Zwischenfall auf der Ostsee Leuchtraketen und ein diplomatisches Nachspiel

Eine russische Fregatte hat einen dänischen Helikopter auf der Ostsee mit Leuchtmunition beschossen. Dänemark und die EU kritisierten den Vorfall scharf. Russlands Botschafter in Kopenhagen warf Dänemark Provokation vor.

Noch gibt es keine Bilder von dem Zwischenfall am Montag auf der Ostsee. Aber der Beschuss eines dänischen Helikopters mit Leuchtmunition durch eine russische Fregatte hat nun ein diplomatisches Nachspiel: Dänemark bestellte den russischen Botschafter ein.

Der dänische Rundfunk veröffentlichte eine schriftliche Stellungnahme von Wladimir Barbin. Darin erklärt Russlands Botschafter in Kopenhagen, die Besatzung des Militärhubschraubers habe die Fregatte, die sich in internationalem Gewässer befunden habe, gezielt provoziert. Er warf der Besatzung Rücksichtslosigkeit vor.

Scharfe Kritik aus Dänemark und von EU

Dänemarks Außenminister Lars Lökke Rasmussen wies diesen Vorwurf zurück: "Selbstverständlich sind wir das nicht. Das, was wir tun, um unseren eigenen Nahbereich zu überwachen, ist völlig legal", sagte er. "Es gibt den Russen kein Recht, auf uns zu schießen, selbst wenn es sich dabei nur um Leuchtkugeln handelt."

Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte den Beschuss und nannte ihn eine gezielte Aggression und Provokation. Der Vorfall werde die Entschlossenheit der NATO zur kollektiven Abschreckung und Verteidigung nur stärken.

Am Montag hatte eine russische Fregatte mit Leuchtmunition auf einen dänischen Helikopter geschossen, der sich in der Nähe des Schiffes befunden haben soll. Der dänische Rundfunk veröffentlichte am Nachmittag ein Video, das einen ähnlichen Zwischenfall mit einem russischen Forschungsschiff von Anfang September zeigt. Bei diesem näherte sich ein Helikopter gleichen Typs bis auf wenige Meter und kreiste unmittelbar über dem Schiff. Das dänische Verteidigungsministerium wollte dazu nach Angaben des dänischen Rundfunks keine Stellungnahme abgeben.

Dänemark und die russische Schattenflotte

Die Spannungen zwischen Russland und Dänemark waren zuletzt gestiegen, auch weil Dänemark mehrfach Tanker der russischen Schattenflotte festgesetzt hatte. Diese transportieren russisches Öl, mit dem Moskau auch den Krieg gegen die Ukraine finanziert.

Niels Fastrup, Investigativ-Journalist beim dänischen Rundfunk, bezeichnete die steigende Präsenz der russischen Marine auf der Ostsee als direkte Reaktion auf die Festsetzung der Tanker: "Russland hat darauf reagiert, indem es eine große Marineoperation gestartet hat, bei der die Ostsee, das Kattegat, die dänischen Schifffahrtsstraßen, die Nordsee und auch der Ärmelkanal in sogenannte Patrouillenzonen unterteilt wurden."

Fastrup erklärte, in jeder dieser Zonen halte sich mehr oder weniger dauerhaft ein russisches Kriegsschiff auf. Es sei damit beauftragt, ein Entern der Tanker zu verhindern. Der dänische Journalist stützt seine Recherchen nach eigenen Angaben auf Unterlagen mehrerer Verteidigungsministerien in Skandinavien und Finnland.