Nach Drohnenangriffen Saudi-Arabien schaltet wichtige Öl-Pipeline ab
Es ist eine Vorsichtsmaßnahme, die die Öl- und Benzinpreise weiter steigen lasse könnte: Nach den Drohnenangriffen aus dem Irak hat Saudi-Arabien seine Ost-West-Pipeline abgestellt. Exporte werden dadurch weiter reduziert.
Der Konflikt im Nahen Osten weitet sich zunehmend aus und setzt den weltweit wichtigen Öl-Exporteur Saudi-Arabien immer mehr unter Druck. Nach der iranischen Blockade der Straße von Hormus und der zunehmenden Bedrohung der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz im Jemen muss das Königreich nun auch noch eine wichtige Pipeline abschalten. Saudische Exporte reduzieren sich dadurch zusätzlich, was wiederum Folgen für den Ölpreis und damit auch die Benzinpreise in Deutschland hat.
Die Ost-West-Pipeline wurde nach Angriffen auf die Leitung in den Regionen Riad und Medina vorsorglich stillgelegt. Das saudische Außenministerium teilte in der Nacht auf der Plattform X mit, bei der Drohnenattacke seien Schäden verursacht und mehrere Menschen verletzt worden. Wer hinter dem Angriff steckt, wurde nicht mitgeteilt.
Irak versucht offenbar, Täter zu fassen
Die Attacke erfolgte aus dem Irak. Dort operieren einige von Iran unterstützte Milizen. Das saudische Außenministerium erklärte, auf Bitten des Nachbarlands werde man aktuell im Irak keine Schritte gegen die Angreifer unternehmen. Zunächst bekämen die Behörden vor Ort die Chance, selbst Maßnahmen zu ergreifen.
Die irakische Regierung schloss wiederum als Vorsichtsmaßnahme den Grenzübergang Schalamtscheh zu Iran. Das sagten zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Derzeit laufe ein groß angelegter Einsatz, um die Täter zu fassen.
Außerdem wurde nach Angaben des Büros des Ministerpräsidenten ein Militärkommandeur abgesetzt. Untersuchungen hätten ergeben, dass die jüngsten Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien von irakischem Gebiet ausgegangen seien. Der Kommandeur war der Mitteilung zufolge bislang für Einsätze in der südirakischen Provinz Maysan zuständig.
Offenbar Schäden an Pumpstationen
Die Angriffe auf die Pipeline treffen Saudi-Arabien an einer sehr empfindlichen Stelle: Über die mehr als 1.200 Kilometer langen Röhren können pro Tag bis zu sieben Millionen Barrel Öl (ein Barrel entspricht 159 Liter) aus der Region am Persischen Golf zur Verschiffung nach Westen ans Rote Meer gepumpt werden - und das unabhängig von der faktisch blockierten Straße von Hormus.
US-Medien wie CNN und das Wall Street Journal berichteten, bei den Angriffen seien wohl Pumpstationen der Pipeline getroffen worden. Sie beriefen sich dabei auf Satellitenbilder, die zeigen sollen, dass es dort zu Bränden gekommen ist. Wie groß der Schaden ist und bis wann er behoben werden kann, blieb zunächst unklar.
Die Pipeline-Infrastruktur war bereits im April angegriffen worden, woraufhin die Kapazität der Röhren kurzzeitig gedrosselt werden musste. Saudi-Arabien war vor dem Krieg hinter den USA der zweitgrößte Ölproduzent und der weltweit wichtigste Exporteur des Rohstoffs, der für die gesamte Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung ist.


