Afrika-Gipfel in Russland Putin umwirbt einen ganzen Kontinent
Beim Handel mit Afrika liegen China und die EU weit vor Russland. Doch Moskau versucht, seinen Einfluss auf dem Kontinent zu stärken - beim dritten Afrika-Russland-Gipfel waren fast alle afrikanischen Länder dabei.
Als William Rutos Blaulicht-Konvoi nach Moskau einfährt, lässt ihn der Gastgeber schon auf dem Weg seine Wertschätzung spüren: "Willkommen, Ihre Exzellenz William Samoei Ruto, Präsident der Republik Kenia!", zeigen die Leuchtwände, die den Straßenrand säumen, auf einem bunten Blumen-Hintergrund auf Englisch und Russisch.
Ein Land zu Gast bei Freunden - das ist die Botschaft, nicht nur für Ruto, sondern auch für die anderen mehr als 20 Staats- und Regierungschefs und insgesamt 48 Delegationen. Fast ganz Afrika ist vertreten. Russland ist international nicht isoliert - für Gastgeber Wladimir Putin ist das ein wichtiges Signal des Gipfels, nach außen und nach innen.
Beim Gipfel in Moskau waren Vertreter aus fast allen afrikanischen Staaten dabei.
Alles, was Russlands Wirtschaft zu bieten hat
Es ist der dritte Gipfel dieser Art und es geht erneut um alles, was Russlands Wirtschaft zu bieten hat - mehr oder weniger. Es gibt Diskussionsrunden zu Energie und Ernährung, aber auch zu Gesundheit und Bevölkerungswachstum oder Künstlicher Intelligenz.
Und natürlich kann es Russland nach Putins Darstellung besser als diejenigen, die es ihm zufolge wieder "kolonisieren" wollen: "Dabei werden alle möglichen, selbst die unschönsten und zynischsten Mittel eingesetzt, wie Zollkriege, unrechtmäßige Sanktionen, wirtschaftliches Diktat, Erpressung und Einmischung in innere Angelegenheiten", unterstellt der russische Staatschef. "Es sind aktive Versuche westlicher Länder, die Afrikaner zurück in die Schuldenfalle zu treiben und ihnen die so dringend benötigten finanziellen Mittel zu ausbeuterischen Bedingungen aufzuzwingen."
Russland dagegen habe in den ersten neun Monaten dieses Jahres 13 Millionen Tonnen Agrarprodukte nach Afrika exportiert, sagt Putin. Dass sein Land tatsächlich ein Riese bei der Lieferung vor allem von Weizen ist, kommt gut an.
Über manche Themen wird nicht gesprochen
Nicht gesprochen wird über humanitäre Nahrungsmittelhilfe, bei der Putins Kornkammer keine vergleichbare Rolle spielt. Und auch nicht über die Tatsache, dass infolge des russischen Angriffskrieges das Angebot an ukrainischem und russischem Getreide geschrumpft ist und die Preise gestiegen sind.
Doch beim Thema Nahrung kann Putin bei den meisten Teilnehmerstaaten punkten, sein Vize-Außenminister kündigt gar ein "logistisches Drehkreuz" an, das beim Getreidegroßabnehmer Ägypten für Afrika entstehen soll.
Großes Interesse gibt es auch beim Thema Energielieferungen. Russland könne nicht nur Öl und Gas exportieren, sondern mithelfen, Afrika zum Selbstversorger zu machen, hofft NJ Ayuk von der Organisation "African Energy Chamber": "Die Europäer haben es in 70 Jahren Öl- und Gasförderung nie getan. Es gibt ein wachsendes Gefühl, dass wir Gas und Petrochemie selbst produzieren müssen, damit wir nicht mehr um europäische Hilfe und Geld betteln müssen."
"Russland ist ein guter Partner, besser als Frankreich"
Auch bei der Rüstung ist Russland ein wichtiger Akteur in Afrika - ganz offensiv. Wer das kleine Ausstellungsgelände des Gipfels betritt, kommt zuerst an Schusswaffen und Kampfdrohnen vorbei.
Emmanuel Sorgho steht mit dem Rücken zum großen, schwarzen Flugobjekt und schaut für ein Souvenirfoto in die Handykamera seiner Kollegin. "Wir haben viele Sicherheitsprobleme in Burkina Faso", sagt er. "Russland ist ein guter Partner, besser als Frankreich." Burkina Faso und die Nachbarländer Mali und Niger haben den Westen rausgeschmissen und sind eine Allianz eingegangen, miteinander und auch mit Russland.
Ohne russische Waffen, Kämpfer und Ausbilder könnten die Regierungen dieser Länder den Konflikt mit Islamisten und Separatisten kaum durchstehen. Das Gleiche gilt für die Zentralafrikanische Republik. Bezahlt wird je nach Vereinbarung mit Geld, Gold, Diamanten oder Rohstoffen. Dass internationale Organisationen den russischen Kämpfern zum Teil schwere Menschenrechtsverletzungen vorwerfen, wird in Afrika zur Kenntnis genommen, mehr nicht.
"Eure Feinde müssen nicht unbedingt unsere Feinde sein"
Afrika hat seine eigenen, von Europa kaum beachteten Kriege. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass für viele Delegierte Russlands Krieg in der Ukraine eine untergeordnete Rolle spielt. NJ Ayuk, der Energieexperte aus Südafrika, sagt, natürlich wäre ein Ende des Blutvergießens und ein Friedensschluss das Beste. Dann zitiert er noch seinen Landsmann Nelson Mandela: "Eure Feinde müssen nicht unbedingt unsere Feinde sein."
Am Ende des Gipfels gibt es Deklarationen und wohl auch Handelsabkommen, deren Bedeutung man letztlich viel später an der Umsetzung messen wird. Klar ist: Beim Handelsvolumen liegen China und die EU weit vor Russland - uneinholbar. Das weiß der Kreml auch.
Putin geht es vor allem darum, den politischen Einfluss auf der Weltbühne zu stärken. Das läuft gerade nicht schlecht in Afrika mit dessen reichen Bodenschätzen und einer Bevölkerung, die bis zum Ende des Jahrhunderts wohl größer sein wird als die Asiens. Er habe das verstanden, lässt Putin die Delegierten wissen und zitiert die UN: "Nicht umsonst wird Afrika als Kontinent der Zukunft bezeichnet."
