Pläne der Bundesnetzagentur Briefporto soll so stark steigen wie noch nie

Ein Brief für mehr als einen Euro? Das könnte bald Realität werden. Die Post soll laut der Bundesnetzagentur ihre Preise kräftig erhöhen dürfen, auch für Pakete. Was dahintersteckt und wie teuer es werden könnte.

Die Deutsche Post soll ihre Preise zum Jahreswechsel deutlich anheben dürfen. Die Bundesnetzagentur veröffentlichte einen Entwurf, nach dem das Porto für Privatkundenbriefe ab Januar 2027 im Durchschnitt um 20,35 Prozent steigen könnte.

Es wäre der bislang größte genehmigte Preisaufschlag. Auch für Pakete sind höhere Preise vorgesehen.

Standardbrief könnte 1,14 Euro kosten

Wie teuer die einzelnen Briefarten werden, steht allerdings noch nicht fest. Das entscheidet die Deutsche Post später selbst. Würde sie den vorgesehenen Erhöhungsspielraum gleichmäßig auf alle Briefarten anwenden, könnte ein Standardbrief künftig 1,14 Euro kosten.

Derzeit sind es 95 Cent. Denkbar sind allerdings auch Preise von 1,10 oder 1,15 Euro, da die Post ihre Preise bislang häufig in Fünf-Cent-Schritten angepasst hat.

Auch Pakete dürfen teurer werden

Damit würde das Porto für einen Standardbrief erstmals die Ein-Euro-Marke überschreiten. Seit 2012 hätte sich der Preis dann ungefähr verdoppelt. Damals kostete der Versand noch 55 Cent.

Auch Pakete für Privatkundinnen und Privatkunden könnten teurer werden - um durchschnittlich 10,72 Prozent. Für Geschäftskundenbriefe sieht die Bundesnetzagentur denselben Erhöhungsspielraum wie für Privatkunden vor: 20,35 Prozent.

Immer weniger Briefe werden verschickt

Ein wesentlicher Grund für die geplante Erhöhung ist die sinkende Briefmenge. Während 2005 in Deutschland noch 16,9 Milliarden Briefe verschickt wurden, waren es 2025 nur noch knapp 9,4 Milliarden. Immer mehr Firmen und Verbraucher kommunizieren digital.

Die Kosten für die Zustellung bleiben dagegen hoch. Die Post muss weiterhin ein dichtes Netz aus Filialen, Briefkästen und Zustellpersonal unterhalten.

"Wenn die Kosten unter anderem aufgrund der zunehmenden Digitalisierung auf weniger Briefe zu verteilen sind, steigen die Preise", erklärte der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller. Die Behörde sei bei ihrem Vorschlag unter den von der Post geforderten Preisanpassungen geblieben.

Post verspricht ausgewogene Preisgestaltung

Die Deutsche Post verwies in einer ersten Reaktion auf deutlich gestiegene Kosten für Löhne, Energie und Materialien. Zugleich räumte der Konzern ein, dass zu starke Preissteigerungen die Kunden belasten und den Rückgang der Briefmengen weiter beschleunigen könnten.

"Wir werden daher mit dem von der Bundesnetzagentur eingeräumten Spielraum verantwortungsvoll umgehen", teilte die Post mit. Ziel sei eine ausgewogene Preisgestaltung, die sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch die Interessen der Kundinnen und Kunden berücksichtige.

Entscheidung steht noch aus

Beschlossen ist die Portoerhöhung noch nicht. Zunächst können sich Unternehmen und Verbände zu dem Entwurf der Bundesnetzagentur äußern. Anschließend legt die Behörde den endgültigen Erhöhungsspielraum fest. Die Deutsche Post entscheidet dann, wie sie diesen auf die einzelnen Brief- und Paketarten verteilt. Die konkreten Preise müssen wiederum von der Bundesnetzagentur genehmigt werden.

Die neuen Portopreise sollen ab Januar 2027 gelten und für zwei Jahre Bestand haben. Im europäischen Vergleich ist der Briefversand in Deutschland bislang noch relativ günstig. In Österreich kostet ein Standardbrief einen Euro, in den Niederlanden 1,40 Euro und in Frankreich 1,52 Euro. Dort soll das Porto zum Jahreswechsel auf 1,67 Euro steigen.