Demonstrationen gegen hohe Preise Gewalt bei Protesten erschüttert auch Italien
Proteste und Krawalle hat es am Samstag auch in Italien gegeben. Ministerpräsidentin Meloni verurteilte die Gewalt, von der vor allem Mailand betroffen war. Die Demonstranten forderten höhere Löhne und mehr Investitionen.
Wie in Frankreich hat es am Samstag in Italien landesweite Proteste unter anderem gegen hohe Lebenshaltungskosten gegeben - und auch hier gab es gewalttätige Ausschreitungen. Ein Schwerpunkt der Auseinandersetzungen war die norditalienische Metropole Mailand, wo schwarz gekleidete, vermummte Jugendliche die Polizei auf der zentralen Piazza Duomo mit Feuerwerkskörpern und Flaschen bewarfen sowie Barrikaden errichteten, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete.
Allein in Mailand seien mindestens vier Polizisten und 20 Demonstranten verletzt sowie über 50 Jugendliche festgenommen worden. Die Hälfte von ihnen war minderjährig, wie Ansa weiter berichtete. Auch in anderen Städten wie Turin, Bologna und Bergamo kam es demnach zu Zusammenstößen, bei denen Steine und Feuerwerkskörper auf die Polizei geworfen wurden.
Verständnis und Kritik für Proteste
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte die Gewalt. Auf der Plattform X schrieb sie, sie habe großen Respekt vor den Tausenden Menschen, die friedlich demonstriert hätten. "Demonstrieren ist ein Recht, aber unsere Städte in Brand zu setzen nicht."
Auch der Bürgermeister des wirtschaftsstarken Mailands, Giuseppe Sala, verurteilte die Ausschreitungen, äußerte aber auch Verständnis für den Unmut vieler Menschen. "Die Gründe für den Protest waren verständlich. Die Gewalt gegen die Polizei und die schweren Schäden an der Stadt sind aber nicht zu rechtfertigen", sagte er.
Zahlreiche Verbände riefen zu Protesten auf
Die Gewalt überschattete die Proteste, zu denen der größte Gewerkschaftsbund des Landes und mehr als Hundert Verbände aufgerufen hatten. So forderten etwa in Rom zahlreiche Menschen höhere Löhne, eine bessere Gesundheitsversorgung und mehr Investitionen ins Bildungssystem.
Im Süden Italiens demonstrierten außerdem Lkw-Fahrer, Spediteure und Landwirte gegen die hohen Dieselpreise. Vor allem Menschen mit geringen bis mittleren Einkommen werden durch die Inflation sowie hohe Benzin- und Dieselpreise stark belastet, während die Reallöhne stagnieren. In den Ballungszentren fehlt es zudem an bezahlbarem Wohnraum.
Demos auch in Portugal und Belgien
Auch in anderen europäischen Ländern gab es Proteste. Im Zentrum von Lissabon demonstrierten Zehntausende Menschen am Samstag gegen die Lebenshaltungskosten und die Wohnungskrise in Portugal. Zu der Kundgebung hatte die landesgrößte Gewerkschaft CGTP aufgerufen. Ihren Angaben zufolge waren mehrere Zehntausend Aktivisten in der Hauptstadt. Die Polizei gab keine Schätzungen ab.
Wie bereits in der spanischen Hauptstadt Madrid wurde in Lissabon ein Protestcamp gegen die Wohnungskrise errichtet. Hunderte Menschen versammelten sich laut der Nachrichtenagentur AFP am Samstagabend auf dem Rossio-Platz und bauten Dutzende Zelte auf. Der Demonstration waren Tage wachsender Unruhe vorausgegangen. In Porto hatte die Polizei am Montag im Morgengrauen ein Zeltlager von Aktivisten geräumt.
In der belgischen Hauptstadt Brüssel setzte die Polizei Tränengas gegen Jugendliche ein, die Flaschen und andere Gegenstände warfen, wie die AFP berichtete. Belgiens Innenministerium sprach von "organisierter Gewalt". Zu der Kundgebung, an der Hunderte Menschen teilnahmen, wurde zuvor in Onlinediensten aufgerufen. Auch hier richteten sich die Proteste gegen die hohen Lebenshaltungskosten.
Mit Informationen von Jasper Riemann, ARD Rom

