Energiekrise G7-Staaten geben Diesel- und Rohöl-Reserven frei

Die G7-Staaten wollen angesichts der hohen Kraftstoffpreise Öl-Reserven freigeben. Die USA hatten zuvor Druck vor allem auf die europäischen G7-Mitglieder gemacht. Für US-Präsident Trump sind die hohen Preise innenpolitisch ein großes Problem.

Die G7-Staaten haben sich auf die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl geeinigt, um die angespannten Energiemärkte zu entlasten. Die koordinierte Freigabe über die Internationale Energieagentur (IEA) soll unverzüglich anlaufen und über einen Zeitraum von vier Monaten erfolgen, wie die G7 in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Zudem ist eine vorgezogene, erhebliche Freigabe von Diesel innerhalb der ersten 20 Tage durch die G7-Mitglieder und ihre Partner geplant.

Zur Gruppe der G7-Staaten gehören Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA. Sie hatten sich zuvor in einer Videoschalte beraten, an der auch Bundeskanzler Friedrich Merz teilnahm. Frankreich hat derzeit den Vorsitz der Gruppe.

Exportstopp als Druckmittel

Angesichts der hohen Kraftstoffpreise hatten die USA die europäischen Länder zuletzt verstärkt gedrängt, ihre strategischen Diesel-Reserven freizugeben, um die Preise zu senken. Druckmittel war offenbar ein möglicher Exportstopp für Diesel aus den Vereinigten Staaten, für den US-Präsident Donald Trump sich zuvor ausgesprochen hatte.

Trump steht innenpolitisch unter Druck, denn die Treibstoffpreise sind auch in den USA in den vergangenen Wochen infolge des Iran-Kriegs erneut deutlich gestiegen - und Trumps Republikaner befinden sich rund einen Monat vor den Kongress-Zwischenwahlen in den USA im Umfragetief. Die USA hatten den Iran-Krieg zusammen mit Israel vor gut sechs Monaten begonnen.

USA richten Forderungen an Europa

US-Finanzminister Scott Bessent hatte gestern auf der Plattform X geschrieben, Europa solle zusätzliche Liefermengen unverzüglich bereitstellen. "Amerikanische Landwirte, Lkw-Fahrer und Unternehmen sollten nicht allein die Last einer weltweiten Diesel-Knappheit tragen müssen", schrieb er. "Wir erwarten von unseren Verbündeten, dass sie ihren Zusagen Taten folgen lassen."

In der Nacht auf Freitag hatte Trump mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu dem Thema telefoniert. Kurz vor der Ankündigung der Freigabe durch die G7-Länder schrieb er auf seiner Plattform Truth Social, Europa werde "eine gewaltige Menge seiner umfangreichen Diesel-Reserven freigeben".

Auch USA verpflichten sich, auf Exportverbote zu verzichten

Macron betonte nun, alle G7-Teilnehmer, unter ihnen US-Präsident Trump, hätten sich dazu verpflichtet, auf Exportverbote zu verzichten.

Die EU begrüßte die Entscheidung. "Unsere Bürgerinnen und Bürger brauchen und verdienen bezahlbare Energie", teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit. Die Bundesregierung hatte eine besonnene Reaktion angemahnt: "Es gilt jetzt, die Märkte nicht weiter zu verunsichern", sagte Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille. Die Versorgungssicherheit habe für die Bundesregierung "höchste Priorität". Der Grund für die hohen Kraftstoffpreise liege "zuvorderst in der Lage im Nahen Osten und der damit zusammenhängenden Verknappung des Angebots", betonte er.

Die 32 Mitgliedstaaten der IEA hatten bereits im März eine koordinierte Freigabe von Ölreserven vereinbart, um den durch den Iran-Krieg ausgelösten Preisanstieg abzufedern. Damals waren es 400 Millionen Barrel.