Krieg gegen die Ukraine Neue Angriffe trotz Diplomatie

Die gegenseitigen Angriffe gehen ungeachtet der US-Vermittlungsbemühungen weiter: Russland griff in der Nacht erneut die ukrainische Hauptstadt Kiew an, aus Moskau wurden Drohnenangriffe gemeldet.

Russland hat in der Nacht erneut zahlreiche Raketen auf die Ukraine abgeschossen. Vor allem in Kiew gab es mehrere Einschläge. Das teilte Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko auf der Plattform X mit. Die Bewohner mussten sich demnach in Schutzräumen in Sicherheit bringen, es habe mehrere Verletzte gegeben. Die ukrainische Luftwaffe warnte in den frühen Morgenstunden vor "weiteren ballistischen Raketen in Richtung Kiew".

Laut Klitschko wurden Wohnhäuser und eine Tankstelle in Stadtteilen östlich des Flusses Dnipro von herabfallenden Trümmern beschädigt. Nicht auszuschließen sei, dass noch Menschen aus den beschädigten Gebäuden gerettet werden müssten. Später teilte er mit, dass auch Teile einer U-Bahn-Brücke beschädigt seien. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministerium gab es in der Nacht auch einen massiven Angriff auf Hafenanlagen in Odessa. Es seien auch Schiffe getroffen worden, die von der ukrainischen Armee genutzt würde.

Putin stimmt neuen Gesprächen mit USA und Ukraine zu

Auch aus Moskau wurden Angriffe gemeldet. Der Bürgermeister der russischen Hauptstadt, Sergej Sobjanin, teilte mit, dass in der Nacht 630 Drohnen in Richtung der Region gestartet worden seien. Die meisten von ihnen wurden demnach von der russischen Luftabwehr zerstört. Zwei Menschen seien verletzt worden.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach Angaben des Kremls einer Wiederaufnahme von trilateralen Gesprächen mit der Ukraine und den USA grundsätzlich zugestimmt. Die Verhandlungen sollen demnach nach dem 10. November beginnen und würden sich auf den "Aufbau eines Sicherheitssystems für Russland und die Ukraine nach Ende des Konflikts" konzentrieren, erklärte Putins Berater Juri Uschakow.

Dreistündiges Gespräch mit Putin

Gegenüber Vorschlägen für ein Ende des Ukraine-Kriegs zeigte sich Russland demnach aber erneut ablehnend. Uschakow erklärte, die vom US-Sondergesandten Steve Witkoff übermittelte Vorschläge der Europäer und der Ukraine würden "nicht viel Substanz enthalten". Zuvor hatte sich Putin mit Witkoff in St. Petersburg getroffen. Nach Angaben des Kreml sprachen sie etwa drei Stunden. Auch Uschakow und Kirill Dmitrijew, ein Gesandter Putins, waren demnach anwesend.

Der Osteuropa-Experte Andreas Umland geht nicht davon aus, dass Russland derzeit ernsthaft an Verhandlungen interessiert ist. Dieses "Verhandlungstheater" gebe es schon seit vielen Jahren, sagte er Interview mit tagesschau24. "Insofern habe ich da bisher keine großen Hoffnungen."

Selenskyj will Frontlinie einfrieren

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte positiv auf den Vorschlag von Gesprächen mit den USA und Russland. Ein Treffen auf Ebene von Unterhändlern solle möglichst bald stattfinden, vorzugsweise bis Anfang November, erklärte Selenskyj. Dabei könne über Friedensvorschläge und ein mögliches Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs gesprochen werden.

Zuvor bezeichnete Selenskyj ein Einfrieren der Frontlinie im Krieg mit Russland als einen möglichen ersten Schritt für eine Waffenruhe. "Wir müssen sie jetzt einfrieren", sagte er dem US-Nachrichtensender Fox News. Dies sei der Weg, "um diesen Krieg zu beenden" und "das Minimum, was wir heute von Russland erwarten".