Iranische Angriffe Ölpreis springt auf Fünf-Monats-Hoch
Neue Angriffe im Persischen Golf machen Öl wieder so teuer wie im Mai. Das schürt die Sorge vor einem neuen Inflationsschub. Die einzige Hoffnung bleibt derzeit eine Annäherung der Kriegsparteien.
Im Sommer hatte es noch eine spürbare Entlastung gegeben, doch jetzt sind die Ölpreise wieder zurück. Am Morgen kletterte Nordseeöl der Sorte Brent wieder über 111 Dollar pro Barrel (159 Liter). Das ist der höchste Stand seit fünf Monaten.
Weitere Angriffe in der Golfregion
Grund ist die Lage am Persischen Golf, die noch unklarer ist als ohnehin schon üblich. Zuletzt hatte US-Energieminister Chris Wright noch von einer Erholung der Liefermengen aus der Region auf 80 Prozent des Vorkriegsniveaus gesprochen. Der belgische Datendienstleister Kpler berichtet nun, dass die wöchentlichen Ölausfuhren aus der Straße von Hormus in der vergangenen Woche auf 8,5 Millionen Barrel pro Tag gefallen seien, nach mehr als 20 Millionen Barrel in der Vorwoche.
Dahinter stehen vor allem mehrere neue iranische Angriffe auf Handelsschiffe in den vergangenen Tagen. Iran habe "keine andere Wahl", als die Kontrolle über die Meerenge auszuüben, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten, erklärte zuletzt ein hoher iranischer Regierungsvertreter laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA. Außerdem attackiert die von Iran unterstützte Huthi-Miliz aus dem Jemen offenbar weiter saudi-arabische Ölanlagen.
"Die Risiken für die Ölpreise sind eindeutig nach oben gerichtet", sagte Rohstoffexperte Hamad Hussain vom britischen Analysehaus Capital Economics. Die Eskalation der Angriffe auf Schiffe könne zum einem weiteren Rückgang des Ölangebots führen.
Inflations- und Zinssorgen befeuern
Das schürt die Sorgen, dass die hohen Energiepreise die Teuerung hoch halten, und die Notenbanken ihre Zinsen höher als bisher erwartet hochschrauben müssen, um der hartnäckigen Inflation zu begegnen.
Hohe Zinsen wiederum erhöhen die Kosten für Unternehmen, nicht zuletzt die Technologiekonzerne, die derzeit enorme Mittel aufnehmen, um im KI-Rennen mitzuhalten.
Midterms in den USA wichtiger Fixpunkt
Eine kleine Hoffnung haben die Märkte aber noch - dass sich die USA und Iran vielleicht doch noch vor den Midterm-Wahlen Anfang November annähern könnten. Angesichts der bisherigen Enttäuschungen hat diese Hoffnung derzeit aber wenig Gewicht. Jede glaubwürdige Nachricht in dieser Richtung würde die Ölpreise aber deutlich zurückfallen lassen.
Nach den Midterms am 3. November sehen Marktteilnehmer dann wieder eine wachsende Gefahr, dass Washington den Konflikt mit neuen Militärschlägen zu lösen versucht. US-Öl der Sorte WTI notiert übrigens mit gut 103 Dollar pro Barrel weiter deutlich unterhalb des Brent-Preises. Dahinter steht auch die jüngste Anordnung von US-Präsident Donald Trump, die einige Sanktionen und Zölle auf russische Energieprodukte aufhob.
DAX fällt weiter zurück
Am deutschen Aktienmarkt ist der neue Preisschub am Ölmarkt heute der größte Belastungsfaktor. Bis zum frühen Nachmittag verliert der DAX 0,8 Prozent auf 25.121 Punkte.




