Kaliforniens Gouverneur Macht Newsom auch Wahlkampf in eigener Sache?

Der Wahlkampf in den USA ist für Politiker auch eine Gelegenheit, sich zu positionieren - für die Präsidentschaftswahl 2028. Kaliforniens Gouverneur Newsom werden Ambitionen nachgesagt - doch es gibt viele Vorbehalte.

Zeitgleich mit den Midterms wird in Kalifornien auch ein neuer Gouverneur gewählt. Der demokratische Amtsinhaber Gavin Newsom darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren.

In den vergangenen beiden Jahren, und auch schon während der ersten Amtszeit Donald Trumps, hat er den amtierenden Präsidenten oft scharf kritisiert. Social-Media-Auftritte Newsoms, in denen er diejenigen Donald Trumps persifliert und ihre Lächerlichkeit nochmals verstärkt, haben für viel Aufsehen gesorgt.

Schon seit Langem wird spekuliert, dass Gavin Newsom ein möglicher Präsidentschaftskandidat der Demokraten bei der Wahl 2028 sein könnte. Noch hat er nicht bekannt gegeben, dass er bei den Vorwahlen der Demokraten antreten will, aber vieles scheint darauf hinzudeuten.

Im Vorfeld der Midterms war er jetzt auch in anderen Bundesstaaten unterwegs, um demokratische Kandidaten für das Repräsentantenhaus zu unterstützen. Bei Wahlkampfveranstaltungen, zum Beispiel in South Carolina, standen begeisterte Anhängerinnen und Anhänger der Demokraten Schlange für ein Selfie mit ihm.

Auch in New Hampshire war Newsom unterwegs, um den dortigen Kandidaten Pappas zu unterstützen. Beobachter mutmaßen, dass es Newsom auch um sich ging.

Spendensammeln - und vielleicht mehr

Er wolle niemanden langweilen mit seiner Anwesenheit, sagte er dem Fernsehsender CNN, seine Anwesenheit sei ein Gewinn für die Kampagnen - nicht zuletzt, weil er beim Spendensammeln hilft. Manche in der Partei würden nicht verstehen, dass er durch die Lande tingelt und hielten es für rausgeworfenes Geld. Noch dazu in Staaten wie Alabama und den beiden Carolinas - Gegenden also, die traditionell republikanisch wählen.

Wenn es um ein knappes Budget für Wahlwerbung ginge, dann könne das vielleicht sein, sagte Newsom. Aber Zeit - die koste nichts. Die Menschen müssten sehen, dass man sich die Mühe mache, hinzufahren, zuzuhören. Dass sie wichtig sind, wertgeschätzt werden. Das habe seine Partei lange vernachlässigt.

Unterwegs in eigener Sache?

Aber möglicherweise spielt auch etwas anderes eine wichtige Rolle, warum der scheidende Gouverneur Tausende Meilen entfernt von seiner kalifornischen Heimat unterwegs ist: South Carolina wird nämlich der erste Bundesstaat sein, in dem die Demokraten Vorwahlen für ihren Präsidentschaftskandidaten für 2028 abhalten. Man könnte auf die Idee kommen, dass Newsom auch auf Werbetour für sich selbst ist.

Bei einem einstündigen Interview mit CNN präsentierte er sich gerade mit Angel in der Hand in einer Art Fliegenfischen-Homestory. Wohl auch kein Zufall: Um die acht Millionen Menschen aus eher ländlich-konservativen Regionen betreiben diesen Sport. "Wie entscheidet man denn, ob man sich als Präsidentschaftskandidat bewirbt?", fragte darin Star-Reporter Jake Tapper, ebenfalls im Wasser watend.

Er habe damit ja keine Erfahrung, kokettierte Newsom, aber der Entscheidungsprozess laufe jetzt eben. Dabei ist er schon seit Jahren als Kandidat im Gespräch.

Demonstrativ volksnah: Gary Newsom beim Fliegenfischen mit CNN-Reporter Jake Tapper.

Von Trump lernen

Noch bekannter geworden ist er aber tatsächlich nicht zuletzt, seitdem er Donald Trump nicht nur inhaltlich kritisiert. Sogar international hat Wellen geschlagen, wie er Trumps Social-Media-Auftritt veralbert: In Großbuchstaben nennt er sich den "beliebtesten Gouverneur der USA, vielleicht aller Zeiten" und postet KI-generierte Fotos mit seinem Gesicht als fünften Kopf am Mount Rushmore.

Ob das wirklich angemessen sei, wollte CNN-Reporter Tapper wissen - es sei offensichtliche Satire, treffe einen Nerv und sei sehr erfolgreich, hält Newsom dagegen. Und eigentlich dürfe er das vielleicht nicht sagen, aber Humor fehle seiner Partei ganz einfach zu oft.

Newsom sagt, er beobachte, er lerne von seinem Gegner - und wende seine Strategien an. Selbstgerechtigkeit und intellektuelle Ansätze alleine brächten die Demokraten ganz offensichtlich nicht voran. "Sollen Menschen weiter unter Trump-Politik leiden, weil wir weiter nach altmodischen Regeln spielen?", lautet die rhetorische Frage Newsoms in einem Interview mit dem öffentlichen Fernsehsender PBS.

Mit Trumps Methoden Trump bekämpfen: Newsom hält diese Strategie für erfolgversprechend.

Spekulationen um Kamala Harris

Ob er tatsächlich antritt oder nicht, hält Newsom noch offen - genau wie Kamala Harris, die an Trump gescheitert war. Harris hatte vor einem halben Jahr bei der Jahrestagung der Bürgerrechtsbewegung National Action Network erklärt, dass sie über eine Kandidatur nachdenke.

Wenn die Ex-Vizepräsidentin nochmal antrete, werde er aber nicht kandidieren. Zu groß sei die potenzielle Schnittmenge beider unter Sympathisanten der Demokraten und den unabhängigen Wählern. Wenn sich eine Kandidatin Harris und ein Kandidat Newsom gegenseitig kannibalisierten, nutze das nur anderen.

Harris und Newsom teilen sich ein Problem: Kalifornien gilt im Rest des Landes oft als absurd woke und überheblich - und das bei extrem hohen Lebenshaltungskosten. Beide gelten Kritikern als im Amt gescheitert. Im Falle Newsoms geht es um überzogene Bürokratie und Umweltvorschriften, Lebenshaltungskosten, den massiven Wohnraummangel mit entsprechenden Preisen und einer dramatischen Obdachlosen-Problematik.

Newsom hält dagegen, dass die Wirtschaftsleistung Kaliforniens um 40 Prozent gewachsen sei, dass er den Wohnungsbau erleichtert und im Haushalt des Bundesstaates einen Posten für die Bekämpfung der Obdachlosigkeit in den Städten durchgesetzt habe.

"Passt du in den Zeitgeist?"

Dennoch: Newsom gilt Kritikern - auch manchen aus dem eigenen Lager - als jemand, der sein Fähnchen in den Wind hängt, als aalglatt und der nur an seiner Karriere interessiert ist. Als Newsom im Vorfeld der Midterms in anderen Bundesstaaten unterwegs war, ging es sicher auch darum, ein Gespür zu bekommen, wie aussichtsreich eine Kandidatur sein könnte.

"Du musst dich da ehrlich selbst befragen", sagte er in der Angel-Homestory bei CNN, "passt du in den Zeitgeist oder stiehlst du damit allen nur Zeit?"

Mindestens einen potenziellen Wähler hat Newsom bei einer Wahlkampfveranstaltung in South Carolina von sich überzeugt. Christian Merdner, eingetragener Wähler der Demokraten, sagte dem Sender PBS dort: "Er ist intelligent, authentisch, humorvoll. Humor und Einfühlsamkeit gehören zusammen, so wie Kommunikation und Vertrauen - und er hat all das."