Bahn-Chefin Palla Generalsanierung wichtiger Strecken wird länger dauern
Eigentlich sollten die sogenannten Korridorsanierungen bis 2036 abgeschlossen sein. Doch die Arbeiten werden nach Aussage von Bahn-Chefin Palla länger dauern. Vier große Sanierungen pro Jahr - wie bislang angestrebt - seien zu viel.
Die Deutsche Bahn will künftig pro Jahr weniger sogenannte Korridorsanierungen einzelner Strecken vornehmen. Eine Überarbeitung des Konzepts habe gezeigt, dass vier solcher Sanierungen pro Jahr zu viel seien, sagte Palla vor Journalisten in Berlin. Sie rechne in Zukunft mit zwei, bei besonderen technischen Notwendigkeiten auch drei Generalsanierungen pro Jahr.
Das überarbeitete Konzept werde derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt und solle bald vorgestellt werden. Genaue Jahreszahlen wollte Palla nicht nennen. Neben Erfahrungen aus den ersten Großbaustellen begründete sie die Anpassung auch mit der Frage, wie viel Geld im Sondervermögen des Bundes für alle Generalsanierungen in Summe zur Verfügung stehen wird. "Wir werden die Anzahl der Korridorsanierungen pro Jahr an das Finanzierungsvolumen anpassen."
Rund 40 Strecken ausgewählt
An dem Sanierungskonzept, das auf teils monatelange Vollsperrungen zentraler Strecken setzt, will Palla nicht grundlegend rütteln. Es werde sich aber weiter nach hinten verschieben: "Die zeitliche Verzögerung wird davon abhängen, wie viele wir dann machen pro Jahr." Das Konzept der Korridorsanierungen war vom ehemaligen Bahn-Chef Richard Lutz und dem ehemaligen Verkehrsminister Volker Wissing eingeführt worden.
Die Bahn hatte im zweiten Halbjahr 2024 mit den Generalsanierungen begonnen. Das Konzept sah im Kern mehrmonatige Vollsperrungen vor, damit nicht im laufenden Betrieb saniert werden muss. Das Bauvolumen sollte dafür höher sein, die Strecken grundlegend auf Vordermann gebracht werden. Zum Versprechen gehörte auch, dass die Strecken dann deutlich weniger störanfällig sein sollen und über mehrere Jahre Baufreiheit herrschen soll.
Für die Generalsanierungen wurden rund 40 Strecken ausgewählt. Ursprünglich war das Ziel, Anfang der 2030er-Jahre all diese Sanierungen abgeschlossen zu haben. Zuletzt war dann von 2036 die Rede. Mit der neuen Strategie könnte es sein, dass die Sanierungen nicht mehr innerhalb der 2030er-Jahre abgearbeitet werden können. Mehrere Schienenwege wurden bereits saniert, allerdings teils mit Verspätungen und höheren Kosten als geplant.
Sanierungen sollen besser abgestimmt sein
Mit weniger Sanierungen pro Jahr soll es laut Palla künftig besser laufen. Es sei deutlich geworden, dass vier große Sanierungen die Kapazitäten im gesamten Netz zu sehr verringern. "Wir wollen auch besser darauf achten, wie die Korridorsanierungen dann geografisch im Netz angesiedelt sind, wie sie zeitlich aufeinanderfolgen", sagte die Bahn-Chefin. Wichtig sei auch, dass die sogenannten Umleiterstrecken vor Beginn einer Generalsanierung angemessen ertüchtigt seien für mehr Verkehr.
Bei der Sanierung der Infrastruktur sei es insgesamt wichtig, künftig die Bereiche Bauen und Fahren besser in Balance zu bringen. "Wir müssen besser priorisieren, wir müssen Bauen und Fahren besser verzahnen", so Palla. Zuletzt war bekannt geworden, dass es durch die Sanierung der Strecke Hannover-Berlin wegen einer noch nicht bereiten Parallelstrecke für die Zeit der Bauarbeiten zu deutlich größeren Einschränkungen für die Fahrgäste kommen wird.
Kritik daran, dass es auch auf bereits sanierten Strecken, etwa auf der Strecke Hamburg-Berlin, weiterhin häufig zu Störungen kommt, will Palla mit einem anderen Erwartungsmanagement begegnen. Es gehe "auch um das Thema, welches Leistungsversprechen wollen wir auch ganz konkret abgeben?", sagte die Bahn-Chefin. "In welchem Ausmaß wollen wir die Störfälle auf der dann sanierten Strecke dann auch reduzieren? (...) Welche Baufreiheit garantieren wir dann auch?"
Führungsstrukturen reduziert
Die seit Jahren schlechten Pünktlichkeitswerte im Fernverkehr - zuletzt im Monat meist zwischen 50 und 60 Prozent - seien Ausdruck der maroden Infrastruktur, sagte Palla weiter. "Extreme Wetterereignisse verschärfen die Lage." Das dürfe aber keine Ausrede sein. Es werde so viel wie nie zuvor gebaut, was kurzfristig aber Einschränkungen für Kundinnen und Kunden bedeute. Die Sanierung mit aktuell rund 28.000 Baustellen sei alternativlos.
Palla betonte darüber hinaus, dass die Vorstände im Konzern und bei den Töchtern kleiner geworden seien, auch die Führungsstrukturen darunter. Die Bahn investiere zudem mehr Geld, um Züge sauberer zu machen und die Kommunikation mit den Kunden zu verbessern, auch durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Auch seien die Ticketpreise im Fernverkehr nicht erhöht worden, während die Benzinpreise für Autofahrer deutlich höher liegen. Und im Gesamtjahr 2026 sei mit einem Konzerngewinn im dreistelligen Millionenbereich zu rechnen, nachdem es 2025 noch ein Verlust von mehr als zwei Milliarden war.
Darin enthalten war eine Abschreibung in der Fernverkehrssparte, weil die Bahn aufgrund ihrer Probleme mit der Schieneninfrastruktur und wegen der langwierigen Sanierungsarbeiten davon ausging, dass dieser Bereich über Jahre weniger Erträge abwerfen werde als angenommen: laut Unternehmen 1,4 Milliarden Euro. Diese Verluste, die über Jahre aufgelaufen wären, hat die Bahn im Vorjahr auf einmal abgeschrieben. Das hat das Jahresergebnis 2025 nach unten gezogen.


