Grönland und EU Sich von Trumps Drohungen nicht mehr beirren lassen

Die EU will weitere 200 Millionen Euro in Grönland investieren, unter anderem in den Abbau kritischer Rohstoffe. Kommissionschefin von der Leyen setzt damit auch ein Zeichen gegen Drohungen aus Washington.

Die Kulisse passt zum Pathos: atemberaubende Fjord-Landschaften, felsige Küsten, Eisblöcke im Wasser, klarer blauen Himmel. Auf ihrer Tour nach Grönland hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im dicken Wintermantel quasi ein Touristenprogramm absolviert, bevor es ernst wurde: "Grönland ist mehr als ein Partner, es ist ein vertrauerter Freund und strategischer Partner. Wir haben eine gemeinsame Zukunft. Kujanaq", so die grönländisch angehauchten ersten Worte.

Und Regierungschef Jens-Frederik Nielsen formuliert: "Grönland braucht die Europäische Union - und die EU braucht Grönland." Der grönländische Ministerpräsident verweist dabei vor allem darauf, dass die Insel zunehmend im Zentrum geopolitischer Spannungen steht.

"Grönlands Zukunft in der Hand des grönländischen Volkes"

US-Präsident Donald Trump hatte Anfang des Jahres die rund 57.000 Einwohner Grönlands - und die gesamte EU - erneut aufgeschreckt, mit der Drohung, Grönland übernehmen zu wollen - notfalls mit Gewalt.

Und zuletzt im Juli erneuerte er seine Kontrollansprüche auf die weitgehend autonome Insel, die aber zum Königreich des EU-Mitgliedslands Dänemark gehört, nach dem Motto: Die USA könnten ihren Beitrag zur Abschreckung Russlands herunterfahren, wenn sie nicht die gewünschte Vereinbarung über Grönland erreichen.

Man lasse sich von den Drohungen Trumps nicht weiter beeinflussen, so die Botschaft von EU-Kommissionschefin von der Leyen heute:

Grönlands Zukunft liegt in der Hand des grönländischen und des dänischen Volkes - niemand sonst entscheidet darüber. Wir wissen, dass die Arktis zu einem der Brennpunkte geopolitischer Machtverhältnisse geworden ist. Daher haben wir ein direktes Interesse an den Entwicklungen hier. Aus diesem Grund erarbeiten wir eine neue EU-Arktisstrategie, die wir im Herbst vorstellen werden. Sie wird unsere Vision für die Arktis und für eine stärkere Partnerschaft mit Europas nördlichen Nachbarn darlegen.

Die EU will mehr Zugang zu Rohstoffen

Die gemeinsame Erklärung mit Grönland soll daher die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit vertiefen. Dazu investiert die EU weitere rund 200 Millionen Euro auf der arktischen Insel, vor allem ins Fördern kritischer Rohstoffe und in sichere Kommunikationsverbindungen - etwa über Satelliten und Unterseekabel.

"Dieses Partnerschaftspaket konzentriert sich hauptsächlich auf drei Bereiche bzw. strategische Prioritäten: Konnektivität, saubere Energie und kritische Rohstoffe", ergänzt von der Leyen.

Mehr Investitionen

Zudem soll mit Investitionen in bessere Wohnverhältnisse, nachhaltigen Tourismus und Unterstützung für kleine Unternehmen der Alltag der Grönländer verbessert werden.

Damit löst von der Leyen auch ein Versprechen in Grönland ein. Im März 2024 hatte sie das ständige EU-Büro in der Hauptstadt Nuuk eröffnet und ankündigt, mit einem noch größeren Engagement wiederzukommen.

Die größte Insel der Welt ist weder Teil der EU noch des Binnenmarktes. Aber es gibt spezielle Abkommen - so kann etwa grönländischer Fisch zollfrei in die EU verkauft werden.

Darauf ließe sich aufbauen, erklärt auch Ministerpräsident Nielsen: "Das EU-Büro war einer von vielen Meilensteinen unserer jetzt über 40-jährigen Partnerschaft. Die ist geprägt von stetiger Entwicklung und Wachstum - und hat die Bedürfnisse Grönlands und der Europäischen Union nach und nach verändert."

Parallel zum EU-Besuch hat in Grönland heute auch das Militärmanöver "Arctic Shield" begonnen. Die mehrtägige Übung ist Teil der NATO-Mission "Arctic Sentry", die im Februar als Reaktion auf Trumps Forderung nach einer erhöhten Sicherheit in der Region gestartet war. Deutschland beteiligt sich mit einem Beobachterteam und logistischer Unterstützung an "Arctic Shield".