Ehemaliger Kanute Olympiasieger Rauhe wird neuer Sportstaatsminister

Vom Spitzensport in die Spitzenpolitik: Olympiasieger Ronald Rauhe wird Sportstaatsminister im Kanzleramt. Mit Politik hatte er bisher nicht viel zu tun. Aber der Kanzler wollte jemanden mit Sport-Erfahrung.

Der zweifache Olympiasieger im Kanu, Ronald Rauhe, wird neuer Staatsminister für Ehrenamt und Sport im Kanzleramt. Das gab Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf Instagram bekannt. "Herr Staatsminister, herzlich willkommen. Ich freue mich sehr, willkommen im Team", sagte Merz in dem Video. Er wolle damit ein Zeichen setzen, dass man den Sport als wichtiges Aufgabenfeld sehe, erklärte er.

Rauhe sagte, dass ihn die Ernennung zum Staatsminister sehr berühre. Er versprach, sich für die vielen Ehrenamtlichen in Deutschland einzusetzen, die Großes leisteten, aber nur selten eine Bühne oder Applaus dafür erhielten. "Sie verdienen weniger Hürden, mehr Unterstützung und vor allem unsere volle Wertschätzung", sagte er.

Zwei Mal olympisches Gold über 500 Meter

Rauhe ist Sportsoldat und hat Sportmarketing studiert. Seit 2025 ist er stellvertretender Vorsitzender des Europäischen Olympischen Komitees. Im ZDF ist er als Kanu-Experte zu sehen.

2004 gewann Rauhe in Athen im Zweier die Olympische Goldmedaille über 500 Meter. Bei den 2021 ausgetragenen Olympischen Spielen von Tokio sicherte er sich im Vierer Gold über 500 Meter. Weltmeister wurde er 16 Mal. Nach den Spielen in Tokio beendete er seine Karriere.

Viele Herausforderungen und Zeitdruck

Nun steht Rauhe in der politischen Verantwortung - und symbolisch an der Spitze von Team Germany. Dabei stehen ihm große Herausforderungen bevor. Zum einen muss er die Gründung der Spitzensport-Agentur mit Sitz in Leipzig vorantreiben, um die Reform im deutschen Leistungssport umzusetzen.

Überdies hat sich Sport-Deutschland auf die Fahnen geschrieben, sich wieder um Olympische Spiele zu bewerben. Und die Zeit eilt: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am 26. September auf seiner Sonder-Mitgliederversammlung in Baden-Baden, ob Berlin, München oder die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Zentrum nominiert wird. Der DOSB hat beim Internationalen Olympischen Komitee offiziell schon sein Interesse an den Sommerspielen 2036, 2040 oder 2044 hinterlegt.

Führungslos im Olympia-Auswahlprozess

Der 44-jährige Rauhe folgt auf Christiane Schenderlein (CDU), die Ende Juli als parlamentarische Staatssekretärin ins Gesundheitsministerium gewechselt war. Mit der Entscheidung für Rauhe ist der Kabinettsumbau nach dem Rücktritt von Jens Spahn als CDU-Fraktionschef abgeschlossen.

Die lange Vakanz im höchsten politischen Sport-Amt hatte Kritik hervorgerufen. "Unmittelbar vor der Entscheidung, wer als nationaler Bewerber um Olympische und Paralympische Spiele antreten soll, ist es skandalös, dass über Wochen keine Nachfolgeregelung für das höchste politische Amt im Sport gefunden werden kann", hatte der Präsident des Landessportbundes Berlin, Thomas Härtel, gesagt.