Unsicherheit an den Märkten Ölpreis und Zinsängste belasten die Börsen
Der DAX dürfte heute zum Handelsbeginn sinken. Der kräftige Anstieg des Ölpreises schürt neue Inflations- und Zinssorgen. Im Fokus stehen zudem der Trump-Xi-Gipfel und die neue Konjunkturprognose.
Der DAX dürfte heute mit Verlusten starten. Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex am Morgen vor Handelsbeginn rund 0,3 Prozent im Minus. Damit setzt sich die schwankungsanfällige Entwicklung der vergangenen Tage fort. Bereits am Mittwoch hatte der DAX 0,7 Prozent auf 25.411 Punkte verloren.
Im Mittelpunkt des Börsengeschehens steht erneut der Ölpreis. Die Notierung für ein Barrel Brent stieg am Abend zeitweise um 4,5 Prozent auf fast 104 Dollar. Zuvor war der Preis noch bis knapp unter 98 Dollar gefallen. Auslöser für die erneute Aufwärtsbewegung sind vor allem die wachsenden Sorgen um die Versorgung mit Öl aus dem Nahen Osten.
Am Morgen wurde Öl wieder etwas billiger, der Preis für die Nordseesorte Brent blieb aber klar über 100 Dollar je Fass.
Keine Annäherung zwischen USA und Iran
Die geopolitische Lage bleibt ein wichtiger Unsicherheitsfaktor. Nach Angaben der britischen Schifffahrtsbehörde UKMTO wurde erneut ein Frachtschiff in der Straße von Hormus von einem unbekannten Projektil getroffen und geriet in Brand. Die Besatzung wurde demnach evakuiert.
Zudem hat die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Konflikt zwischen den USA und Iran einen Dämpfer erhalten. Bei der UN-Generaldebatte in New York wies der iranische Präsident Massud Peseschkian den Druck der USA zurück. Eine schnelle Annäherung zwischen Washington und Teheran zeichnet sich damit weiterhin nicht ab.
Für die Börsen ist der hohe Ölpreis problematisch, weil er die Inflation antreiben kann. Damit wächst zugleich der Druck auf die Notenbanken, die Zinsen länger hoch zu halten oder sogar weiter anzuheben.
Wall Street unter Druck
Das war auch an der Wall Street zu spüren. Der Dow Jones verlor am Mittwoch 0,7 Prozent, der S&P 500 gab 0,8 Prozent nach. Der Nasdaq 100 büßte 1,1 Prozent ein, nachdem der Index am Vortag noch ein Rekordhoch erreicht hatte.
Neben dem Ölpreis sorgten starke US-Konjunkturdaten für Unruhe. Die Geschäftsaktivität in den USA ist im September so stark gestiegen wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Das verstärkt die Spekulationen auf weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank. Gleichzeitig stiegen die Renditen am Anleihemarkt deutlich: Die Rendite fünfjähriger US-Staatsanleihen überschritt erstmals seit 2007 die Marke von fünf Prozent.
Trump und Xi im Blick
Heute richtet sich der Blick außerdem nach Washington. Dort treffen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zusammen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Handelsbeziehungen.
Noch vor den geplanten Gesprächen verkündete US-Finanzminister Scott Bessent eine erste Einigung. Ein am 10. November auslaufendes Abkommen, das eine Zollpause im Handelsstreit zwischen den USA und China vorsehe, sei um zwei Monate bis zum 10. Januar verlängert worden.
"Wir haben uns heute getroffen, um auszuloten, ob wir ein größeres Abkommen anstelle einer Reihe kleinerer Schritte erreichen können", sagte Bessent dem Sender Fox News nach einem Treffen mit dem chinesischen Vizeregierungschef He Lifeng.
Für die Anleger geht es bei den Gesprächen nicht nur um Zölle. Auch der Umgang mit Künstlicher Intelligenz, Technologieexporte und geopolitische Fragen dürften eine Rolle spielen.
Neue Prognose für die deutsche Wirtschaft
In Deutschland steht heute die neue Gemeinschaftsdiagnose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute an. Das Herbstgutachten wird vorgestellt. Die Institute dürften ihre Wachstumserwartungen deutlich anheben. Nach vorab bekannt gewordenen Informationen wird für dieses Jahr mit einem Wachstum von etwa 1,3 Prozent gerechnet, nach 0,6 Prozent im Frühjahr. Für 2027 werden 1,1 Prozent erwartet.
Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet mit einem Wirtschaftsaufschwung in Deutschland. In ihrem jüngsten Wirtschaftsausblick prognostizierte die Industrieländerorganisation für dieses Jahr ein Wachstum von 1,1 Prozent. Damit liegt ihre aktuelle Schätzung 0,4 Prozentpunkte über der Prognose vom Juni. Auch für das kommende Jahr erwartet die OECD ein Wachstum von 1,1 Prozent.
Die besseren Prognosen sind vor allem auf die überraschend robuste Entwicklung im ersten Halbjahr sowie stärkere Exporte und höhere staatliche Ausgaben zurückzuführen. Gleichzeitig bleiben die hohen Energiepreise und strukturelle Probleme der deutschen Wirtschaft Belastungsfaktoren.




