Notenbank steht damit vor der Herausforderung, die Inflation einzudämmen, ohne die Konjunktur zu stark zu bremsen. Bei ihrer Sitzung am 27. und 28. Oktober beraten die Währungshüter über den weiteren Zinskurs. Der Leitzins liegt derzeit bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Viele Experten halten eine weitere Anhebung in diesem Jahr für möglich, vermutlich im Dezember.
Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank zeigte sich vergleichsweise gelassen: "Von klaren Zweitrundeneffekten kann bislang immer noch nicht die Rede sein." Als Zweitrundeneffekte bezeichnet man die Reaktionen von Unternehmen und Arbeitnehmern auf einen ersten Preisschock, wodurch sich die Teuerung weiter verstärkt. Aus Sicht der US-Notenbank Fed stehe dieses Jahr noch eine Zinsanhebung an, so Gitzel. "Danach sollen dann keine weiteren Zinsanhebungen folgen."
Die wirtschaftliche Lage ist auch mit Blick auf die Kongresswahlen am 3. November von Bedeutung. Für die Republikaner von Präsident Donald Trump geht es um den Erhalt ihrer Mehrheiten. Einer Umfrage von Reuters und Ipsos zufolge sind die Lebenshaltungskosten das wichtigste Thema für die Wähler. Hinzu kommen steigende Finanzierungskosten: Der durchschnittliche Zinssatz für 30-jährige Immobilienkredite stieg zuletzt auf 7,5 Prozent und auf den höchsten Stand seit knapp drei Jahren.



