Hohe Energiekosten Benzin, Heizöl, Gas - wie teuer wird der Winter?

Die Preise für Kraftstoff, Heizöl und Erdgas sind binnen kurzer Zeit stark gestiegen. Das verteuert den Alltag und belastet auch Firmen mit Extrakosten. Was sind die Folgen?

Rund 400 Euro im Monat gibt die Pendlerin Daria Schulz inzwischen fürs Tanken aus. Die 130 Kilometer zum Büro kann sie sich kaum noch leisten. "Das ist natürlich ein Ausgabeposten, den ich nicht einfach so wegstecke", sagt Schulz.

Der Preis für Superbenzin ist binnen eines Jahres um rund 30 Prozent gestiegen, der Dieselpreis um rund 45 Prozent. Im EU-Vergleich bleibt der Spritpreis in Deutschland trotz Tankrabatt hoch, vor allem wegen der Steuern und Abgaben. Auch die Freigabe der strategischen Reserven kann Autofahrer nur vorübergehend entlasten.

Wenig Planbarkeit für Unternehmer

Auch der Unternehmer Daniel Beständig aus der Nähe von Schweinfurt weiß nicht, wie er die Energiekosten noch stemmen soll. Er betreibt eine internationale Spedition mit 22 Fahrzeugen. Im Vergleich zu 2020 hat er nach eigenen Angaben eine Million Euro Mehrkosten im Jahr nur für Sprit.

Mit den Kraftstoff- und Energiepreisen hätten Mittelständler wie er momentan richtig zu kämpfen, sagt Beständig.

Jeden Monat ist das eine Wundertüte, was uns an der Tankstelle erwartet.

Der Bundesverband Logistik & Verkehr warnt vor einem Kollaps der Branche. Die Liquidität sinkt, Investitionen werden verschoben und Fuhrparks reduziert.

Hohe Spritkosten verteuern Lebensmittelpreise

Beständig transportiert überwiegend Lebensmittel. Bei festen Aufträgen kann er die Spritkosten an den Kunden weitergeben. Die wiederum geben sie an ihre Kunden - die Verbraucher - weiter. Das sei eine Spirale, sagt Beständig.

"Am Schluss - wir sehen das in den Supermärkten, gerade im Lebensmittelbereich - sind wir im Vergleich zu den letzten Jahren schon deutlich nach oben gegangen mit den Preisen", sagt der Unternehmer.

Allein im September sind die Energiepreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14,9 Prozent gestiegen. Das hat dazu geführt, dass die Inflationsrate inzwischen bei 3,3 Prozent liegt.

Ab Januar ist ein Spritpreisdeckel geplant, also ein staatlich festgelegter Höchstpreis. Ökonomen warnen vor unerwünschten Folgen. "Wenn ich in einem ansonsten freien Markt einen Preis deckle, habe ich zwei Effekte", erläutert Andrej Putisek von der Hochschule für Technik Stuttgart. "Eine steigende Nachfrage und ein gesunkenes Angebot. Mit Spritpreisdeckel habe ich die Befürchtung, dass es zu einer Knappheit kommen wird."

Heizöl-Schock: Volle Tanks, leere Konten

Der Preis für Heizöl ist innerhalb eines Jahres um rund 80 Prozent gestiegen. Beim Brennstoffhändler Dieter Dlask aus Bergkirchen gingen die Aufträge wegen der Preisexplosion drastisch zurück: "Wir haben Einbrüche bis zu 60 Prozent im Absatz. Und unsere Margen sind - im Gegensatz zu denen der Ölkonzerne - gleichbleibend und sehr dünn."

3.000 Liter Heizöl kosten derzeit rund 5.000 Euro. Viele Haushalte haben ihre Tanks wegen der hohen Preise kurz vor dem Winter noch gar nicht aufgefüllt - oder bestellen bewusst kleinere Mengen als früher.

Wenn die Heizsaison beginnt und die Freigabe der strategischen Reserven zu einer kurzfristigen Preissenkung führen sollte, kann es bei Bestellungen eng werden, warnt Dlask: "Es kann sich stauen, wenn es kalt wird und die Leute dann dementsprechend alle auf einmal kommen, dann wird es zu Wartezeiten kommen."

Gasspeicher ungewöhnlich leer

Der Großhandelspreis für Gas ist binnen eines Jahres um fast 128 Prozent gestiegen. Die Geschäfte der Hamburger Chemiefabrik HOBUM Oleochemicals laufen gut, doch die Maschinen brauchen Gas. Geschäftsführer Arnold Mergell hat den Familienbetrieb mit langlaufenden Lieferverträgen abgesichert. Bis 2029 kauft er Gas zu einem erheblich günstigeren Preis.

Doch der Unternehmer sorgt sich: Der Füllstand der deutschen Gasspeicher ist für Anfang Oktober so niedrig wie noch nie. Die Befürchtung: Deutschland könnte in diesem Winter das Gas ausgehen.

Anpassen ist teuer

Falls Mergell von Gas auf Heizöl umstellen müsste, wäre das für ihn teuer. Denn dann müsste er Heizöl zum aktuellen Marktpreis kaufen. "Deutsche Industrieunternehmen werden zumindest bei den im Winter zu erwartenden Preisen einen Wettbewerbsnachteil haben", kritisiert Mergell.

Die Endverbraucherpreise haben innerhalb eines Jahres um rund 40 Prozent zugelegt. Sollte Gas zur Mangelware werden, droht Deutschland ein teurer Winter.