Nachfolge für "Riester-Rente" Was beim Altersvorsorgedepot zu beachten ist
Neben der Kapitalrente wird es auch eine neue staatlich geförderte Zusatzrente geben, das Altersvorsorgedepot. Es soll die "Riester-Rente" ablösen. Das Versprechen: mehr Aktien, ETFs und Renditechancen.
Die Rente ist gefühlt fast immer weit weg, und am liebsten kümmert man sich um dieses Thema später. Um sich klarzumachen, wie groß der Handlungsbedarf eigentlich wäre, reicht ein Blick auf die Prognose des gesetzlichen Rentenversicherers.
Die bekommt man per Brief und sieht hier sofort, wie viel man erwarten darf, oder besser: wie wenig. Die durchschnittlichen Rentenbezüge liegen hierzulande bei 1.900 Euro im Monat. Und auch die bekommt nur, wer über die Jahre im Schnitt rund 4.000 Euro monatlich verdient hat. Die Differenz zwischen beiden Zahlen ist die Rentenlücke, und gut 2.000 Euro sind keine Ausnahme.
Anbieter machen unnötig Druck
Aufgefüllt werden soll die Lücke nun mit Hilfe des so genannten Altersvorsorgedepots. Das wird ab Januar die bisher als "Riester" bekannte staatlich geförderte Zusatzrente ersetzen. Banken und Neobroker rühren schon jetzt mit Elan die Werbetrommel mit Slogans wie "Wer riestert, der rostet" oder "Lass mal was staaten". Der vermittelte Eindruck: Jetzt schnell abschließen, am besten noch in diesem Jahr!
Das ist allerdings überhaupt nicht nötig, im Gegenteil. Denn in diesem Jahr sind noch lange nicht alle Anbieter am Start. Viele werden erst in den nächsten Monaten und sogar noch weit ins nächste Jahr hinein in den Markt stoßen. Die staatliche Förderung kann man auch noch bis mindestens Ende 2027 für das gesamte Jahr nachträglich beantragen.
Staatlicher Anbieter soll Kosten drücken
Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, warnt ohnehin vor vielen Angeboten der Finanzwirtschaft. "Im Vertrieb wird einfach verkauft, was Provision bringt", erklärt Nauhauser im ARD-Wirtschaftspodcast Plusminus. Wer sich auf Verkaufsgespräche einlasse, dem würden oft unnötig teure Produkte angedreht.
Ärgerlich findet der Verbraucherschützer, dass das sogenannte Standarddepot, bei dem die Kosten vom Gesetzgeber auf ein Prozent gedeckelt sind, oft einfach nicht aktiv angeboten wird. Vorgesehen ist auch, dass ein öffentlicher Träger, also beispielsweise die Bundesbank, den privaten Dienstleistern mit einem solchen Standarddepot Konkurrenz machen soll.
Ein solcher öffentlicher Träger ist aber noch nicht in Sicht. Zu Jahresbeginn 2027 wird das voraussichtlich noch nicht klappen. Noch ein Grund, jetzt noch abzuwarten und sich nicht überhastet auf eines der beworbenen Angebote einzulassen.
Kosten als K.-o.-Kriterium
Zwar werben momentan einige Banken oder Broker jetzt vor dem Start mit wenig mehr als null Prozent Kosten. Das dürften aber nach Überzeugung von Verbraucherschützern Lockvogelangebote sein. Nach einer gewissen Zeit können die Anbieter die Konditionen nach oben anpassen. Man darf dann zwar als Kundin oder Kunde kündigen, aber macht man das wirklich?
Trotzdem raten Expertinnen und Experten, die Kosten auf keinen Fall aus den Augen zu verlieren, denn mit ihnen steht und fällt ein Großteil der Rente. Im Laufe der Jahrzehnte kann nur ein halber Prozentpunkt an höheren Kosten einige Zehntausend Euro ausmachen. Die Kosten fressen also schnell mal die komplette staatliche Förderung auf - dann kann man sein Geld auch gleich direkt in einen ETF stecken.
Was macht man mit einem alten Riester-Vertrag?
Ziel des neuen Altersvorsorgedepots ist eine bessere Altersvorsorge verglichen mit dem alten Riester-Modell. Laut Verbraucherschützer Nauhauser wird die staatliche Förderung in vielen Fällen jetzt auch tatsächlich vorteilhafter, vor allem dann, wenn man sich eine höhere eigene Zuzahlung leisten kann.
So bekommt jeder vom Staat bis zu 540 Euro plus 300 Euro Kinderzulage je Kind. Bei zwei Kindern ergeben sich jährlich bis zu 1.140 Euro an Förderung. Voraussetzung: Man zahlt selbst 2.100 Euro ein. Bei Riester waren es - zumindest für höhere Einkommensgruppen - ebenfalls 2.100 Euro Zuzahlung. Man bekam aber höchstens 775 Euro vom Staat.
Nicht kündigen, sondern umsteigen
Diese Einkommensabhängigkeit fällt beim neuen Modell nun weg - es ist egal, ob man viel oder wenig verdient. Was man am Ende bekommt, hängt nur davon ab, was man einzahlt. Und so ist auch die alte Riester-Förderung eigentlich nur noch für Geringverdiener vorteilhaft.
Alle anderen sollten sich genau überlegen, ob sie nicht besser auf das neue Modell umsteigen. "Auf keinen Fall aber den Vertrag kündigen!", rät Experte Nauhauser. Dann würden die bisher angesammelten Fördergelder nämlich verloren gehen. Deshalb den alten Fördervertrag auf einen neuen übertragen.
Und was kommt am Ende raus?
Es gibt kaum allgemeingültige Aussagen beim Altersvorsorgemodell. Im Plusminus-Podcast versuchen wir aber anhand einer Modellrechnung die möglichen Endergebnisse abzuschätzen. In unserer Beispielrechnung stellen wir die niedrigste und die höchste Einzahlmöglichkeit gegenüber.
Wer 30 Jahre lang 120 Euro im Jahr einzahlt und vom Staat 60 Euro Förderung dazubekommt, erreicht in unserem Modell am Ende ein Vermögen von 13.375 Euro. Voraussetzung: Die ETFs entwickeln sich so, wie das viele Finanzexperten langfristig erwarten, nämlich mit einer jährlichen Rendite von durchschnittlich sechs Prozent.
Wer demgegenüber den Höchstbetrag einzahlt kann gut 208.000 Euro erreichen. Das Geld gibt es dabei nicht en bloc aufs Konto, sondern zeitlich gestreckt. Damit wird eine monatliche Zusatzrente ausbezahlt und zwar 90 Euro beim minimalen und rund 1.250 Euro beim maximalen Einzahlbetrag. Zumindest letzteres könnte dann spürbar helfen, am Ende die Rentenlücke auch wirklich zu schließen.


