Femizide Südafrikas Versagen beim Schutz von Frauen
Südafrika wird von mehreren Morden an Frauen erschüttert. Präsident Ramaphosa hat nun Versäumnisse beim Kampf gegen geschlechtsbezogene Gewalt eingeräumt und Maßnahmen angekündigt - die halten Kritiker für längst überfällig.
Südafrikas Präsident wirkt sichtlich betroffen. Er stehe hier mit "schwerstem Herzen" und spreche nicht nur als Staatschef, sondern auch als Mann, als Ehepartner sowie als Vater von Töchtern, sagte Cyril Ramaphosa gleich zu Beginn seiner Fernsehansprache.
Die Gewalt, die den Frauen Südafrikas angetan werde, sei eine Quelle tiefen Schmerzes und nationaler Schande, erklärte Ramaphosa. "Die Nation ist wütend. Die Frauen Südafrikas sind wütend", sagte der Präsident. Ihre Wut sei gerechtfertigt: "Auch ich teile diese Wut."
"Was wir getan haben, war nicht genug"
Mindestens elf Frauen sind in den vergangenen Wochen in der Region Ekurhuleni bei Johannesburg ermordet worden. Ihre Leichen lagen in Straßengräben, in verwahrlosten Parkanlagen und im Hintereingang eines Hotels. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Verbrechen gibt, ist noch unklar. In drei Fällen sitzen Verdächtige inzwischen in Haft.
Gewalt gegen Frauen zählt in Südafrika zu den größten gesellschaftlichen Problemen - und das schon seit Jahrzehnten. "Was am schwersten auf mir lastet, ist, dass ich schon vor sieben Jahren vor der Nation stand, um über dieselbe Krise zu sprechen", sagte Ramaphosa weiter. Die Namen der Opfer wären neu, doch das Verbrechen sei es nicht. Das dürfe nicht als normaler Bestandteil des Lebens in Südafrika akzeptiert werden. "Wir müssen uns einer unbequemen Wahrheit stellen: Was wir getan haben, war nicht genug", so der Präsident.
Nationale Katastrophe
Im vergangenen Jahr hatte die südafrikanische Regierung Gewalt gegen Frauen zur nationalen Katastrophe erklärt, Aktionspläne aufgelegt und Gesetze verschärft. Jetzt sollen neue Maßnahmen folgen. Darunter eine nationale Aufarbeitung ungelöster Fälle, mehr sichtbare Polizei, schnellere Forensik sowie Sicherheitsprüfungen in allen Kommunen - inklusive besserer Straßenbeleuchtung.
Keine Frau sollte in der Angst leben müssen, vielleicht die Nächste zu sein, sagt das Staatsoberhaupt. "Wir schulden jeder Frau und jedem Mädchen in Südafrika ein Land, in dem sie nicht berechnen muss, wo sie gehen darf, zu welcher Zeit sie reisen darf, was sie anziehen darf, wem sie vertrauen darf und ob ein Nein ihr Leben in Gefahr bringt", erklärte Ramaphosa.
Maßnahmen seien "absolutes Minimum"
Bei Bürgerrechtsorganisationen und Angehörigen der Opfer stoßen die Ankündigungen des Staatspräsidenten auf ein verhaltenes Echo. Das alles hätte schon längst passieren müssen, sagte Tegan Snyman von Amnesty International dem Nachrichtenkanal Newzroom Afrika: "Wir reden hier von grundlegenden Dingen, die von Anfang an hätten vorhanden sein müssen", kritisierte sie.
Vor sieben Jahren, vor zehn Jahren - seit dem Ende der Apartheid hätten sie ein funktionierendes Strafrechtssystem haben müssen. Man wolle sich nicht aufgeklärte Morde an Frauen und Kindern ansehen. Man wolle den Rückstand bei DNA-Analysen verringern. "Funktionierende Straßenbeleuchtung, Gras schneiden, solche Sachen", zählte Snyman weiter auf. Das sei das absolute Minimum dessen, was sie tun sollten: "Die Arbeit fängt jetzt erst an."
Andries Matlaila, der Onkel einer jungen Frau, die vor drei Wochen beim Joggen ermordet wurde, sagte dem Sender eNCA, die Pläne für die Zukunft habe er gehört, konkrete Sofortmaßnahmen aber vermisst. "Denn schon morgen wird jemand zur Arbeit oder zum Joggen gehen", so Matlaila. Er habe vom Staatsoberhaupt schnelles Handeln erwartet. "Meine Frage ist: Was ist mit morgen, was ist mit heute Nacht? Das ist meine größte Sorge."



