Ausschreitungen in Frankreich Aufräumen nach den Unruhen - Macron beruft Krisensitzung ein

Am Tag nach der massiven Gewalt bei Protesten in Frankreich wird das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Die Regierung macht Linksradikale für die Krawalle verantwortlich. Präsident Macron will sich am Abend an die Nation wenden.

Nach den schweren Unruhen bei landesweiten Massenprotesten hat die Regierung in Frankreich für den Abend eine Krisensitzung einberufen. Präsident Emmanuel Macron will mit Premierminister Sébastien Lecornu und den zuständigen Ministern über die Lage beraten und sich danach an die Nation wenden. Die Ansprache sei für 20 Uhr geplant, erklärte der Elysée-Palast.

Bei den landesweiten Demonstrationen mit gewalttätigen Ausschreitungen wurden am Samstag laut Innenminister Laurent Nuñez 2.000 Menschen festgenommen. Landesweit seien 600 Polizeibeamte und Feuerwehrleute verletzt worden. Ermittlungen liefen, um die Verantwortlichen für Gewalt, Sachbeschädigungen und Plünderungen vor Gericht zu bringen, sagte der Innenminister. In Paris erlitt ein Demonstrant einen Herzstillstand und starb.

Plünderungen und schwere Schäden

Die Verwüstungen sind vielerorts sichtbar. In Limoges wurde das prächtige, unter Denkmalschutz stehende Rathaus durch einen Brand teilweise zerstört. "Dank der Einsatzmaßnahmen konnte der hintere Teil des Gebäudes gerettet werden", sagte der Präfekt des Départment Haute-Vienne, Maurice Barate, dem Sender BFMTV. Plünderungen und schwere Schäden wurden aus Paris, Marseille, Lyon, Bordeaux, Rennes, Straßburg, Grenoble, Nizza und weiteren Städten gemeldet.

Die Schäden seien immens, insbesondere für Hunderte betroffene Geschäftsleute, sagte der Innenminister. In vielen Städten machten sich die Menschen erschüttert ein Bild von den Zerstörungen.

Zerschlagene Scheiben, ausgebrannte Autos

In Paris begann heute das Aufräumen. "Die Spuren sind an ganz vielen Stellen der Stadt zu sehen", berichtet ARD-Korrespondent Michael Strempel. Er schildert auf tagesschau24 Szenen von zerschlagenen Scheiben, geplünderten Geschäften, ausgebrannten Autos und abgebrannten Elektro-Fahrrädern. "Es ist beeindruckend, wie schnell Paris aufräumt." Viele seien aber heute aufgewacht und hätten sich gefragt, ob es wirklich wahr sei, was sie gestern erlebt hätten.

Landesweit nahmen an den Protesten nach Behördenangaben etwa 550.000 Menschen teil. Die Organisatoren sprachen sogar von 800.000 Demonstranten. Verschiedene Organisationen hatten zu dem Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten, soziale Ungleichheit und Kürzung öffentlicher Mittel aufgerufen. Schüler und Studenten hatten in Frankreich bereits in den vergangenen Wochen für bessere Lernbedingungen demonstriert.

Und dann gab es eine kleine Gruppe von gewaltbereiten Randalierern, die gezielt Krawalle angezettelt haben. Nach Einschätzung der französischen Regierung waren das vermummte linksradikale Krawallmacher, oft auch als "schwarzer Block" bezeichnet. Darunter sollen sich Gruppen gemischt haben, die von Premier Lecornu als "Kriminelle" bezeichnet wurden, die "plündern und zerstören" wollten. Immer wieder heißt es, letztere würden aus den Pariser Vorstädten kommen.

Von den Rathauschefs in Paris und Marseille kommt aber auch der Vorwurf, die Einsatzleitungen der Polizei hätten die Lage völlig unterschätzt. Die Sicherheitskräfte seien schlicht überfordert gewesen. Diese Szenen der Gewalt werden Frankreich noch lange beschäftigen.

Cai Rienäcker, ARD Paris

Druck auf die Regierung wächst

"Mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was ich mir in dieser Stadt niemals hätte vorstellen können, zu erleben", sagte der Bürgermeister von Marseille, Benoît Payan. "Das ist mehr als nur Bestürzung." Horden von Randalierern und Plünderern hätten das öffentliche Eigentum angegriffen und die Forderungen derjenigen untergraben, die rechtmäßig demonstrieren wollten.

Wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich erhöhen die Proteste den Druck auf Präsident Macron und seine Regierung. Macron selbst tritt bei der Wahl nicht mehr an. In Umfragen lagen zuletzt die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon vorn.