Gesetzentwurf im Bundestag Mehr Chancen für Kita-Kinder - wenn die Länder mitziehen
Spätestens mit vier Jahren sollen alle Kinder auf ihren Entwicklungsstand geprüft werden: Der Bundestag berät heute über einen Gesetzentwurf des Bildungsministeriums. Ziel ist es, Kinder schon früh besser zu fördern.
Die Kinder in der Kita in Cottbus schauen konzentriert auf ein großes Wimmelbild. Es gibt viel zu sehen. Ein Bauernhof, ein Teich, Kinder, die Drachen fliegen. "Was könnt ihr entdecken?", fragt Sprachfachkraft Kerstin Pohle. Manche der Fünf- und Sechsjährigen trauen sich, zu beschreiben, wofür sie Worte finden.
Andere zeigen nur stumm auf das Bild. "Sie konnten zeigen, was gemeint war. Das haben sie sehr gut erkannt, aber die Worte haben gefehlt", sagt Pohle.
Früh erkennen, früh gegensteuern
Ein Gesetzentwurf von Bildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU), der heute erstmalig im Bundestag diskutiert wird, setzt hier an. Mit dem Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz (SCQEG) sollen die Bundesländer dazu verpflichtet werden, flächendeckende Sprachtests für alle Vierjährigen einzuführen. Auch motorische, sozial-emotionale und mathematische Kompetenzen sollen erfasst werden.
Einige Länder wie Hamburg nehmen solche Tests bereits vor, nun aber soll es einheitliche Standards geben. Ziel ist, den Entwicklungsstand von Kindern schon deutlich vor dem Wechsel in die Grundschule zu erfassen. Wenn der Bedarf festgestellt wird, sollen die Kinder entsprechend gefördert werden.
Das Gesetz ziele auf die Chancengleichheit, erklärte Prien bei der Vorstellung am 2. September. "Der Bildungs- und Lebensweg von Kindern und von jungen Menschen hängt immer noch viel zu stark davon ab, woher ein Kind kommt, aus welcher Familie es stammt, wie der Bildungsstand der Eltern ist und zu wenig davon, wie Talente und Fähigkeiten bei den Kindern selbst sind", sagte sie.
Erst prüfen, dann fördern
30 Minuten pro Woche - so viel zusätzliche Zeit sollen Fachkräfte jedem Kind widmen, das Förderbedarf hat. Der Gesetzentwurf sieht außerdem vor, dass Kitas mit einem hohen Anteil an Kindern mit besonderen Herausforderungen bis zu 1,5 zusätzliche Stellen für Sprachbildung und Sozialarbeit erhalten.
Mindestens zehn Prozent der Kitas in jedem Bundesland sollen davon profitieren. Das soll laut Bildungsministerium auch zu einem reibungslosen Übergang an die Grundschulen beitragen.
Ab 2027 soll das Gesetz schrittweise in Kraft treten und ab 2029 voll greifen. Zwar sind für Kitas eigentlich die Länder zuständig. Doch Prien hofft, sie auf ihre Seite zu bekommen. So will der Bund die Länder bei der Umsetzung des Gesetzes anteilig unterstützen und bis 2034 rund 9,25 Milliarden Euro bereitstellen.
Noch zweifeln die Bundesländer aber an, dass diese Finanzierungszusage aus Berlin ausreichen wird und fordern Nachbesserungen. Das Gesetz muss auch durch den Bundesrat.
An der Kita in Cottbus wünscht sich Sprachfachkraft Kerstin Pohle "mehr Zeit und mehr Kollegen". Das geplante Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz könnte zumindest einen Teil ihrer Wünsche erfüllen.





