Nach Rekordgewinn Deutsche Bank will "europäischer Champion" werden

Banken verdienen wieder gut - nach der Konkurrenz kann jetzt auch die Deutsche Bank gute Quartalszahlen vorlegen. In einem umkämpften Markt will der Konzern nun aufholen gegenüber den größten Instituten in Europa.

Die Deutsche Bank hat auch im dritten Quartal zwischen Juli und September ihren Rekordlauf fortgesetzt. Der Vorsteuergewinn stieg im Sommerquartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf gut 2,6 Milliarden Euro. Nach Steuern ergab sich ein Gewinn von rund 1,9 Milliarden Euro und damit zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie Deutschlands größtes Geldinstitut in Frankfurt mitteilte. Davon entfielen auf die Aktionäre knapp 1,6 Milliarden Euro und damit nur etwas weniger als im bisherigen Rekordjahr 2007.

Die Erträge, also die Gesamteinnahmen, erreichten rund 8,3 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr könnten die Frankfurter das angestrebte Ertragsniveau von 33 Milliarden Euro nun sogar übertreffen, teilten sie mit.

DWS unter den Erwartungen

Die Fondstochter DWS enttäuschte hingegen die Erwartungen. Sie hat zwar im Sommer so viel Geld von Anlegern eingesammelt wie nie zuvor in einem Quartal. Allerdings stiegen Ertrag und Gewinn deutlich weniger stark als Analysten im Schnitt erwartet hatten.

Unter dem Strich flossen DWS-Fonds von Juli bis September 30,9 Milliarden Euro frisches Geld zu. Ihren Überschuss konnte die DWS im dritten Quartal zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozent auf 230 Millionen Euro steigern.

"Wir sehen große Chancen"

Im Ausblick zeigt sich Bankchef Christian Sewing zuversichtlich. Er stellte für das Gesamtjahr eine Eigenkapitalrendite von 13 Prozent in Aussicht - die Rendite auf das eingesetzte Kapital gilt als zentrale Erfolgsgröße bei Banken. Neue Ziele will Sewing dann Anfang 2027 bekannt gegeben, zusammen mit den Jahresergebnissen.

Der Deutsche-Bank-Chef bekräftigte dabei: "Wir wollen zum europäischen Champion werden. Und wir sehen große Chancen, diesem Ziel entscheidend näherzukommen." In der Rangliste der größten europäischen Institute nach Marktkapitalisierung taucht die Deutsche Bank heute weit hinter großen Konkurrenten wie HSBC, Santander; UBS oder BNP Paribas auf.

Investmentbanking bleibt größter Gewinnbringer

Größter Gewinnbringer bei der Deutschen Bank war erneut das Investmentbanking. Schon im Frühjahr des laufenden Jahres hatten sprudelnde Gewinne im Geschäft mit Wertpapieren und Währungen sowie bei der Begleitung von Börsengängen dem Institut einen Milliardengewinn auf Rekordniveau beschert.

Auch die großen US-Banken, mit denen die Deutsche Bank konkurriert, hatten im dritten Quartal ihre Gewinne teils deutlich gesteigert. Goldman Sachs und Citigroup hatten dabei ein größeres Plus eingefahren als erwartet, Branchenprimus JPMorgan hatte dagegen trotz eines Gewinnzuwachses die Markterwartungen verfehlt - Grund dafür war ein schwächeres Investmentbanking. Die Schweizer Großbank UBS steigerte ihren Vorsteuergewinn im dritten Quartal dank anziehender Erträge und sinkender Kosten.

Unicredit vor Commerzbank-Übernahme

Derweil sieht es so aus, als ob die Deutsche Bank auf ihrem geplanten Weg zum europäischen Champion bald der einzige große börsennotierte deutsche Bankkonzern sein wird. Denn zuletzt haben die Bankaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) der italienischen Großbank Unicredit eine Aufstockung ihrer 30-Prozent-Beteiligung an der Commerzbank gestattet - mittlerweile hat sie rund 50 Prozent der Stimmrechte.

Nach deutschem Recht gibt es nun keine Begrenzung mehr nach oben, was aber zunehmend kritischer diskutiert wird - denn eine Übernahmeprämie für die Altaktionäre ist nicht vorgesehen, auch bei einer "feindlichen Übernahme" wie im Falle der Commerzbank. Das war ein Hauptkritikpunkt des derzeitigen Commerzbank-Vorstandes, der zunächst auf eine Eigenständigkeit des Instituts gepocht hatte. Auch der Bund wird die Übernahme nicht verhindern können, auch wenn Finanzminister Klingbeil zuletzt Bedingungen für die Übernahme stellte. Der Bund bleibt mit 12,1 Prozent zweitgrößter Anteilseigner der Commerzbank.

Weiterhin gilt somit: Große Teile des deutschen Bankwesens werden maßgeblich vom Sparkassen- und Volks- und Raiffeisen-Sektor getragen, besonders auch das Geschäft mit privaten Kunden. Es bleibt damit außerhalb der Börsen. Der Staat hat also über regionale Gebietskörperschaften bis hin zu den Ländern weiter entscheidenden Einfluss auf die Banken.

DAX vor US-Zinsentscheid seitwärts

Nach der Erholung zum Wochenstart behauptet sich der deutsche Aktienmarkt zur Wochenmitte. Geprägt wird der Handelstag von vielen Unternehmenszahlen. Am Abend steht dann die Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve im Fokus, vor der sich die Anleger bedeckt halten. Auch die hohen Ölpreise bremsen die Kauflaune. Zudem bleibt offen, ob die USA den Iran nach den Zwischenwahlen am 3. November wieder angreifen.

"Die Anleger stehen vor einem Stresstest aus Geldpolitik, Geopolitik und Quartalszahlen", konstatierte Marktanalyst Timo Emden vom Broker CapTrader. Befürchtet werde, dass die Fed bei ihrem Drahtseilakt zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsstützung die Balance verlieren und damit den geldpolitischen Gegenwind weiter anfachen könnte.

Der deutsche Leitindex hatte gestern 0,7 Prozent höher geschlossen bei 25.590 Punkten. Am Montag hatte er bereits 0,9 Prozent zugelegt.