Grippe und Corona Vor dem Oktoberfest gegen "Wiesn-Grippe" impfen?

Die sogenannte Wiesn-Grippe gibt es eigentlich nicht. Doch nach dem Oktoberfestbesuch klagen viele über Husten und Schnupfen. Welche Viren dahinterstecken und welche Impfungen helfen können.

Volle Festzelte, dichtes Gedränge, lautes Singen, und wenige Tage später läuft die Nase, der Hals kratzt und vielleicht kommt auch noch Fieber dazu.

Am 19. September startet in München wieder das Oktoberfest, und dann ist schnell von der "Wiesn-Grippe" die Rede. Doch was fängt man sich auf dem Oktoberfest tatsächlich ein? Und kann eine Impfung kurz vor einem Volksfest eine Infektion wirklich verhindern?

Welche Impfungen vor Atemwegsinfektionen schützen

"Eine 'Wiesn-Grippe' als eigenständige Erkrankung gibt es nicht", erklärt der Infektiologe Christoph Spinner vom TUM Klinikum Rechts der Isar in München. Hinter dem Phänomen steckt ein "Sammelbegriff aus vielen verschiedenen“, meist viralen Atemwegserkrankungen.

Hinzu kommen typische Bedingungen auf dem Oktoberfest: Spinner nennt etwa Schlafmangel und übermäßigen Alkoholkonsum. Für ihn ist das zusammen mit vielen zwischenmenschlichen Kontakten eine "perfekte Kombi für eine Erkältung".

Allerdings kann man sich gegen einige Viren impfen lassen, die während der herbstlichen Volksfestsaison in Deutschland zirkulieren: Influenza (Grippe), RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) und Sars-CoV-2/COVID-19.

Diese drei Atemwegsinfektionen können vor allem bei älteren Menschen und bestimmten Risikogruppen schwer verlaufen. Gegen Grippe empfiehlt die STIKO deshalb die jährliche Impfung grundsätzlich ab 60 Jahren, gegen COVID-19 seit diesem Sommer ab 75. Eine einmalige RSV-Impfung wird ebenfalls allen ab 75 Jahren empfohlen. Für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen gelten teilweise niedrigere Altersgrenzen.

Wie ist die Infektionslage kurz vor dem Oktoberfest?

Noch ist die Lage vergleichsweise ruhig. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert-Koch-Instituts meldete für die Kalenderwochen 32 bis 35 (August) eine sehr niedrige Aktivität akuter Atemwegserkrankungen, zuletzt mit einem leichten Anstieg zum Ende der Sommerferien. Das ist allerdings eine Momentaufnahme: Mit Beginn des Herbstes kann sich die Lage rasch ändern, und die verschiedenen Erreger haben unterschiedliche saisonale Verläufe.

Kann man sich gleichzeitig gegen mehrere Viren impfen lassen?

Ein kombinierter Impfstoff gegen Grippe und COVID-19 ist in der EU bereits seit April zugelassen. Der Impfstoff mCOMBRIAX von Moderna darf bei Menschen ab 50 Jahren eingesetzt werden, ist in Deutschland derzeit aber noch nicht verfügbar. Aber man kann sich an einem Tag auch gegen mehrere Erreger impfen lassen, sagt Spinner. "Unser Immunsystem ist ohne Weiteres in der Lage, auch gegenüber mehreren Erregern gleichzeitig Abwehrkräfte zu entwickeln", so Infektiologe Spinner.

Besonderheiten gibt es bei bestimmten Lebendimpfstoffen (zum Beispiel bei der Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln). Die würden aber ohnehin meist schon im Kindesalter verimpft.

Sind aktuelle Grippe- und Covid-Impfstoffe schon verfügbar?

Seit Ende August gibt es den Influenza-Impfstoff für die Grippesaison 2026/2027, meldete das Paul-Ehrlich-Institut. Dass dieser Impfstoff jedes Jahr angepasst werden muss, liegt an den Influenza-Viren, die die Grippe auslösen: Von diesen gibt es verschiedene Typen und Untertypen, die ständig neue Varianten entwickeln, so Infektiologe Spinner. Die WHO schätzt deshalb jeweils im Frühjahr ab, welche Influenza-Subtypen in der kommenden Saison wahrscheinlich eine Rolle spielen werden. Die Impfstoffe werden dann auf diese Varianten zugeschnitten. Auch der neue Impfstoff gegen die derzeit vorherrschende COVID-19-Variante XFG wurde Ende Juli von der Europäischen Kommission zugelassen.

Grippeimpfung vor dem Volksfest: Wann spätestens?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts dauert es nach einer Grippeimpfung etwa zehn bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist. Die Schutzwirkung entwickle sich aber bereits in den ersten Tagen schrittweise, erklärt Infektiologe Spinner. Wer zum Oktoberfestbeginn geschützt sein wolle, sollte sich "mindestens eine Woche zuvor" impfen lassen, denn dann hat man bis zum Anstich bereits einen wesentlichen Teil dieser Zeit hinter sich.

Impfung jetzt: Reicht der Schutz auch für den Winter?

Für den optimalen Schutz über den Winter wäre Spinner zufolge bei Influenza eigentlich ein etwas späterer Termin günstiger. "In einer idealen Welt" würde er gegen die echte Virusgrippe eher Ende Oktober oder Anfang November impfen. Denn die Zahl der Influenza-Infektionen erreicht ihren Höhepunkt meist erst um die Weihnachtszeit oder Anfang Januar. Der Impfschutz lässt jedoch im Laufe der Monate nach. Trotzdem hält Spinner den Herbst generell für den richtigen Zeitpunkt: Jeder Arzttermin sei da eine gute Gelegenheit, den eigenen Impfschutz gegen Atemwegserkrankungen überprüfen zu lassen.