Weltkarte zeigt Schmelze Wie lange gibt es diesen Gletscher noch?
Durch den Klimawandel schmelzen Gletscher - das ist bekannt. Doch wie lange wird es jeden einzelnen noch geben? Eine interaktive Karte zeigt, wie sie sich in Zukunft entwickeln - je nach Klimaszenario.
Gletscher schmelzen aufgrund der Erderwärmung. Das ist nicht neu und darüber gibt es viele aufwendige Studien. Ein Forscher-Team um Lander Van Tricht von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich hat jetzt eine interaktive Karte erstellt, auf der jeder genau das selbst beobachten kann.
Auf der neuen interaktiven Weltkarte kann man an jeden einzelnen Gletscher auf der Welt heranzoomen. Teilweise sind sogar Wanderwege um diese und Berghütten zu erkennen. Per Mausklick lassen sich unterschiedliche Klimaszenarien einstellen: eine Erderwärmung um 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, um 2 Grad, um 2,7 Grad oder um 4 Grad. So ist zu erkennen, welche der mehr als 200.000 Gletscher, die die Karte zeigt, es in naher Zukunft noch geben wird - und welche nicht mehr.
Wie viele Gletscher wird es in Deutschland noch geben?
Für die Gletscher in Deutschland sieht es ziemlich düster aus. Vier gibt es noch: den Schneeferner-, Höllentalferner-, den Blaueis-, und den Watzmanngletscher. Alle vier sind in der neuen Weltkarte rot oder orange gekennzeichnet. Das bedeutet: Bis Ende des Jahrhunderts werden sie verschwunden sein. Den Höllentalferner an der Zugspitze beispielsweise wird es bei einer Erwärmung von 1,5 Grad in 22 Jahren nicht mehr geben. Bei einer Erwärmung von 2,7 Grad - einer derzeit durchaus realistischen Prognose - schon in 18 Jahren.
Das Tempo des Gletscherschwunds hängt wesentlich davon ab, wie schnell sich unser Planet erwärmt. Das hängt wiederum davon ab, wie erfolgreich es gelingt, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren.
Für die Alpen gibt es folgende Szenarien: Bei einer Erwärmung um 1,5 Grad gibt es im Jahr 2100 nur noch zwölf Prozent der Gletscher. Bei einer Erwärmung um zwei Grad sind nur noch rund acht Prozent der Gletscher übrig. Bei einer Erwärmung von vier Grad wird es im Jahr 2100 fast keinen einzigen Gletscher in den Alpen geben, so die Prognose. Selbst in Grönland und in der Antarktis werden Gletscher bis Ende des Jahrhunderts verschwinden.
Gletscher als Wasserspeicher
Gletscher haben nicht nur eine kulturelle oder touristische Bedeutung. "Gletscher speichern Wasser und geben es in warmen, trockenen Zeiten wieder ab", erklärt Lander van Tricht von der ETH Zürich. Sie seien natürliche Wasserspeicher. "Dieses Wasser kann beispielsweise für die Wasserkraft genutzt werden, für die Landwirtschaft und für Ökosysteme. Der Verlust dieser Gletscher bedeutet also auch den Verlust dieser Ressourcen", warnt der Forscher.
Die Daten für die Karte stammen aus unterschiedlichen Studien und Klimamodellen. Das Besondere an ihr ist: Jeder kann an seinen Lieblingsgletscher heranzoomen und genau sehen, wie es in den nächsten Jahrzehnten mit ihm weitergeht.



