Gedenken an Anna Politkowskaja Die Journalistin, die zu mächtige Feinde hatte

Sie schrieb über Folter, Korruption und den Krieg in Tschetschenien und machte sich damit mächtige Feinde. Am 7. Oktober 2006 wurde die Journalistin Anna Politkowskaja in Moskau erschossen.

Ihre Recherchen über Kriegsverbrechen, Folter und Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien brachten Anna Politkowskaja in Konflikt mit den Mächtigen. Vor allem der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow sah in ihr eine Gegnerin.

Er bedrohte sie mehrfach, ließ sie sogar festnehmen. Morddrohungen zwangen die Journalistin zeitweise ins Exil nach Österreich. Doch Politkowskaja kehrte zurück nach Russland.

Leben in ständiger Gefahr

In der Dokumentation "Ein Brief an Anna" spricht Politkowskaja im Jahr 2003 offen darüber, wie sehr die ständige Gefahr ihr Leben bestimmte. "Natürlich kann man fragen ´Warum lebst Du noch?`. Wenn ich mir das ernsthaft vor Augen führe, ist es für mich ein Wunder. Es ist zweifelsohne ein Wunder, dass mich jemand noch auf der Erde halten will."

Ein Wunder, das nicht ewig anhielt. Vor 20 Jahren starb Politkowskaja durch mehrere tödlichen Schüsse im Aufzug vor ihrer Wohnung in Moskau. Kremlchef Wladimir Putin reagierte mit einem sarkastischen Kommentar. Bei einem Besuch in Dresden sagte er: "Politkowskaja kritisierte die russische Führung. Politisch war ihr Einfluss jedoch eher begrenzt. Ihr Mord richtete daher größeren Schaden für das Ansehen der Staatsführung an als ihre Recherchen und Veröffentlichungen."

Jahrelange Ermittlungen ins Nichts

Es folgten jahrelange Ermittlungen, die immer wieder von Pannen und Verfahrensfehlern überschattet wurden. Verdächtige konnten sich zeitweise dem Zugriff der Justiz entziehen, und 2009 wurde mit Stanislaw Markelow auch Politkowskajas erster Anwalt ermordet. Zwar wurden nach mehreren Gerichtsverfahren die unmittelbaren Täter verurteilt, doch die Frage nach den Auftraggebern blieb unbeantwortet.

Bis heute konnten die russischen Ermittlungsbehörden nicht klären, wer den Mord in Auftrag gegeben hat. Beobachter vermuten die Hintermänner entweder im Umfeld tschetschenischer Machtstrukturen oder in staatlichen Sicherheits- und Regierungsapparaten. Belege dafür gibt es jedoch nicht.

Fest steht jedoch: Der Mord an Anna Politkowskaja markierte eine Zäsur. Mit ihr verlor Russland eine seiner bekanntesten Journalistinnen. Es folgten weitere tödliche Angriffe auf Medienschaffende, darunter mehrere aus dem Umfeld der Nowaja Gaseta, für die auch Anna Politkowskaja schrieb.

Ihr Vermächtnis lebt weiter

Als deren Chefredakteur Dmitri Muratow 2021 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde sagte er: "Dieser Preis geht an Anna Politkowskaja, Juri Schtschekotschichin, Igor Domnikow, Nastja Baburowa, Stas Markelow und Natascha Estemirowa - all unsere verstorbenen Kollegen, die für ihren Beruf ihr Leben opferten."

Muratow, so sagte er selbst, sei nicht der eigentliche Preisträger. Er erhalte den Nobelpreis stellvertretend für seine ermordeten Kolleginnen und Kollegen. Am 7. Oktober 2006 starb die Journalistin Anna Politkowskaja in Moskau - erschossen durch vier Kugeln.