Tief "Manja" über Norddeutschland Unfall mit Kreuzfahrtschiff - und neue Sturmwarnungen
Bei hohen Wellen und starkem Wind hat ein Kreuzfahrtschiff in Bremerhaven zwei Containerschiffe gerammt. Insgesamt verlief die Sturmnacht im Norden relativ glimpflich. Doch für den Mittag gibt es weitere Sturmflutwarnungen.
Ein Kreuzfahrtschiff ist bei stürmischem Wetter und hohen Wellen in Bremerhaven mit zwei Containerschiffen zusammengestoßen. Beim Auslaufen wurde die "Mein Schiff 3" nach Polizeiangaben von Schleppern unterstützt, als eine Böe das Schiff erfasste. Es sei daraufhin auf zwei Containerschiffe zugetrieben, die an der Stromkaje festgemacht hatten. An dem kleineren Containerschiff sei ein leichter Schaden entstanden, bei dem größeren ein erheblicher. Auch das Tui-Schiff wurde erheblich beschädigt. Auf Bildern waren kaputte Rettungsboote zu sehen.
Bei keinem der Schiffe sei es zu einem Wassereinbruch oder Verletzten gekommen, so die Polizei. Das Kreuzfahrtschiff fuhr nach dem Unfall zurück zum Kreuzfahrtterminal. Alle drei am Unfall beteiligten Schiffe wurden mit einem Auslaufverbot belegt.
Zunächst war von einer Kollision zwischen dem Kreuzfahrtschiff und einem Containerschiff die Rede. Später teilte die Polizei mit, es seien insgesamt drei Schiffe betroffen. Tui Cruises bestätigte einen Unfall seines Schiffes. Zum Unfallzeitpunkt waren einer Sprecherin zufolge 2.428 Gäste und 922 Crewmitglieder an Bord.
Sturmflut trifft Norderney
Das stürmische Wetter geht auf Sturmtief "Manja" zurück, das den Norden Deutschlands in der vergangenen Nacht in Atem hielt. Die ostfriesische Nordseeinsel Norderney wurde im Zuge dessen von einer Sturmflut getroffen. Heftige Sturmböen drückten gewaltige Wassermassen aus der Nordsee gegen die Küste und ließen den Wasserstand gestern Abend deutlich ansteigen. Gegen 23 Uhr erreichte die Sturmflut ihren Höhepunkt. Mit einem Pegel von 8,20 Metern lag der Wasserstand rund 1,75 Meter über dem normalen Hochwasser.
Vor der niederländischen Insel Schiermonnikoog war am Abend ein Schwerlastfrachtschiff einer deutschen Reederei zeitweise manövrierunfähig geworden. Drei der 25 Besatzungsmitglieder seien verletzt worden, berichtete die Nachrichtenagentur ANP. Zunächst war von fünf Verletzten die Rede gewesen.
Frau in Hamburg aus Auto gerettet
In Hamburg war der Altonaer Fischmarkt überschwemmt - wie es erwartet worden war. Die Feuerwehr habe die Lage im Blick gehabt und sei darauf vorbereitet gewesen, sagte ein Mitarbeiter der Hamburger Polizei. Auch in Bremerhaven, Wilhelmshaven und Cuxhaven standen Parkplätze unter Wasser. In der Hamburger Hafencity blieb eine Autofahrerin in einer überfluteten Eisenbahnunterführung im Wasser stecken und musste von der Feuerwehr gerettet werden.
Im nordfriesischen Dagebüll zeigten Videoaufnahmen peitschende Wellen und überspülte Straßen am Ufer. In Schleswig-Holstein berichteten die Polizeileitstellen ebenfalls von mehreren sturmbedingten Einsätzen. Wegen eines umgestürzten Baums auf den Gleisen mussten Fahrgäste in Stade in Niedersachsen am Abend zwei Stunden lang in einer S-Bahn ausharren, bevor die Fahrt fortgesetzt werden konnte.
Insgesamt berichteten die Polizeileitstellen im Norden allerdings nur von wenigen größeren Einsätzen. Schwere Unfälle und Personenschäden blieben nach ihren bisherigen Einschätzungen aus - die Einsatzkräfte seien gut vorbereitet gewesen.
Stromausfälle in Großbritannien und Frankreich
Auch im Ausland hatte der Sturm Folgen. Zehntausende Haushalte waren in England nach Angaben der BBC gestern ohne Strom, 6.000 weitere in Schottland. In Frankreich fiel laut dem örtlichen Versorger in knapp 60.000 Haushalten wegen Sturmschäden der Strom aus.
Am Amsterdamer Flughafen Schiphol sorgte der Sturm für erhebliche Beeinträchtigungen. In Skandinavien stellten zahlreiche Fähren ihren Betrieb vorübergehend ein. Umgestürzte Bäume sorgten auf Straßen in Dänemark und Norwegen für Chaos. Auch in Norwegen fiel teilweise der Strom aus.
Neue Sturmflutwarnung für die Nordsee
Noch gibt es keine Entwarnung. Für heute Mittag gab das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erneut eine Sturmflutwarnung für die Nordsee heraus. Demnach werden das Mittag-Hochwasser beziehungsweise das Nachmittag-Hochwasser an der ostfriesischen Küste und im Wesergebiet etwa 1,5 Meter höher und an der nordfriesischen Küste und im Elbegebiet 1,5 bis zwei Meter höher als das mittlere Hochwasser.



