Neuer "Tankrabatt" Spritpreise sinken deutlich - doch die Kritik hält an

Seit Mitternacht gilt der neue "Tankrabatt" und zeigt schnell Wirkung. E10 kostete am Morgen mancherorts sogar weniger als zwei Euro. Unklar ist, ob die gesamte Entlastung bei Verbrauchern ankommen wird - die Maßnahme bleibt umstritten.

Der Start des neuen "Tankrabatts" hat an vielen Tankstellen für stark fallende Spritpreise gesorgt. Schon gegen Mitternacht wurden Benzin und Diesel abrupt billiger, bis zum Morgen ging es noch deutlich weiter nach unten. Der ADAC ermittelte um 8:00 Uhr für Super E10 einen bundesweiten Durchschnittspreis von 2,062 Euro. Das waren 14,5 Cent weniger als 24 Stunden zuvor. Diesel kostete um 8:00 Uhr im Schnitt 2,209 Euro - das waren 15,2 Cent weniger als am Vortag.

E10 wurde in einigen Regionen für weniger als zwei Euro pro Liter angeboten, wie aus dem Portal des ADAC hervorgeht. Für Diesel blieben die Preise in der Regel aber klar über zwei Euro.

Superbenzin für unter zwei Euro

"Damit kam bereits am Vormittag ein Großteil der steuerlichen Entlastung von rund 17 Cent bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern an", bewertete der ADAC die aktuellen Preise. Der Verkehrsclub mahnte aber, die Preissenkungen dürften nicht durch spätere Erhöhungen "wieder einkassiert werden". Das Spritpreisportal Tankerkönig zeigte auch am Vormittag weiter sinkende Preise, allerdings nicht mehr in gleicher Geschwindigkeit.

Die schnelle Spritpreissenkung über Nacht wertete der ADAC als Hinweis auf "erhebliche Preisspielräume". Der ADAC kündigte an, die Dynamik im Blick zu behalten. Seit Einführung der 12-Uhr-Regel ist der Morgen ein vergleichsweise günstiger Tankzeitpunkt; mittags steigen die Preise oft stark an.

September teuerster Tankmonat

Die Bundesregierung hatte den "Tankrabatt" als Reaktion auf die aktuell extrem hohen Spritpreise auf den Weg gebracht - der September war der mit Abstand teuerste Tankmonat bisher. Seit Mitternacht gilt für Benzin und Diesel der Steuernachlass von 16,7 Cent pro Liter. Inwiefern das vollständig an die Verbraucher weitergegeben wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Es gibt keine direkte Verpflichtung der Tankstellen, die Preise zu senken; die Berechnungen dazu sind komplex.

Es ist bereits der zweite "Tankrabatt" in diesem Jahr: Im Mai und Juni waren die Steuern auf Kraftstoffe ebenfalls um rund 17 Cent gesenkt worden. Auswertungen zum ersten Tankrabatt ergaben, dass die Steuersenkung an den Zapfsäulen zwar größtenteils an die Verbraucher weitergegeben wurde. Laut Monopolkommission blieben aber gut 200 Millionen Euro des damaligen Entlastungsvolumens von 1,6 Milliarden Euro bei den Mineralölkonzernen hängen.

Umstrittene Maßnahme

Die Maßnahme ist umstritten; Ökonomen kritisierten die Steuersenkung scharf. "Wie auch beim letzten Mal ist unklar, wie viel davon überhaupt an die Endverbraucher weitergegeben wird", sagte etwa die Wirtschaftsweise Veronika Grimm der Augsburger Allgemeinen.

Der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, kritisierte, dass man aus der letzten Steuersenkung "nichts gelernt" habe. "Schon damals kam nicht die gesamte Steuersenkung an der Zapfsäule an", kritisierte Duso. Trotzdem gäben Bund und Länder erneut rund 2,5 Milliarden Euro Steuergelder aus, ohne dass das Geld gezielt bei denen landen würde, die es am nötigsten bräuchten. Befürworter des "Tankrabatts" argumentieren dagegen, dass es aktuell kein besseres Mittel gebe, um Autofahrer zu entlasten.