Debatte über Todesstrafe Entsetzen nach gescheiterten Hinrichtung

Nach der fehlgeschlagenen Hinrichtung einer verurteilten Mörderin in den USA dringen Menschenrechtler auf die Abschaffung der Todesstrafe. Zum Zustand der Frau, die zwei Giftspritzen überlebt hat, ist weiterhin wenig bekannt.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sowie UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk fordern, die Todesstrafe in den USA abzuschaffen. Anlass ist die gescheiterte Hinrichtung der wegen Mordes verurteilten Christa Gail Pike. Sie hatte zwei Giftspritzen überlebt.

Türk erklärte auf der Plattform X, der Fall der 50-jährigen Pike mache deutlich, warum die Todesstrafe abgeschafft gehöre. "Das anhaltende körperliche und seelische Leiden durch mehrere gescheiterte Hinrichtungsversuche ist verabscheuungswürdig und grausam", betonte Türk. Er appellierte außerdem an die Behörden, Pike zu begnadigen.

Zustand von Pike ist unklar

Nach Angaben ihrer Anwälte wird Pike in einem Krankenhaus nahe der Haftanstalt in Nashville in Tennessee behandelt. Ihr Zustand ist unklar. Ihrem Anwalt Randy Spivey zufolge lebt sie aber noch. "Wir haben derzeit weder eine Einschätzung ihrer Prognose noch viele neue Informationen zu ihrem Gesundheitszustand. Aber wir wissen, dass sie noch lebt und lebensrettende medizinische Versorgung erhält", so Spivey.

Tennessees Gouverneur Bill Lee bat um Geduld bis zur Aufklärung der Hintergründe. Er habe keine neuen Informationen zum Zustand von Pike erhalten und bezeichnete die Geschehnisse bei der Hinrichtung als "zutiefst verstörend".

Auf die Frage, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Pike überlebte, gibt es noch keine Antwort. Es habe aber den Anschein, als habe das Gefängnispersonal die vorgeschriebenen Abläufe eingehalten, sagte Lee.

Er ordnete an, dass in diesem Jahr keine weitere Hinrichtung mehr stattfinden soll. Außerdem kündigte er eine umfassende Überprüfung der Vorgänge an.

Chaotische Zustände bei Hinrichtung?

Pike sollte am Mittwochabend als erste Frau seit mehr als 200 Jahren in Tennessee hingerichtet werden - doch das lief nicht wie geplant.

Anwalt Steve Ferrell sagte, Pike habe schon befürchtet, dass es bei der Injektion zu Komplikationen kommen könne, da sie an einer Bluterkrankung litt, die das Einführen von Nadeln in ihre Venen erschwert. "Sie hat uns immer wieder erzählt, dass sie schon bei Blutabnahmen Schwierigkeiten hatte", sagte Ferrell.

Spivey berichtete, er habe mindestens sieben Nadeln gezählt, die allein an ihrem linken Arm verwendet wurden. "Frau Pike war nicht nur kooperativ, sondern gab den Personen, die die Infusionszugänge legten, sogar Anweisungen, wo sie diese anbringen könnten", sagte Spivey. Sie habe immer wieder gesagt: "Bitte versuchen Sie es weiter oben an der Schulter."

Ihre Anwälte verwiesen auch auf eine fehlende medizinische Notfallversorgung sowie die Möglichkeit von verunreinigtem oder verdorbenem Pentobarbital - jener Substanz, die bei der Hinrichtung verwendet wurde. Mehrere Augenzeugen berichteten, dass Pike nach dem Verabreichen einer Giftspritze weiter atmete. Die US-Organisation Death Penalty Information Center (DPIC) bezeichnete Pikes Fall als "den schlimmsten", den sie je verzeichnet habe.

Mitschülerin grausam gefoltert

Pike war 1996 wegen Mordes zum Tode verurteilt worden, in einem schon damals medial verfolgten Prozess. Zur Tatzeit war sie 18 Jahre alt. Das Gericht sah als erwiesen an, dass Pike mit ihrem damaligen Freund und einer weiteren Person eine Mitschülerin grausam mit einem Teppichmesser gefoltert habe.

Menschenrechtler hatten wegen des jugendlichen Alters von Pike zur Tatzeit gegen die Vollstreckung des Todesurteils protestiert. Pike leide an posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie sei in ihrer Kindheit misshandelt und mehrmals vergewaltigt worden - das sei nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Ein Berufungsgericht hatte die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorigen Verfahrens gegen Pike für begründet erklärt und die Hinrichtung zunächst gestoppt - der Supreme Court hatte jedoch anders entschieden und die Hinrichtung dann erlaubt.