Abschluss des BRICS-Treffens Wenig Konfrontation, wenig geklärt

So unterschiedlich die Interessen der BRICS-Staaten auch sind: Beim Gipfel in Indien waren sie bemüht, Einigkeit zu demonstrieren. So beschlossen sie eine Erklärung, die jedoch vage blieb und niemandem wehtat.

So unklar die Konturen des Forums namens BRICS sind, so viel Gelegenheit bieten sie zur freien Interpretation der Ergebnisse des Gipfels. Das wichtigste Ergebnis: Es gab Einigkeit. Die gemeinsame Erklärung von Neu-Delhi 2026 wird einstimmig angenommen.

Darin äußern sich alle Mitgliedstaaten besorgt über den Konflikt in Nahost - Schuldige werden aber nicht genannt. So gelingt es, dass mit Iran auf der einen Seite, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf der anderen sowohl Gegner als auch Verbündete der USA anwesend waren und alle einer Erklärung zugestimmt haben.

Dass niemand bloßgestellt wird, hat Methode, erklärt Umma Salma Bava, Professorin und Expertin für internationale Politik:

In einer Welt, die auseinanderdriftet und vor komplexen Herausforderungen steht, hat der Brückenschlag Priorität. Das Motto des BRICS-Gipfels - 'unterschiedliche Perspektiven, gemeinsame Lösungen' - verkörpert dieses Prinzip. Jede Nation verfolgt ihre eigene Agenda, doch Indiens diplomatische Kernstärke liegt in der Fähigkeit, konkurrierende Akteure an einen Tisch zu bringen und unterschiedliche politische Interessenlagen so zu steuern, dass eine gemeinsame Basis gefunden wird.

Erfolgreiche Imagekampagne Indiens

Indien zumindest hat den Gipfel zum Besten für sich genutzt: Die Imagekampagne hat funktioniert - die Content Creator und Influencer aus China, Nigeria, Indonesien, Thailand oder Kasachstan wurden erfolgreich durch das Land gefahren. Vom Taj Mahal bis zum Roten Fort entstanden cross-kulturelle, tolle Bilder und Reels für die sozialen Plattformen - es scheint wie die perfekte Illustration des indischen BRICS-Mottos, das den Menschen zuerst sieht.

Mehr als nur schöne Worte, meint Umma Salma Bava:

Es ist eine politisch kluge Strategie, um mit globalen Unsicherheiten umzugehen und die internen Differenzen zwischen den Mitgliedstaaten zu bewältigen. Sie ersetzt eine Haltung, die den Staat an die erste Stelle setzt, durch einen Ansatz, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Wenn man eine 'menschenzentrierte' Agenda verfolgt anstelle eines staatszentrierten Ansatzes, dann können die Mitgliedstaaten tiefgreifende bilaterale Differenzen einfach umgehen. Weniger Konfrontation, mehr Kooperation.

Vom Rule-Taker zu Rule-Maker?

Und so finden sich alle zu einem Forum mit unklaren Konturen zusammen, auf dem Schwergewichte wie Russlands Präsident Wladimir Putin, Chinas Staatschef Xi Jinping und Indiens Ministerpräsident Narendra Modi Hand in Hand stehen.

Sie demonstrieren, dass sie jetzt nicht mehr die Regeln des Westens befolgen, sondern Regeln machen wollen - vom Rule-Taker zum Rule-Maker, wie Modi es sagt. Trotzdem: Es bleibt ein Balanceakt, in jede Richtung der multipolaren Welt, sagt Politikwissenschaftlerin Umma Salma Bava.

Man muss anerkennen, wie flexibel die indische Außenpolitik geworden ist. Anstatt an starren Doktrinen festzuhalten, hat sich Indien von der traditionellen Blockfreiheit hin zu einer aktiven Politik der vielfältigen Bündnisse entwickelt. Diese Flexibilität ermöglicht es Neu-Delhi, sich souverän auf unterschiedlichsten Plattformen zu bewegen - sei es im Rahmen der 'Quad' im Indopazifik oder bei den BRICS-Staaten. Gleichzeitig zeugen die sich abzeichnenden Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union und den EFTA-Staaten von Anpassungsfähigkeit und Pragmatismus.

Vorsitz im kommenden Jahr bei China

Die Darstellung als anti-westliches Bündnis lehnen die BRICS-Mitgliedsländer auch darum ab. Letztlich müssen die politischen Führungskräfte die Interessen ihrer eigenen Bürger wahren. Ein weiterer Appell des indischen Ministerpräsidenten darum auch: "Die Instrumentalisierung von Technologie und kritischen Rohstoffen könnte unseren gemeinsamen Fortschritt behindern; daher haben wir bei der Einführung von Technologie besonderen Wert auf Inklusivität gelegt."

Ob sich daran wirklich alle BRICS-Mitglieder halten werden? So sehr sich Indien auch als glänzender und erfolgreicher Gastgeber inszeniert hat - das Land mit dem größten Gewicht wird sich nicht in den Schatten stellen lassen. Im kommenden Jahr hat China den Vorsitz des BRICS-Forums. Und Staatschef Xi Jinping hat schon die Richtung vorgegeben.

In seiner Rede sagte er, die Staaten der erweiterten BRICS-Gruppe sollten ihre Zusammenarbeit weiter ausbauen, die Stabilität der Industrie- und Lieferketten wahren und einen integrierten Markt entwickeln. Mehr Pack-an, weniger Harmonie.