Juristin aus Südafrika Friedensnobelpreis geht an Navanethem "Navi" Pillay

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die südafrikanische Menschenrechtlerin Navanethem Pillay. Die 85-Jährige werde für ihren Einsatz für das Völkerrecht und gegen Kriegsverbrechen gewürdigt, erklärte die Jury in Oslo.

Die südafrikanische Juristin und Menschenrechtlerin Navanethem "Navi" Pillay erhält in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Das gab das Norwegische Nobelkomitee in Oslo bekannt.

Pillay werde "für ihre Bemühungen um die Förderung des Friedens und des Völkerrechts" geehrt, sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Jorgen Watne Frydnes. "Die diesjährige Preisträgerin hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt werden." Sie sei eine der wichtigsten Rechtsexperten unserer Zeit.

UN-Hochkommissarin für Menschenrechte

Pillay war in Südafrika seit den 1960er-Jahren als Anwältin tätig. Dort verteidigte sie unter anderem Anti-Apartheid-Aktivisten und setzte sich gegen Folter ein. Später war sie als Richterin am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda tätig. Von 2003 bis 2008 war sie Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, ehe sie 2008 bis 2014 UN-Hochkommissarin für Menschenrechte wurde.

Später leitete sie eine UN-Untersuchungskommission zu den palästinensischen Gebieten. Im September 2025 stellte diese Kommission einen Bericht vor, in dem sie Israel Völkermord in Gaza vorwarf.

Internationales Recht unter Druck

Das Nobelkomitee verwies in seiner Begründung auch auf die zunehmende Zahl von Kriegen und Konflikten und auf politischen Druck auf Richter und Institutionen des internationalen Rechts. Die Fähigkeit, Konflikte ohne Gewalt zu lösen, hänge von einer funktionierenden internationalen Rechtsordnung ab, erklärte das Komitee. "Ein internationales Rechtssystem, in dem Kriegsverbrecher zur Rechenschaft gezogen werden und Opfer von Missbrauch Gerechtigkeit erfahren, ist eine Voraussetzung für eine friedliche Welt."

Der Friedensnobelpreis kann nach den Vorgaben des Preisstifters Alfred Nobel an Personen oder Organisationen verliehen werden, die sich für Frieden, internationale Zusammenarbeit oder Abrüstung einsetzen. Die Jury hatte diesmal die Wahl aus 287 Nominierten. Vorschläge können etwa Kabinettsmitglieder, Universitätsprofessoren, Staatsoberhäupter oder frühere Preisträger machen.

Verleihung am 10. Dezember

Dotiert ist der Preis in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen - umgerechnet etwas mehr als einer Million Euro. In den vergangenen Tagen waren bereits Nobelpreisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Literatur bekanntgegeben worden. Am kommenden Montag folgt noch der Preis für Wirtschaftswissenschaften.

Überreicht werden die Preise am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters. Als einzige der Auszeichnungen wird der Friedensnobelpreis nicht in Stockholm, sondern in Oslo verliehen.

"Dieser Mut fehlt heute vielen Regierungen"

In einer ersten Reaktion auf die Bekanntgabe in Oslo würdigte auch das UN-Menschenrechtsbüro Pillays langjähriges Engagement. Die Auszeichnung "unterstreicht die Notwendigkeit und den Wert der Menschenrechte - heute mehr denn je", hieß es.

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International begrüßte die Ehrung als das "richtige Signal zur richtigen Zeit". Pillay habe sich nie gescheut, Verbrechen beim Namen zu nennen - ganz gleich wer sie begangen hat. "Genau dieser Mut fehlt heute vielen Regierungen, die das Völkerrecht nur dann verteidigen, wenn es ihnen politisch passt", betonte Amnesty-Generalsekretärin Julia Duchrow.