Krieg im Jemen Mit den Kämpfen wächst die Gefahr einer Hungerkrise
Die Lage im Jemen ist so angespannt wie seit Jahren nicht mehr. Während sich Huthi-Rebellen und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen, hungern immer mehr Menschen.
Der Krieg im Jemen ist neu entflammt. Zwischen der Huthi-Miliz auf der einen und den Truppen der international anerkannten Regierung des Jemen auf der anderen Seite.
Die Vereinten Nationen warnen, so bedrohlich wie jetzt sei die Lage seit einem vor vier Jahren ausgehandelten Waffenstillstand nicht mehr gewesen. Hauptleidtragende der wieder aufflammenden Kämpfe: die Menschen im Jemen.
Botschafter beschuldigt Huthi-Miliz
Abdullah Ali Fadhel al-Saadi, Jemens UN-Botschafter, machte bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats vor gut zwei Wochen in New York die Huthi-Miliz dafür verantwortlich: "Diese Milizen nehmen heute die Häfen des Jemen und dessen lebenswichtige Infrastruktur ins Visier."
Sie attackierten außerdem Handels- und Frachtschiffe sowie Lebensmittelvorräte, sagte al-Saadi. "Sie beeinträchtigen die wirtschaftlichen und geschäftlichen Aktivitäten und verschlimmern das Leid der jemenitischen Bevölkerung."
Huthi geben sich kämpferisch
Anders sehen das die Huthi. Sie beschuldigen Saudi-Arabien, als Unterstützer der international anerkannten jemenitischen Regierung hinter der derzeitigen Eskalation zu stehen.
Ein Huthi-Sprecher zeigt sich bei einer Fernsehansprache kämpferisch: "Wir sind mit Gottes Kraft bereit, jede Eskalation mit stärkeren und heftigeren Schlägen sowie mit breiteren und größeren Operationen zu begegnen."
Saudi-Arabien sieht sich bedroht
Ein Angriff Saudi-Arabiens auf den Flughafen Sanaa, bei dem mehrere wichtige Huthi-Milizionäre getötet wurden, war vor wenigen Wochen der Auftakt der Kämpfe.
Saudi-Arabien sieht in der pro-iranischen Huthi-Miliz eine Bedrohung für seinen Ölexport. Seit durch die Straße von Hormus kaum noch Schiffe kommen, verschifft das saudische Königreich sein Öl über das Rote Meer.
Immer wieder drohen die Huthi, Bab al-Mandab, die zweite wichtige Transportroute in Region, zu blockieren und beschießen saudische Frachter.
Lebensmittelpreise massiv gestiegen
Carl Skau, der geschäftsführende Direktor beim Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP), sieht die notleidende Bevölkerung zwischen den Fronten.
Im Interview mit der ARD sagt Skau: "Der Jemen zahlt also einen hohen Preis dafür, da 90 Prozent der Lebensmittel importiert werden müssen. Aufgrund der Blockaden sind die Lebensmittelpreise innerhalb weniger Monate bereits um das Siebenfache gestiegen."
Nach WFP-Angaben leben im Jemen 18 Millionen Menschen in Ernährungsunsicherheit, sind also schlecht mit Essen versorgt. Die Hälfte aller Kinder ist teilweise lebensbedrohlich unterernährt.
Gefahr von wachsender Hungerkrise
Diese Woche war Skau mit seinem Team im Süden des Jemen unterwegs. Das Welternährungsprogramm hat wie viele Hilfsorganisation mit massiven Kürzungen seiner Geldmittel zu kämpfen.
"Ich war in einem Lager für Binnenvertriebene und sprach mit Müttern, die vor sechs Monaten noch jeden Monat ein Lebensmittelpaket und Bargeld erhalten hatten", sagt Skau. Nun blieben die Lebensmittel aus, weil das WFP sich das nicht mehr leisten könne - und das Bargeld gebe es nur noch alle zwei Monate.
"Sie erzählten mir, dass sie früher zweimal am Tag gegessen hätten. Heute essen sie - wenn sie Glück haben - nur noch einmal am Tag." Ohne das Eingreifen internationaler Akteure, sagt Skau, könne sich die bereits bestehende Hungerkrise im Jemen vertiefen.


