Landgericht Arnsberg Prozess um "Soester Horrorhaus" begonnen
Vier Männer sind angeklagt, weil sie eine Frau in Soest misshandelt und gefangen gehalten haben sollen. Am Morgen begann der Prozess am Landgericht Arnsberg - mit einer dicken Überraschung. Es gibt neue Beweise und eine neue Festnahme.
Mehr als drei Monate soll das Martyrium einer 33-jährigen Frau in Soest gedauert haben: Immer wieder in dieser Zeit soll sie von vier Männern schlimm geschlagen, sexuell erniedrigt und gedemütigt worden sein.
Gefangene Frau wurde auch vergewaltigt
Die Männer sollen die Frau in einem Reihenhaus in Soest immer wieder misshandelt haben, zweimal sei sie vergewaltigt worden. Zeitweise war sie mit Handschellen an ein Heizungsrohr gekettet.
In der Anklage, die die Oberstaatsanwältin am Morgen vortrug, sind die menschenverachtenden, extrem demütigenden und erniedrigenden Taten beschrieben, die die Männer der Frau zugefügt haben sollen.
Aus Rücksicht auf das Opfer werden wir diese nicht detailliert beschreiben. Die Frau habe all das über sich ergehen lassen, weil sie fürchtete, erneut schlimm geschlagen zu werden, sagte die Staatsanwältin.
Misshandelte Frau war lebensbedrohlich unterkühlt
Aufgeflogen war der Fall im vorigen November. Ein Anwohner sah, wie auf dem Balkon eines benachbarten Reihenhauses eine Frau hing. Halbnackt, mit Handschellen gefesselt an einem Holzbalken. Der Mann rief die Polizei, die die Frau befreite.
Frau in Soest monatelang vergewaltigt und erniedrigt
Die Frau war lebensbedrohlich unterkühlt und musste intensivmedizinisch behandelt werden. Die obdachlose Frau sei abhängig gemacht worden, sagen Ermittler. Wie genau, ob durch falsche Versprechungen oder mit Drogen, das soll der Prozess zeigen.
Zwei der Männer sind noch Jugendliche
Ungewöhnlich in diesem Prozess: Zwei der vier angeklagten Männer sind noch jugendlich. Deshalb findet der Prozess vor der Jugendkammer statt. Dennoch wird – zunächst jedenfalls – öffentlich verhandelt.
"Das liegt daran, dass die anderen beiden Angeklagten erwachsen sind", sagt Claudia Mors-Böckenbrink, Sprecherin des Landgerichts Arnsberg. Dort findet der Prozess statt.
Frau in Soest misshandelt und gefangen gehalten
Es kann aber sein, dass zeitweise die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird – wenn es um intime Details geht oder um den Jugendschutz.
Claudia Mors-Böckenbrink, Sprecherin des Landgerichts Arnsberg
Der erste Verhandlungstag endete am Mittag mit einem sogenannten Rechtsgespräch. Denn vor wenigen Wochen wurde der Polizei eine SD-Karte mit Videos zugespielt. Darauf sind offenbar die Angeklagten und weitere Beschuldigte bei den Misshandlungen zu sehen.
Lebensgefährtin des Hauptangeklagten festgenommen
Auch auf dem Video: Die damalige Lebensgefährtin des Hauptangeklagten. Sie sitzt seit dem 25. September in U-Haft. Aufgrund der neuen Beweislage könnte es am nächsten Termin zumindest teilweise Geständnisse geben. Das soll in dem Rechtsgespräch geklärt werden.
An diesen Dachbalken wurde die Frau gefesselt.
Solidaritätsdemo in Soest gegen Gewalt an Frauen
Am Nachmittag des ersten Prozesstages ist eine Solidaritäts-Demo in Soest gegen Gewalt an Frauen geplant. Um 16 Uhr wollen die Teilnehmer vom Bahnhof zum Soester Marktplatz ziehen.
"Wir wollen der Frau zeigen, dass sie nicht alleine ist, dass wir an ihrer Seite sind", sagt Sarah Gonschorek von den Grünen im Kreis Soest. Zusammen mit dem Frauennetzwerk Kreis Soest hat sie zu der Demo aufgerufen.
Unsere Quellen:
- Öffentliche Verhandlung am Landgericht Arnsberg
- Claudia Mors-Böckenbrink, Sprecherin Landgericht Arnsberg
- Recherchen des WDR-Reporters vor Ort
- Sarah Gonschorek, Grüne Kreis Soest
- bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Sauerland, Siegerland und Südwestfalen, 12.10.2026, 5.01 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 12.10.2026, 12.45 Uhr



